Mubarak-Gelder: Auf der Jagd nach dem Schatz vom Nil
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Mubarak-GelderAuf der Jagd nach dem Schatz vom Nil

Ägyptische Aktivisten haben scheinbar Unterlagen, die dubiose Geschäfte des Mubarak-Clans belegen. Die in der Schweiz blockierten Gelder sind bisher der konkreteste Hinweis auf Vermögen.

Hat der gestürzte ägyptische Präsident Hosni Mubarak oder hat seine Familie auf unanständige Weise ein Vermögen angehäuft? Falls ja, wie hoch ist es? Und vor allem, wo? Anti-Korruptions-Initiativen suchen nach Antworten und drängen den Generalstaatsanwalt, Ermittlungen aufzunehmen. Sie übergaben Unterlagen über möglicherweise dubiose Geschäfte, die es Mubarak und den Seinen ermöglicht haben könnten, Reichtümer zu scheffeln.

Munition dürfte den Aktivisten und Ermittlern auch die Mitteilung des Eidgenössischen Departements für Ausswärtige Angelegenheiten (EDA) vom Freitag liefern. Es seien «mehrere Dutzend» Millionen Franken an Geldern eingefroren worden, die Hosni Mubarak oder seinem Umfeld zugeordnet werden können.

Jubel in Ägypten

Seit dem Rücktritt des langjährigen Staatschefs vor einer Woche gilt dem Vermögen der Familie wachsende Aufmerksamkeit. Die Spekulationen schiessen ins Kraut: Von einer Milliarde bis 70 Milliarden US-Dollar wird alles vermutet.

Aktivisten kritisieren, dass unter Mubarak Spitzenfunktionäre und Wirtschaftskapitäne bei Grundstücksgeschäften eine Vorzugsbehandlung erfuhren, während der in den 90er Jahren begonnenen Privatisierung Staatsunternehmen zu einem Bruchteil ihres Werts erwerben konnten und andere Vergünstigungen erhielten, mit deren Hilfe sie noch reicher wurden. Diese Wohltaten hätten ihren Preis gehabt - und die Mubaraks seien die Hauptnutzniesser gewesen. «Das war das grösste Komplott einer einzelnen Familie gegen das Vermögen Ägyptens», empört sich Mamduh Hamsa, einer der Streiter für Transparenz, die am Donnerstag beim Staatsanwalt vorstellig wurden.

Firmen und Fonds in Steuerparadiesen

Seit seinem Rücktritt lebt der Ex-Präsident zurückgezogen in einer Villa im Badeort Scharm-el-Scheich, wie ein Regierungsvertreter bekräftigte und Gerüchten widersprach, er habe sich ins Ausland abgesetzt. Die Mubaraks haben sich zum Thema Geld bisher nicht geäussert. Auch ist kein Beweis für den Verdacht publik geworden, Mubarak und seine Söhne besässen grosse Reichtümer. Der Generalstaatsanwalt hat gegen mehrere frühere hohe Funktionäre und Geschäftsleute Reiseverbote verhängt und ihre Guthaben eingefroren, aber keine Schritte gegen die Mubaraks eingeleitet.

Die Aktivisten beziehen sich vor allem auf Unterlagen, die Hamsa zufolge Fragen in Bezug auf Offshore-Firmen und -Fonds mit Sitz auf Zypern, den Bahamas, den Virgin Islands und den Cayman Islands aufwerfen. Das prominenteste Unternehmen ist die in Zypern registrierte Bullion Co. Ltd, die Alaa und Gamal Mubarak als Aufsichtsratsmitglieder aufführt. Zu Bullion gehört auch die 1996 von Gamal Mubarak gegründete Medinvest Associates in London.

In den Aufsichtsgremien beider Firmen und von Fonds sitzen Personen, die auch Spitzenpositionen bei der Investmentbank EFG-Hermes in Kairo innehaben. An deren Tochterfirma EFG Hermes Private Equitiy ist Gamal Mubarak nach Unternehmensangaben mit 18 Prozent beteiligt. Die Investmentbank bestritt, das sie oder von ihr gemanagte Fonds irgendeine Vorzugsbehandlung genossen hätten. Sie betreue auch «keine Fonds oder Portfolios für die Familie des früheren Präsidenten von Ägypten», und ihre Führungskräfte hätten erklärt, «keine direkten oder indirekten persönlichen oder finanziellen Verbindungen» zu Mubarak oder seiner Familie zu unterhalten.

Bescheidene Herkunft, bescheidener Auftritt

Keine der der Staatsanwaltschaft vorgelegten Unterlagen lässt notwendigerweise auf Unregelmässigkeiten schliessen. Die Behörde müsse nun die weitere Prüfung übernehmen, sagte Hamsa. Mubaraks Bezüge als Präsident waren gesetzlich festgelegt. Im Rechnungsjahr 2007-08 erhielt er dem Kairoer Ahram-Zentrum für internationale Politik zufolge ein Gehalt von 4500 Pfund (730 Franken). Die Anti-Korruptions-Aktivisten schätzen das heutige Gehalt eher auf 20 000 Pfund (3250 Franken).

Mubarak «stammt aus sehr bescheidenen Verhältnissen und hat kein Vermögen von seinem Vater geerbt», erklärte Mohammed al Damati, ein Mitglied der Gruppe. «Da die Verfassung dem Präsidenten nicht erlaubt, seine Position zu geschäftlicher Tätigkeit zu nutzen, muss alles Vermögen über sein Gehalt hinaus als illegal erworben gelten.»

Anders als andere Staatsoberhäupter der arabischen Welt war Mubarak alles andere als protzig. Welche Reichtümer auch immer er oder seine Familie erworben haben mögen - prunkvoll zur Schau gestellt wurden sie nicht. Das augenfälligste Zeichen von Wohlstand war bislang eine Stadtvilla im noblen Londoner Stadtteil Knightsbridge, die auf Gamal Mubarak läuft. Der Präsidentensohn soll in seiner Zeit als Investmentbanker Anfang der 90er Jahre dort gewohnt haben.

(Tarek el Tablawy und Karin Laub, AP/rub)

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