Aktualisiert 16.02.2005 21:05

Auf dem Holzweg

Holz isch heimelig: Computer aus Holz passen im edlen Büro perfekt zu den Ledersesseln, den dunklen Wänden und dem Salontischchen aus Rauchglas.

Armaturen aus Holz zeugen bei Autos von edler Herkunft. Nur die teuersten Modelle verfügen über ein Mahagoni-Lenkrad oder ein Armaturenbrett aus Walnuss- bzw. Kirschbaumholz. Doch das organische Material hat nicht bloss optische Vorzüge, sondern fühlt sich zudem angenehmer an als Kunststoff. Das haben auch Hersteller von Computer-Hardware gemerkt, und so stellen findige Unternehmen mittlerweile PC-Tastaturen, Computermäuse und Bildschirme aus edlen Hölzern her.

Die deutsche Holzkontor AG beispielsweise nimmt nackte PC-Bestandteile und schreinert wohl geformte Hüllen rundherum. Verwendet werden Hölzer wie Ahorn, Buche, Kirsche und Eiche, aber auch Exotischeres wie Mahagoni, Palisander oder Teak. Im Unterschied zu den Autoarmaturen, die heute aus Kunststoff bestehen und nur mit einer millimeterdünnen Holzschicht versehen sind, werden diese PC-Teile aus massivem Holz geschnitzt, gedrechselt und gesägt.

Das edle Design variiert je nach verwendeter Holzart: Zwischen hellem Ahorn und dunklem Mahagoni sind diverse Brauntöne mit verschiedenen Maserungen zu haben. Wie die Autozubehör-Hersteller achten auch die Macher von Holzcomputern darauf, dass der exotische Rohstoff aus geschütztem Anbau stammt – schliesslich leben wir ja nicht mehr in den Siebzigern, als man die Häuser noch schamlos mit Tropenhölzern auskleidete.

Holzfreunde, die sich solche rustikalen Geräte zulegen, müssen nicht auf gute Technik verzichten: Das Innenleben der edlen Holzmäuse stammt von Logitech, jenes der Tastaturen vom Keyboard-Hersteller Cherry. Ein hölzerner Schreibstil wird durch eine solche Tastatur freilich kaum verbessert – dafür sorgt das natürliche Material für haptischen Genuss beim Arbeiten.

Weil die Holzteile angeblich ohne schädliche Chemikalien hergestellt werden, gelten die Fabrikation und der Kauf von PCs aus Holz als Beitrag zum Umweltschutz. Haben diese Geräte einmal ausgedient, muss zumindest ihr Äusseres nicht in den Sondermüll, sondern kann mit dem normalen Abfall verbrannt werden. Holzmonitore dürften ohnehin weniger brandsicher sein als übliche Kunststoff-Computergehäuse, werden Letztere doch mit giftigen, so genannten bromierten Flammenhemmern ausgestattet, die den Feuerschutz des Gerätes verbessern. Unproblematisch zu entsorgen sind die Holzgeräte jedoch bei weitem nicht, denn im Innern enthalten auch diese rustikalen Kisten noch haufenweise Elektromüll.

Felix Raymann

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