Aktualisiert 14.02.2020 05:39

Vorbild Holland

Auf der Autobahn soll Tempo 100 gelten

In Holland gilt ab Mitte März Tempo 100 auf der Autobahn – wegen des Klimaschutzes. Für den VCS könnte sich die Schweiz ein Beispiel daran nehmen.

von
daw
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Tagsüber müssen die Holländer auf der Autobahn bald einen Gang runterschalten: Ab dem 12. März gilt dann Tempo 100 statt wie bis anhin 130.

Tagsüber müssen die Holländer auf der Autobahn bald einen Gang runterschalten: Ab dem 12. März gilt dann Tempo 100 statt wie bis anhin 130.

Keystone/Laurent Gillieron
Der Hintergrund: Durch das tiefere Tempolimit sollen weniger CO2 und Stickoxide in die Luft geblasen werden.

Der Hintergrund: Durch das tiefere Tempolimit sollen weniger CO2 und Stickoxide in die Luft geblasen werden.

Keystone/Gaetan Bally
Der Verkehrs-Club der Schweiz hält das für eine gute Idee und will auf den Schweizer Autobahnen auch Tempo 100 einführen.

Der Verkehrs-Club der Schweiz hält das für eine gute Idee und will auf den Schweizer Autobahnen auch Tempo 100 einführen.

Keystone/Laurent Gillieron

Zwischen 6 und 19 Uhr gehts in den Niederlanden ab dem 12. März gemächlicher voran: Die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen wird von 130 auf 100 Kilometer pro Stunde reduziert. PWs fahren damit wenig schneller als Wohnwagengespanne.

Das Ziel: bessere Luft. Durch das Tempolimit soll weniger CO2 in die Luft geblasen werden. Die Bewohner in den dicht besiedelten Gebieten rund um die Autobahnen sollen zudem weniger Stickoxide einatmen.

VCS ist Feuer und Flamme

Die Idee wird nun auch in der Schweiz zum Thema. Für den einflussreichen Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) hat das Projekt «Vorbildcharakter»: «Der Verbrauch steigt bei höheren Geschwindigkeiten an, weil sich der Luftwiderstand verstärkt. Tempo 100 ist eine der wenigen Klimamassnahmen, die sofort und direkt wirkt», sagt Martin Winder, Projektleiter Verkehrspolitik beim VCS.

Frühere Schätzungen des Bundes gingen davon aus, dass der CO2-Ausstoss um zwei bis drei Prozent sinken würde. Bei Tempo 80 wären es gar 5 bis 7 Prozent. «Das ist für eine einzelne Massnahme sehr viel», sagt Winder. «Auch die Stickoxid- und Feinstaubbelastung würde durch die tiefere Höchstgeschwindigkeit sinken.»

Eine tiefere Geschwindigkeit führt laut dem VCS-Experten aber auch dazu, dass der Verkehr flüssiger läuft – Staus würden vermieden. Das hätten Untersuchungen des Bundesamtes für Strassen (Astra) gezeigt. «Am Ende kommt man nicht später an, aber erholter und mit mehr Benzin im Tank.» Erkläre man das den Leuten, habe die Massnahme gute Chancen.

Tempo 80 bis 90 wäre ideal

Laut Astra-Sprecher Thomas Rohrbach ist die Festsetzung des Tempolimits Sache der Politik. Die Holländer seien aber schlau: «Wir sagen schon lange, dass auf einer durchschnittlichen vierspurigen Schweizer Autobahn ein Tempo zwischen 80 und 90 optimal ist, da der Verkehr dann am besten läuft.» Darum setze das Astra auf ein Verkehrsmanagement mit dynamischen, temporären Tempolimits.

Man tue dies nicht in erster Linie aus Gründen des Klimaschutzes. Aber: Je gleichmässiger der Verkehr läuft, desto tiefer sei der CO2-Ausstoss der Fahrzeuge. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt liessen sich CO2-Emissionen aus dem Strassenverkehr mit Tempo 100 auf der Autobahn um wenige Prozente vermindern. Man erachte jedoch das Potenzial solcher Temporeduktionen im Vergleich zu in der Schweiz bestehenden Massnahmen, wie der Lenkungsabgabe oder CO2-Vorschriften, als gering.

ACS winkt ab

Keine Option ist eine Senkung des Tempolimits auf allen Autobahnabschnitten für Thomas Hurter, Präsident des Automobil Clubs der Schweiz (ACS): «Die Umweltwirkung ist schwer zu prognostizieren, da es eine statische Rechnung ist.» Der ACS setze auf technologische Fortschritte oder Carpooling statt auf immer neue Vorschriften und Verbote. «Das Hauptproblem ist die Verkehrsüberlastung.» Infrage komme darum höchstens eine vorübergehende Temporeduktion, um Staus zu verhindern oder hinauszuzögern.

Gar für Tempo 130 auf der Autobahn plädiert derweil FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen: «Eigentlich müsste man wie unsere Nachbarländer das Tempolimit auf 130 setzen. Europa ist, was Geschwindigkeitsbegrenzungen angeht, ein riesiger Flickenteppich.» Tempo 100 sei völliger Unsinn. Die Umweltbelastung sei dann nur marginal kleiner. «Wenn es auf der Autobahn staut, setzt man die Geschwindigkeit jetzt schon mittels Wechselsignalisation herunter. Tempo 100 würde zu riesigen Zeitverlusten für Autofahrer führen.»

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