Aktualisiert 13.02.2009 16:38

Valentinstag in Saudi-ArabienAuf der Jagd nach dem roten Teddybär

Das ganze Jahr über ist in Saudi-Arabien ist rotfarbiger Krimskrams erhältlich. Nur um den verbotenen Valentinstag herum werden diese Souvenirs für Liebende versteckt wie heisse Hehlerware. Grund ist die Religionspolizei, die regelrechte Jagd auf diese Kinkerlitzchen macht.

Verzweifelt suchte die junge Frau in dem Geschenkeladen nach einem roten Teddybär für ihren Freund. Doch kurz vor dem Valentinstag fand Nof Faisal nur noch blaue und weisse, ohne die gewünschte Aufschrift «Ich liebe dich». Keine roten Bären weit und breit, und schon gar nicht die roten Plastik-Handschellen mit neckischen Herzchen und der Aufforderung «Nimm mich, ich bin dein!»

Nicht, dass die Sachen ausverkauft gewesen wären. Die Verkäufer hatten nur schon ein paar Tage vor dem Valentinstag alles Verdächtige abgeräumt. Wie die meisten in Saudi-Arabien wissen sie nur zu gut, dass mit dem 14. Februar auch Inspektionen der gefürchteten Religionspolizei nahen, die nichts duldet, was rot ist oder sonstwie mit dem Tag der Liebenden zu tun haben könnte. Das ganze Jahr über ist solcher Krimskrams zu haben, nur um den verbotenen Valentinstag herum wird er versteckt wie Schmuggelware. Geschäfte, die damit erwischt werden, müssen ihn verschwinden lassen, Verkäufer werden auch mal ein oder zwei Tage festgenommen.

Staatsreligion in Saudi-Arabien ist die erzkonservative wahhabitische Richtung des Islams, die den Valentinstag genauso wenig erlaubt wie christliche Feiertage. Auch Geburtstage oder Muttertag gehören in den Augen der Strenggläubigen nicht gefeiert, allerdings droht dafür kaum je eine Strafe.

Sanftes Erröten

So schleicht sich Valentin hinterrücks an. Ohne ausdrückliche Werbung dafür leuchtet es in den Schaufenstern allmählich rot und röter vor Kunstblumen, herzförmigen Bilderrahmen und Schächtelchen und ähnlichem Schnickschnack. Im Wäschegeschäft liegen Spitzendessous und duftige Negligés aus, im Kaufhaus stapeln sich Teddybären, Zeitungsanzeigen werben für herzigen Schmuck - alles in der Farbe der Liebe.

Die Verkäufer drängeln die Kunden, frühzeitig zuzugreifen, weil man nie weiss, wann die Religionspolizei zuzuschlagen beginnt. «Mein Kollege hat voriges Jahr eine Nacht im Gefängnis verbracht, nur wegen der Farbe Rot», sagt einer, der eingedenk des Schicksals seines Kollegen anonym bleiben möchte. Nur wenige sind so kühn wie Walid al Chuleiwi, dessen Laden vermutlich als einziger in ganz Riad noch immer voller Valentinszeugs ist. «Ich verkaufe die Sachen ja nicht in der Absicht, den Valentinstag zu begehen», sagt er keck.

Zur gegebenen Zeit pflegen die Zeitungen eine vor einigen Jahren ergangene Fatwa der höchsten Glaubensgelehrten zu veröffentlichen: Danach ist «Ed al Hob» - arabisch für: Fest der Liebe - ein «christliches, heidnisches Fest», zu dem ein guter Muslim nichts zu feiern oder zu verschenken hat. In der Schule wird man geheissen, es zu ignorieren. Mädchen werden angehalten, am 14. Februar nichts in Rot zu tragen, auch Bänder, Schuhe oder Strümpfe nicht.

Liebe auf Eis

Sich zu treffen, stellt Pärchen auch ohne Valentinstag vor eine grössere Herausforderung. Die Trennung der Geschlechter ist strikt zu beachten. Unverheiratete Männer und Frauen haben nicht zusammen auszufahren, essen zu gehen oder auch nur auf der Strasse miteinander zu reden, wenn es keine engen Verwandten sind. Miteinander zu gehen, bedeutet in Saudi-Arabien lange Telefongespräche und seltene verstohlene Rendezvous. Verstösse werden mit Arrest geahndet.

«Ich wünschte, es wäre anders», seufzt Faisal. Die 20-jährige Studentin begeht den Valentinstag nicht mit ihrem Freund zusammen; sie lässt ihm rote Rosen, Schokolade und eine CD mit Liebesliedern schicken. «Ich wünschte, ich könnte feiern, im langen schwarzen Kleid mit ihm ausgehen und tanzen.»

Abdul Asis al Schammari hat für seine Liebste zehn rote Rosen, eine für jeden Monat, den sie sich kennen. Gekauft hat er sie schon vor Tagen, als es sie noch zu kaufen gab, und hält sie seitdem im Kühlschrank frisch. «Ich betrachte das nicht als Tag der Verehrung Valentins», erklärt der 24-Jährige. «Ich sehe das als internationalen Tag der Liebe!» Er wird seine Freundin am Valentinstag ganz kurz auf der Strasse treffen, um ihr die Blumen zu überreichen. Das Ausgehen muss bis später warten - bis nach dem Valentinstag, wenn die Religionspolizei sich in den Restaurants nicht mehr so genau umschaut. (dapd)

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