Aktualisiert 03.12.2011 15:59

SC Bern

Auf den Spuren von Heraklit

Der SC Bern verliert den Spitzenkampf gegen Zug mit 5:6. Wenn die Berner aus dieser Niederlage die richtigen Lehren ziehen, können sie Meister werden.

von
Klaus Zaugg

«Panta rhei» steht nicht für «hoher Stock» in einer Bantusprache. Sondern in Lateinisch für «Alles fliesst». Mit diesem Spruch ist der Philosoph Heraklit von Ephesos weltberühmt und unsterblich geworden.

Die Lehre von Heraklit («Alles fliesst») gilt erst recht für den SCB im Spitzenkampf gegen den EV Zug. Nach dem 4:1 und dem 5:2 gerät alles in Bewegung und schliesslich fliesst alles den Bach runter (0:4 im letzten Drittel!). Torhüter Olivier Gigon ist höchstens an zwei Treffern schuldig. Nichts illustriert die offensive Ausrichtung und dieses «Alles fliesst» besser als die Szene in der sogar der hüftsteife Ryan Gardner auf einmal alleine auf und davon fährt und nur noch die Foul gebremst werden kann. Den Penalty bringt Gardner nicht zum 5:1 an Jussi Markkanen vorbei.

Zu wenig talentiert

Wir lernen daraus: Der SCB ist nach wie vor nicht dazu in der Lage, auf der Überholspur «Heraklit-Hockey» zu spielen. Wenn sich das Spiel öffnet und die Offensive zu fliessen beginnt, wenn Spektakel vor Ordnung, Kreativität vor Disziplin kommen, dann gehen die Berner unter. Weil sie ganz einfach zu wenig talentiert sind. Sie haben in ihren Reihen keinen Josh Holden, keinen Damien Brunner, keinen Glen Metropolit, ja nicht einmal einen Fabian Sutter.

Der SCB hat Jean-Pierre Vigier, Thomas Déruns und Caryl Neuenschwander. Der SCB hat den nach wie vor kurzatmigen NHL-Saurier Jean-Pierre Dumont, die Tanzmaus Ivo Rüthemann im Abendrot ihrer Karriere und den hüftsteifen Ryan Gardner. Der SCB hat Captain Martin Plüss, dessen Alter (er wird im April 35) das Einteilen der Kräfte erfordert. Das bedeutet: Wenn der offensive Tanz beschleunigt wird, dann lahmt der Bär. Die Basis des SCB-Spiels ist eben nach wie vor Disziplin, taktische Schlauheit, Organisation und solides Handwerk. Deshalb hat Larry Huras unablässig am defensiven Bollwerk gearbeitet. Wohlwissend, dass der SCB seine Gegner in den Playoffs vom Eis arbeiten muss und nicht vom Eis fegen kann. Aber das führte zu defensivem Beamtenhockey.

Für Leichtsinn bestraft

Sein Nachfolger Antti Törmänen hat das SCB-Spiel ganz im Sinne von SCB-General Marc Lüthi von diesen Fesseln befreit. Nun fliesst alles. So wie der SCB unter Larry Huras letztlich zu destruktiv gespielt hat, so ist das SCB-Spiel gegen den EV Zug erstmals über die offensiven Ufer getreten und die Ordnung hat sich fliessend aufgelöst. Die offensiven Geister, die Zauberlehrling Törmänen gerufen hatte, konnte er nun nicht mehr bändigen. Das spektakuläre SCB-Spiel trug den Keim der Niederlage von der ersten Sekunde an in sich.

Der Finne hat nach der Niederlage Klartext gesprochen. Das ist ein gutes Zeichen. Er sagte beispielsweise: «Wir sind zu leicht zu unserem Vorsprung gekommen und haben uns dann überschätzt. Wir waren zu arrogant und sind für unseren Leichtsinn bestraft worden.»

Der Christmonat (Dezember) der Jänner (Januar) und der Horner (Februar) sind die Monate für solche Niederlagen. Weil noch Zeit ist, die Lehren daraus zu ziehen und die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden. Gelingt es Antti Törmönen, diese Balance zu finden, dann kann er sogar Meister werden.

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