Jackson-Berichterstattung: Auf der Jagd nach dem verlorenen Hirn
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Jackson-BerichterstattungAuf der Jagd nach dem verlorenen Hirn

Der Geist von Jacko spukt durch die Redaktionen dieser Welt. Anders ist es nicht zu erklären, dass derart viele Gerüchte über den Star im Umlauf sind. Entlarvend waren auch die hochgradig banalen Kommentare während der Live-Übertragungen der Trauerfeier.

von
Philipp Dahm

Die grosse Trauerfeier für Michael Jackson startete mit 33 Minuten Verspätung. Angesichts der kurzen Vorbereitungszeit kann man das den Veranstaltern nachsehen, vorsehen müssen hätten es die TV-Sender aber. Wie diese jene Wartezeit überbrückten, zeigt, wie jämmerlich die Medien nach dem Tod des Sängers ihren Geschichten hinterherlaufen.

Wie bei den Olympischen Spielen 1984

Das Staples Center in Los Angeles ist auf allen Kanälen zu sehen, die sich in Banalem überbieten. Die ZDF-Reporterin hebt hervor, «wie zivilisiert» es vor dem Veranstaltungsort zugeht – der von der Polizei weiträumig abgesperrt ist. Messerscharf analysieren Chris von Rohr und Co. auf SF info, dass das Verkehrsaufkommen in Los Angeles so gross ist wie bei den Olympischen Spielen 1984. RTL zählt acht Hubschrauber über der Arena und Teilzeit-Moderatorin Monica Ivancan berichtet der ARD, sie habe nach der Todesnachricht «ein paar Tränen verdrückt».

Am peinlichsten ist der Sender, der während dieser Trauer-Show weltweit wohl die meisten Zuschauer hatte: CNN. Weil Jacksons Sarg auf sich warten lässt, ergiessen sich die Sprecher in Nichtigkeiten. Wenn sie etwa sagen, die Jackson Familie sei in vielerlei Hinsicht zerrissen – auch weil sie in verschiedenen Bundesstaaten lebe. Oder dass jemand gesagt haben soll, der 50-Jährige habe bei seinen letzten Proben wie ein 25-Jähriger ausgesehen.

CNN ist stolz: Sie überraschten Jackos Bruder mit der Nachricht seines Todes

Stolz ist der US-Sender auf eine Aktion, für die man ihn auch pietätlos nennen könnte. Jermaine Jackson habe erst durch einen Anruf von CNN von Michaels Tod erfahren. Sie hätten ihn beim Autofahren erreicht, brüsten sich die Mitarbeiter: Wer erfährt wohl gerne am Steuer - noch dazu durch den Anruf eines Journalisten - vom unerwarteten Ableben eines Verwandten?

Was für das Fernsehen gilt, ist in den Zeitungen und Online-Seiten nicht anders. Eine «Breaking News» jagt das nächste Dementi und umgekehrt. Auch 20 Minuten Online meldete etwa, es stünde fest, dass Jacko auf dem «Forrest Lawn»-Friedhof beerdigt wird – und nun ist wieder alles anders. Die Medien hecheln den Fakten hinterher, und wenn das nicht mehr reicht, kommen die Phantastereien.

Geisterstunde in den Medien

Man könnte Filme aus diesen Geschichten machen: das Geisterhaus zum Beispiel - denn Michael Jackson erscheint als Schatten in seiner Neverland-Ranch. Oder aber: Auf der Jagd nach dem verlorenen Sarg in LA, weil die Weltpresse für fünf Stunden nicht wusste, wo das gute Stück war. Und wo wir gerade dabei sind, wir haben Ihnen auch die Geschichte erspart: Auf der Jagd nach dem verlorenen Hirn von Jackson.

Wir hätten berichten können, dass Debbie Rowe nicht die Mutter der beiden ältesten Jackson-Nachkommen ist, um Ihnen danach zu vermelden, dass der King of Pop nicht der Vater ist. Wir hätten Ihnen die Information weiterreichen können, dass die DNA eines Dermatologen der Verstorbenen in den Kindern stecken soll – und sein Dementi hätte gerade die Folgestory geliefert.

Das jüngste Beispiel liefert die «Daily Mail», die Debbie Rowe zeigt, wie sie angeblich nach dem Trauerfeier-Auftritt von Paris Jackson weint. Offenbar ist sie dafür extra auf die Veranda ihrer Ranch gelaufen, ein Fernseher ist weit und breit nicht zu sehen. Man darf eben nicht alles glauben, was man sieht.

Es geistert durch die Medienköpfe. Die Erklärung dafür ist einfach: Es ist bloss ein Schatten. Quelle: YouTube.

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