Simon Sohm blickt zurück - «Auf dem Platz habe ich Cristiano Ronaldo komplett vergessen»
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Simon Sohm blickt zurück«Auf dem Platz habe ich Cristiano Ronaldo komplett vergessen»

Im Sommer 2020 wechselte der Schweizer Simon Sohm vom FC Zürich zum FC Parma. Seither ist viel passiert. Sohm lieferte sich Duelle mit Superstars, schoss sein erstes Serie-A-Tor – und stieg mit Parma als Tabellenletzter ab.

von
Nils Hänggi
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Simon Sohm hat sein erstes Auslandsjahr hinter sich. 

Simon Sohm hat sein erstes Auslandsjahr hinter sich.

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Im Sommer 2020 wechselte er vom FC Zürich zum FC Parma. 18 Partien bestritt der Sohn einer Schweizerin und eines Nigerianers in der letzten Saison. Im Frühling bei der 2:5-Pleite gegen Freulers Bergamo gelang ihm gar ein Tor.

Im Sommer 2020 wechselte er vom FC Zürich zum FC Parma. 18 Partien bestritt der Sohn einer Schweizerin und eines Nigerianers in der letzten Saison. Im Frühling bei der 2:5-Pleite gegen Freulers Bergamo gelang ihm gar ein Tor.

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Zum Duell mit Juve-Superstar Cristiano Ronaldo meint der 20-Jährige: «Ronaldo war schon immer ein Vorbild – vor allem in der Kindheit. Aber ich muss ehrlich sagen: Auf dem Platz habe ich das komplett vergessen.»

Zum Duell mit Juve-Superstar Cristiano Ronaldo meint der 20-Jährige: «Ronaldo war schon immer ein Vorbild – vor allem in der Kindheit. Aber ich muss ehrlich sagen: Auf dem Platz habe ich das komplett vergessen.»

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Darum gehts

  • Die Schweizer U-21-Nati gewann zum Saisonabschluss ein Testspiel gegen Irland 2:0.

  • Mitten drin: Parma-Youngster und Ex-FCZ-Spieler Simon Sohm.

  • Der 20-Jährige hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich.

  • Duelle mit Cristiano Ronaldo und Zlatan Ibrahimovic, erstes Tor in der Serie A, EM mit der Schweizer U-21-Nati – und der Abstieg mit Parma.

  • Mit 20 Minuten macht er einen Rückblick – und spricht auch darüber, was er noch vorhat.

«Dass ich gegen Cristiano Ronaldo spielen durfte, ist natürlich krass.» Parma-Youngster Simon Sohn lacht, als er das sagt. 20 Minuten erreicht ihn am Telefon. Der junge Schweizer Fussballer weilte zuletzt mit der U-21-Nati in Marbella. «Ronaldo war schon immer ein Vorbild – vor allem in der Kindheit. Aber ich muss ehrlich sagen: Auf dem Platz habe ich das komplett vergessen. Vorher und nachher war es beeindruckend. Aber während der Partie? Da hatte ich andere Gedanken.»

Sohm ist gut drauf. Verständlich. Gegen Irland gab es mit U-21-Nati zum Saisonabschluss einen 2:0-Sieg im Testspiel gegen Irland. Für die Schweiz schossen Leonidas Stergiou und Gabriel Bares die Tore. Coach Mauro Lustrinelli bot 15 Neulinge auf. Sie spielen bei Teams aus der Super League, aus der Challenge League oder im Ausland. Nun ist Sohm aber in den Ferien. Mit uns blickt er nochmals auf sein erstes Auslandsjahr zurück – und in die Zukunft.

«Es lief einfach gar nicht gut»

Anfangs Oktober 2020 wechselte der 20-Jährige vom FC Zürich in die Serie A zum FC Parma. Für rund sechs Millionen Franken. Viel Geld für einen jungen Schweizer Fussballer, der sich in der Saison 2019/20 als Stammspieler beim FCZ etabliert hatte. Dass der damals 19-Jährige so teuer war, hatte vor allem mit FCZ-Präsident Ancillo Canepa zu tun. Der Clubpräsident soll laut italienischen Medien ein harter Verhandlungspartner gewesen sein, habe einen Wechsel lange abgelehnt und den Preis erfolgreich in die Höhe getrieben.

Seither ist viel passiert in der Karriere des jungen Fussballers. Debüt in der A-Nati im Freundschaftsspiel gegen Kroatien (1:2), EM mit der U-21-Nati. Natürlich die Saison in der Serie A mit Parma Calcio – samt Duellen mit Romelu Lukaku, Zlatan Ibrahimovic und eben Idol Cristiano Ronaldo. Und schlussendlich der bittere Abstieg mit seinem neuen Club. Parma stieg als Tabellenletzter mit 20 Punkten ab.

«Der Abstieg hängt mir nach», gibt der Ex-FCZ-Youngster zu. Sie seien alle sehr enttäuscht, man habe sich im Club mehr erhofft. «Die Erwartungen waren viel, viel höher! Es lief einfach gar nicht gut.» Die Worte von Sohm stimmen. Es klappte wirklich nicht viel bei Parma in der letzten Saison. Der Verein war in den 1990er Jahren eine Grösse, ging 2015 Konkurs und startete in der vierten Liga neu. Für den Club war das nicht nur schlecht. Er schuf sich eine solide finanzielle Basis und schaffte innert drei Jahren die Rückkehr in die Serie A. Im September 2020 übernahm der Amerikaner Kyle Krause die Aktienmehrheit, butterte viele Millionen in den Verein und in Transfers.

Geht er mit Parma in die Serie B?

Wie nach der Saison aber klar ist: Die vielen Millionen, sie wurden nicht gut investiert. Gewichtige Abgänge wurden nicht kompensiert. Es gab viele späte Transfers, einen Trainerwechsel von Erfolgscoach Roberto D'Aversa hin zu Fabio Liverani. Der ehemalige italienische Nationalspieler setzte im Gegensatz zu D’Aversa, der pragmatisch verteidigen liess und auf Konter setzte, auf attraktiven Angriffsfussball mit viel technischer Finesse. Aus den ersten fünf Partien in Liveranis Lieblingssystem 4-3-1-2 holte Parma nur vier Punkte, kassierte jedoch elf Gegentore.

Viel besser wurde es nicht. Zu Beginn des Jahres feuerten die Verantwortlichen den Coach – und holten, ja genau, D'Aversa zurück. Den Mann also, der Parma zurück ins Mittelfeld der Serie A geführt hatte. Aber auch er konnte das Ruder nicht mehr herumreissen. Parma stieg ab.

Wir fragen bei Sohm nach. Woran haperte es aus seiner Sicht? «Das ist schwierig zu sagen», so der 20-Jährige. Und: «Wir waren viele neue Spieler, generell viele neue Leute. Es hat nie richtig gepasst im Team allgemein. Also damit meine ich jetzt die Zusammenarbeit auf dem Platz. Untereinander hatten wir es nämlich mega gut. Wir verstanden uns alle super – vor allem abseits des Fussballfeldes.» Und so bleibt die bittere Tatsache des Abstiegs. Bei Parma hat Sohm noch einen Vertrag bis 2025. Ob er bis dahin bleibt – auch in der Serie B –, wird man sehen. Zu 20 Minuten sagt er: «Ich schaue nach den Ferien. Ich bin relativ offen. Erstmals geniesse ich jetzt die freien Tage. Einen langfristigen Vertrag habe ich.»

«Taktisch habe ich sehr viel gelernt»

Sohm steht also vor einer schwierigen Entscheidung. In Parma gefällt es ihm. Er wohnt mitten in der Stadt, ist voll im Leben integriert. Die Fans des Clubs mag er. Sind sie doch nie «ungut», wie er erzählt. «Sie sind immer positiv gestimmt. Auch wenn es nicht gut läuft, wir oft verlieren, munteren sie einen auf. Das ist schön», sagt Sohm. Auch Italienisch kann der U-21-Nati-Spieler immer besser. Er versteht alles und einfache Kommunikation klappt auch schon.

Dennoch – auch wenn er in Italien angekommen ist – Sohm ist wohl zu gut für die Serie B. 18 Partien bestritt der Sohn einer Schweizerin und eines Nigerianers in der letzten Saison. Im Frühling bei der 2:5-Pleite gegen Freulers Bergamo gelang ihm gar ein Tor. Sein Erstes – und bisher einziges in Italien. «Mit meiner ersten Saison bin ich zufrieden», so der junge Mann, der früher als Kind grosser Barcelona-Fan war. «Taktisch habe ich sehr viel gelernt. Hier muss jeder Meter stimmen.»

Irgendwann will der 20-Jährige bei einem Top-Club kicken, unumstrittener Stammspieler sein. Doch das ist Zukunftsmusik. Die Realität lautet erstmals: ein paar Wochen frei zu haben – samt Entscheidung über die Zukunft. «Ich freue mich über die freie Zeit», so Sohm. Der 20-Jährige lacht und meint: «Ich kann mich entspannen. Das ist toll!»

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