Weltweites Potential - Auf dem Säntis werden mit Laser Blitze abgelenkt
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Weltweites PotentialAuf dem Säntis werden mit Laser Blitze abgelenkt

In dem 123 Meter hohen Antennenturm auf dem Säntis schlagen jeden Sommer Hunderte Blitze ein. Nun wird genau dort ein aufwändiges Projekt installiert.

von
Michel Eggimann
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Der Säntis dient einem Experiment mit grossem Potential.

Der Säntis dient einem Experiment mit grossem Potential.

Säntis-Schwebebahn AG
Dabei geht es um den Schutz von empfindlichen Standorten.

Dabei geht es um den Schutz von empfindlichen Standorten.

Säntis-Schwebebahn AG
Mit modernster Lasertechnik will ein Forscherteam Blitze künstlich auslösen und gezielt an einen vordefinierten Ort leiten.

Mit modernster Lasertechnik will ein Forscherteam Blitze künstlich auslösen und gezielt an einen vordefinierten Ort leiten.

Säntis-Schwebebahn AG

Darum gehts

  • Derzeit laufen auf dem Säntis Aufbauarbeiten für ein Blitzablenk-Projekt.

  • Im Juli soll das Experiment, bei dem mit Lasertechnik gearbeitet wird, durchgeführt werden.

  • Es hat weltweites Potential.

  • Es geht um den Schutz von empfindlichen Standorten wie Flughäfen oder Industrieanlagen.

Der Säntis ist auch als Wetterberg bekannt. Immer wieder stürmt es auf dem Ostschweizer Gipfel heftig. Oder es schneit stark, was zu immensen Schneemassen führen kann, wie 2019, als ein Hotel auf der Schwägalp von einer Lawine erwischt wurde. Die Aufräumarbeiten dauerten mehrere Tage. Auch jetzt herrscht auf dem Berg wieder Betrieb. Es geht um ein Projekt zum Ableiten von Blitzen. «Mit modernster Lasertechnologie erforscht ein Team von Wissenschaftlern eine neue Art des Blitzschutzes auf der Basis von Hochleistungs-Ultrakurzpulslaser», teilt die Säntis-Schwebebahn AG mit. Einfacher gesagt: Das internationale Forscherteam unter der Leitung der Universität Genf will Blitze künstlich auslösen und gezielt an einen vordefinierten Ort leiten.

Bruno Vattioni, Geschäftsführer der Säntis-Schwebebahn AG, sagt: «Derzeit stehen auf dem Säntis mehrere Container. Es gleicht einer Baustelle. Das Forscherteam ist am Aufbau.» Die Versuchsinstallation wird in den nächsten Tagen vorbereitet und das wissenschaftliche Experiment soll dann von Juli bis Oktober 2021 stattfinden.

«Bahnbrechende Lösung»

Angebracht wird die Technologie auf dem 123 Meter hohen Antennenturm auf dem Säntis. Dort schlagen jeden Sommer mehrere hundert Blitze ein. Eine Gefahr bestehe für seine Angestellten nicht, sagt Vattioni. Bei einem Unwetter sei sowieso niemand draussen auf dem Gipfel. Der Säntis sei für dieses Experiment der ideale Standort, sein Team könne mit jedem Wetter umgehen und habe Erfahrung mit Blitzen, so der Geschäftsführer der Säntis-Schwebebahn AG.

Auf den ersten Eindruck klingt das Projekt für einige möglicherweise wenig spektakulär. Doch es könnte laut Vattioni weltweite Auswirkungen haben. Er sagt: «Wenn die Technologie funktioniert, kann man sie auch bei anderen Anlagen nutzen. Dann können so zum Beispiel Raffinerien mit hohen Türmen oder Flughäfen vor Blitzeinschlägen geschützt werden.» Der Laser sei extra für dieses Projekt produziert worden. Vattioni sieht ein grosses Potential ausgehend von dem Versuch auf dem Säntis. «Die Ableitung von Blitzeinschlägen an einen definierten Ort wäre eine bahnbrechende Lösung für den Schutz empfindlicher Standorte.» Denn traditionelle Blitzableiter schützten empfindliche Standorte nicht vor den verschiedenen indirekten Auswirkungen der starken elektromagnetischen Felder, die durch Blitzeinschläge induziert werden, wie zum Beispiel Überspannung.

Gegenwärtig ist man auf dem Säntis aber vorerst auf gutes Wetter angewiesen. «Es müssen noch sperrige Teile, die wir nur mit einem Helikopter und nicht mit der Bahn transportieren können, auf den Berg gebracht werden für den Blitzablenk-Versuch», sagt Vattioni.

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