Austria-Überflieger: Auf dem Weg zu einer «Ikone des Skispringens»
Aktualisiert

Austria-ÜberfliegerAuf dem Weg zu einer «Ikone des Skispringens»

Mit dem Gewinn der Vierschanzentournee hat sich Gregor Schlierenzauer einen Traum erfüllt. Heute wird der Österreicher erst 22 Jahre alt, dennoch ist er schon einer der ganz Grossen.

von
Eva Tedesco
Gregor Schlierenzauer macht sich mit dem Sieg an der 60. Vierschanzentournee gleich selbst das schönste Geschenk zu seinem heutigen 22. Geburtstag. (Keystone/AP)

Gregor Schlierenzauer macht sich mit dem Sieg an der 60. Vierschanzentournee gleich selbst das schönste Geschenk zu seinem heutigen 22. Geburtstag. (Keystone/AP)

Mit einem Satz überwindet der Tiroler die Bande. Denn wegen dem abgesagten zweiten Durchgang musste Schlierenzauer für einmal mit dem Lift die Schanze runter, um im Auslauf des Skisprung-Stadions von Bischofshofen das Bad in der rotweissen Menge geniessen zu können. Mit Tränen in den Augen lässt sich «Schlieri» auf der Bühne der Skispringer feiern, ehe er sich die Gratulationen von den treuesten Fans abholte: von seiner Freundin Sandra, von seinem Bruder, von «Onkel-Manager» Markus Prock und von Paul und Angelika Schlierenzauer. Die Eltern zittern immer im Auslauf mit, wenn ihr Gregor oben auf dem Balken sitzt. So auch am Dreikönigstag, an dem «der Bub» die Jubiläums-Tournee gewann und eine weitere Etappe auf dem Weg zu einer «Ikone des Skispringens» meisterte. Denn das will der österreichische Superadler einmal werden.

Mit 22 Jahren steht er bereits bei 38 Weltcupsiegen in der Einzelkonkurrenz (zehn davon beim Skifliegen). In der ewigen Bestenliste fehlen im noch acht Siege auf den Rekord des Finnen Matti Nykänen. Er stellte 17 Schanzenrekorde auf, von denen er sechs noch hält. Bei sechs Teilnahmen an der Vierschanzentournee konnte er sich sieben Mal als Tagessieger feiern lassen. Zudem stehen in Schlierenzauers Palmarès Weltmeistertitel auf der Gross- und Skiflugschanze und Olympiatitel in Teamwettbewerben mit den österreichischen Adlern. Was dem Überflieger noch fehlt, ist olympisches Gold in einem Einzelbewerb.

Der Gesamtsieg interessanter als die Million

«Für mich ist ein grosser Traum in Erfüllung gegangen», sagte Schlierenzauer nach seinem Triumph bewegt. «Ich war schon so oft knapp dran und bin gescheitert. Aber ich habe die Nerven behalten und bin meinen Weg gegangen. Ich geniesse diesen Moment unglaublich». Dabei glitzerten immer noch die Spuren der Tränen auf den Wangen des Tirolers. Doch für die schämt sich «Schlieri» nicht. Er bezeichnet sich selbst einen sensiblen Typ, sagt von sich, dass er Emotionen offen zeigt, zumal man Gefühle nicht steuern könne. Zugeknöpft präsentiert er sich aber, wenn man ihn auf sein Privatleben anspricht.

Schlierenzauer war neun Jahre alt, als er mit dem Skispringen angefangen hat. Mit elf sah er, wie Sven Hannawald seinen legendären Grand Slam an der Tournee feierte und wusste, dass er das seinem Idol gleichtun will. Eine Million Franken hätte er dafür kassieren können. Doch ausgerechnet sein Teamkollege Andreas Kofler machte ihm im dritten Springen in Innsbruck einen Strich durch die Rechnung. «Das Geld hat mich sowieso nicht interessiert», sagte er nach der Niederlage nur, «wenn es mir ums Geld gehen würde, wäre ich Tennisspieler oder Golfer geworden. Mir geht es um die Gesamtwertung.»

Fluggefühl und gnadenlose Zielstrebigkeit

Was Schlierenzauer so stark macht, ist nicht nur sein Fluggefühl, sondern auch die für sein Alter erstaunliche Reife. Dem Erfolg ordnet er alles unter. Er läuft schon mal zwischen zwei Durchgängen an Fans vorbei, die auf ein Autogramm warten, was bei den Skispringern eher unüblich ist. «Ich bin nicht der Typ, der die Wünsche nicht erfüllen will. Wirklich nicht», sagt der Tiroler. Aber er weiss: Wenn er Erfolg haben und gewinnen will, muss jede Kleinigkeit stimmen.

Und gewinnen will er immer. Seine Trainer sind überzeugt: Mit seiner gnadenlosen Zielstrebigkeit wird es Schlierenzauer weit bringen. Vielleicht sogar zu der «Ikone des Skispringens», die er einmal sein will. Der Sieg der Jubiläums-Tournee hat ihn seinem Ziel auf jeden Fall einen weiteren Schritt näher gebracht.

Die bisherigen 61 Tournee-Sieger

Die bisherigen 61 Tournee-Sieger

16 Finnen (zuletzt Ahonen 2007/2008). - 13 Österreicher (Schlierenzauer 2011/12). - 11 aus der DDR (Weissflog 1984/1985). - 10 Norweger (Jacobsen 2006/2007). - 5 aus der BRD respektive Deutschland (Hannawald 2001/2002). - 2 aus der Tschechoslowakei respektive Tschechien (Jakub Janda 2005/2006). - 1 Pole (Malysz 2000/2001), 1 aus der Sowjetunion respektive Russland (Nikolai Kamenski 1955/1956), 1 Slowene (Primoz Peterka 1996/1997) und 1 Japaner (Kazuyoshi Funaki 1997/1998). - Bemerkung: Doppelsieg 2005/06.

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