Lieferengpässe und Preisanstieg - Auf dein neues Auto musst du jetzt bis zu einem Jahr warten
Publiziert

Lieferengpässe und PreisanstiegAuf dein neues Auto musst du jetzt bis zu einem Jahr warten

Händlern gehen die Carrossen aus, weil die Hersteller verspätet liefern. Wer ein neues Auto will, muss mit langen Wartezeiten rechnen. Die Knappheit könnte bald zu Preiserhöhungen führen.

von
Fabian Pöschl
1 / 8
Corona und der Mangel an Computer-Chips haben die Autoindustrie lahmgelegt.

Corona und der Mangel an Computer-Chips haben die Autoindustrie lahmgelegt.

AFP
Die Autohersteller rechnen wie schon vergangenes Jahr damit, dass sie weniger herstellen können. 

Die Autohersteller rechnen wie schon vergangenes Jahr damit, dass sie weniger herstellen können.

REUTERS
Von den Verzögerungen sind alle Hersteller betroffen.

Von den Verzögerungen sind alle Hersteller betroffen.

REUTERS

Darum gehts

  • Autohändler melden Alarm wegen Lieferverzögerungen.

  • Es kann bis zu einem Jahr länger als üblich dauern, bis der Neuwagen eintrifft.

  • Die Konsumentinnen und Konsumenten kaufen deshalb vermehrt Occasionswagen.

  • Händler rechnen mit Preisanstiegen bei Gebrauchtautos.

In der Corona-Krise haben Auto-Hersteller weltweit ihre Produktion heruntergefahren oder komplett stillgelegt. Entsprechend verspäten sich nun ihre Lieferzeiten. Zudem kämpfen die Firmen mit dem Computer-Chip-Mangel, weil ohne die Chips heute fast nichts mehr geht, und müssen die Produktion erneut drosseln.

VW rechnet darum mit einem Produktionsverlust von zehntausenden Autos (siehe Box). Doch nicht nur VW ist betroffen. «Allen Automarken fehlen die Chips», sagt Giuseppe Longa, Inhaber der Garage Zimmerli in Lenzburg, zu 20 Minuten. Wer ein neues Auto will, muss sich darum gedulden.

100’000 VW-Autos weniger

Wegen des Computer-Chip-Mangels prognostiziert VW einen Produktionsverlust von mindestens 100’000 Autos. Audi und Daimler mussten sogar schon Schichten drosseln und ihre Produktion zurückfahren. Ford stellte die Produktion im Autowerk in Köln fast komplett ein und auch BMW rechnet mit Problemen in der zweiten Jahreshälfte.

Bisher sei es bei Zimmerli aber erst zu maximal drei Wochen Verspätung gekommen. Dafür hätten die Kundinnen und Kunden angesichts der besonderen Umstände Verständnis. Allerdings sind Lieferverzögerungen von bis zu einem Jahr möglich – insbesondere bei Elektroautos, wie Markus Aegerter vom Auto-Gewerbe-Verband Schweiz sagt.

Gebraucht statt neu

Eine Preiserhöhung gibt es bei den Autohändlern trotz des knappen Angebots zumindest derzeit noch nicht, wie Aegerter versichert. Allerdings würden viele Kundinnen und Kunden, die nicht so lange auf einen Neuwagen warten wollen, stattdessen auf den Occasionsmarkt ausweichen.

So brummt das Geschäft im Auto-Occasionshandel. 286’420 Fahrzeughalterwechsel gab es laut Aegerter von Januar bis April in der Schweiz. Das ist sogar etwas mehr als vor der Krise in den ersten Monaten 2019. Bisher gab es auch im Occasionsmarkt laut Aegerter keine wesentlichen Preiserhöhungen.

Occasionsautos in USA nun 25 Prozent teurer

In den USA hat der Auto-Mangel beim Neumarkt schon seinen Preis gefordert. Dort stehen die Showrooms leer. Sowohl Neu- als auch Gebrauchtwagen sind Mangelware. Die Preise für Occasionsautos stiegen im Jahresvergleich laut Berichten um bis zu 25 Prozent.

Diese Preisentwicklung könnte etwas verspätet auch in der Schweiz vorkommen, sagt Tobias Fässler von Autoscout24: «Bisher hat der Chipmangel die Preise bei den Occasionen in der Schweiz noch nicht in die Höhe getrieben. Wir beobachteten aktuell auf unserer Plattform noch mehr oder weniger stabile Preise für Gebrauchtwagen.»

Noch monatelange Verzögerungen erwartet

Es gebe Anzeichen, dass sich die Situation bei der Chip-Produktion bis im Juli entspannt. Allerdings fahren die Betriebe die Produktion erst dann wieder voll hoch, weshalb es bei den Neuwagen noch einige Monate zu Verzögerungen kommen dürfte.

Die Automarktforscherinnen und -forscher von Eurotax Schweiz gehen davon aus, dass die Nachfrage kurz-und mittelfristig stabil bleibt oder steigt und das Angebot knapp bleibt. So könnten etwa die Durchschnittspreise für drei Jahre alte Occasionsautos dieses und nächstes Jahr im Schnitt noch um 1,5 Prozent steigen.

«Jetzt zuschlagen»

Auch Andrej Rüegg von Autohändler von Rotz stellt seit Monaten einen Rückgang des Gebrauchtwagenangebots fest. Das Angebot werde immer kleiner. Wenn es so weitergeht, rechnet auch er damit, dass sich das Preisniveau im Markt allgemein erhöhen wird.

Deshalb sollten Interessierte laut Rüegg genau jetzt zuschlagen. «Aktuell ist ein spannender Zeitpunkt für die Kundinnen und Kunden, ein Fahrzeug zu kaufen. Die Preise sind immer noch tief und die Eintauschfahrzeuge heiss begehrt. Dies führt für die Kundin und den Kunden zu sehr guten Angeboten», so Rüegg.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

39 Kommentare