Zürich: Auf der Werdinsel warnen Tafeln vor FKK-Bereich

Aktualisiert

ZürichAuf der Werdinsel warnen Tafeln vor FKK-Bereich

Weil es auf dem unteren Teil der viel bevölkerten Werdinsel nicht immer jugendfrei zu und her geht, stellt die Stadt nun Plakattafeln auf – obwohl die Saison bald zu Ende ist.

von
rom
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Mit diesen Plakaten grenzt Grün Stadt Zürich ab Mitte August 2015 auf der Werdinsel den FKK- vom restlichen Badebereich ab. Auf der einen Seite steht dieser Text ...

Mit diesen Plakaten grenzt Grün Stadt Zürich ab Mitte August 2015 auf der Werdinsel den FKK- vom restlichen Badebereich ab. Auf der einen Seite steht dieser Text ...

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... auf der anderen Seite dieser hier. Der Versuch war auf sechs Wochen beschränkt. Nun bleiben die Plakate aber bis auf Weiteres während der Saison stehen, wie Grün Stadt Zürich am 1. Juni 2016 mitteilte.

... auf der anderen Seite dieser hier. Der Versuch war auf sechs Wochen beschränkt. Nun bleiben die Plakate aber bis auf Weiteres während der Saison stehen, wie Grün Stadt Zürich am 1. Juni 2016 mitteilte.

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Letzten Sommer hat die Polizei ihre Patrouillen im FKK-Bereich verstärkt, hier eine Aufnahme von Anfang Juli. Grund: Es gab vermehrt Reklamationen aus dem Quartier wegen Paaren, die sich in der Öffentlichkeit verlustierten.

Letzten Sommer hat die Polizei ihre Patrouillen im FKK-Bereich verstärkt, hier eine Aufnahme von Anfang Juli. Grund: Es gab vermehrt Reklamationen aus dem Quartier wegen Paaren, die sich in der Öffentlichkeit verlustierten.

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«Nacktbereich. Gegenseitige Rücksichtnahme» – Plakate mit dieser Aufschrift und den gezeichneten Konturen von zwei nackten Oberkörpern lässt Grün Stadt Zürich auf der Werdinsel aufstellen, und zwar am Eingang zum FKK-Bereich am Werdinselspitz.

«Sie sollen Inselbesucher daran mahnen, falls sie jetzt weiterspazieren, dann werden sie Leute sehen, so wie Gott sie geschaffen hat», sagt Sprecher Lukas Handschin. Auf der anderen Seite der Tafel steht dann «Textilbereich. Gegenseitige Rücksichtnahme.» Diese Oberkörper sind dem Text entsprechend mit Bikini und Badehose bekleidet.

Sechswöchiger Versuch

Die neue Signalisation steht versuchsweise für sechs Wochen und ist eine Reaktion auf ein Postulat im Gemeinderat. Dieses forderte den Stadtrat auf, eine geeignete Beschilderung des FKK-Bereichs zu prüfen.

Denn in der Vergangenheit war es immer wieder zu Nutzungskonflikten gekommen. An schönen Tagen tummeln sich bis zu 4000 Menschen auf der Werdinsel. Der obere Teil ist eine offizielle Familienbadi, der mittlere besteht aus Spielwiesen und der untere ist seit über 50 Jahren FKK-Gebiet. Ein Ort, der auch bei Schwulen beliebt ist und wo sich manche tagsüber sexuell austoben.

«Wollten keine Unruhe stiften»

Dass die Plakate erst jetzt, wenn der Sommer bald zu Ende ist, kommen, hat laut Handschin seinen Grund: «Es brauchte Zeit, bis alle Beteiligten mit der Illustration zufrieden waren.» Kooperationspartner von Grün Stadt Zürich sind die Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich und das Gesundheitszentrum Checkpoint. «Zudem wollten wir mit der Signalisation nicht in der Hochsaison Unruhe stiften.»

Beim Quartierverein Höngg begrüsst man die jüngste Massnahme von Grün Stadt Zürich: «Damit sind die beiden Bereiche endlich klar gekennzeichnet und man weiss, wo sich Nackte aufhalten», sagt Präsident Alexander Jäger und stellt klar, dass sich die Quartierbewohner nicht am FKK-Bereich an sich stören, sondern an dem was dort teilweise läuft.

Wegweisungen und Verzeigungen

Aus diesem Grund schickt die Stadtpolizei Zürich seit Juni auch vermehrt Patrouillen los: «Diese haben öfters sexuelle Aktivitäten im Bereich des so genannten Werdinselspitzes festgestellt», sagt Sprecherin Brigitte Vogt. «Es gab mehrere Wegweisungen und einzelne Verzeigungen.» Zu letzteren kommt es, wenn sich jemand in der Nähe gestört fühlt, denn Sex an sich ist in der Öffentlichkeit nicht strafbar. Vogt sagt: «Wenn aber Kinder in der Nähe sind, wäre es sogar ein Offizialdelikt – so etwas ist in dieser Zeit jedoch nie vorgekommen.»

Die Erfahrungen mit den neuen Tafeln will die Stadt in das geplante Nutzungskonzept der Werdinsel einfliessen lassen. Wann dieses steht, ist allerdings noch unklar. Bereits 2006 hatte die Stadt zusammen mit verschiedenen Organisationen eine Kampagne durchgeführt. «Auf der Werdinsel gibt es keinen öffentlichen Verkehr», stand damals auf Plakaten geschrieben.

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