2. Impeachment: Auf der Wut-Skala bei acht – so sauer ist Donald Trump auf seinen Anwalt
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2. ImpeachmentAuf der Wut-Skala bei acht – so sauer ist Donald Trump auf seinen Anwalt

Am ersten Tag in seinem zweiten Amtsenthebungsverfahren schäumt Donald Trump vor Wut auf einen der Anwälte, die ihn im Senat verteidigen.

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Beim zweiten Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump soll geklärt werden, welche Rolle der frühere Präsident bei dem Sturm auf das Capitol in Washington am 6. Januar spielte, als dort der Wahlsieg seines Nachfolgers Joe Biden bestätigt werden sollte.

Beim zweiten Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump soll geklärt werden, welche Rolle der frühere Präsident bei dem Sturm auf das Capitol in Washington am 6. Januar spielte, als dort der Wahlsieg seines Nachfolgers Joe Biden bestätigt werden sollte.

REUTERS
Schon am ersten Tag war Trump mit der Leistung seines Anwaltsteams nicht zufrieden, auf einer Skala von eins bis zehn habe Trumps Wut bei einer Acht gelegen. 

Schon am ersten Tag war Trump mit der Leistung seines Anwaltsteams nicht zufrieden, auf einer Skala von eins bis zehn habe Trumps Wut bei einer Acht gelegen.

AFP
Vor allem mit ihm war Trump unzufrieden:  Anwalt Bruce Castor.

Vor allem mit ihm war Trump unzufrieden: Anwalt Bruce Castor.

U.S. Senate TV via REUTERS

Tag eins des Amtsverfahrens gegen ihn verbrachte der frühere US-Präsident Donald Trump auf seinem Anwesen Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida. Hier haben seine Helfer ein neues Büro eingerichtet, und Trump sei am Dienstag zwischen diesem und seinen privaten Räumlichkeiten hin und her gependelt, wie die «New York Times» schreibt.

Seine Berater hätten dafür gesorgt, dass der Tag mit einigen Terminen angefüllt gewesen sei – und dass diese Termine möglichst auf die Zeiten gelegt worden seien, zu denen Trumps Verteidiger im Senat das Wort ergriffen. So habe habe man Trump «beschäftigen» wollen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Trump nahestehende Kreise.

Trumps Skala der Wut

Nur, das Ablenkungsmanöver schien nicht funktioniert zu haben. Trump, der bekannt dafür ist, dass der Fernseher auch während Sitzungen im Hintergrund läuft, habe den Auftritt seiner Anwälte Bruce Castor und David Schoen am TV verfolgt und sei alles andere als zufrieden gewesen. Besonders habe Trump sich wegen Anwalt Castor aufgeregt: Auf einer Skala von eins bis zehn sei Trumps Wut auf Castor einer Acht gleichgekommen. Denn dass der ehemalige Staatsanwalt aus Pennsylvania die Präsentation des feindlichen Lagers lobte und den Demokraten im Senat «gut gemacht» sagte, muss Trump als das Allerletzte empfunden haben.

Tatsächlich wurde der gut 45 Minute lange Vortrag des Trump Anwaltes auch von mehreren Demokraten als «zusammenhangslos» und «wirr» bezeichnet. Selbst einige republikanische Senatoren räumten ein, die Präsentation der Demokraten sei besser gewesen. Trump habe «fast geschrien», als er den Vortrag seines Anwalts am Fernseher verfolgte, schreibt der Sender CNN unter Verweis auf ungenannte Quellen.

Zwei Nachteile

Mit dem Vortrag seines zweiten Verteidigers David Schoen sei Trump eher zufrieden gewesen, so die «New York Times». Schoen hatte argumentiert, das Impeachment-Verfahren werde für politische Zwecke missbraucht, und die Demokraten hätten es nur eingeleitet, um Trump «von der politischen Bühne zu entfernen».

Im Gegensatz zum ersten Amtsenthebungsverfahren vor rund einem Jahr hat Trump im aktuellen Impeachment-Verfahren zwei Nachteile: Zum einen steht ihm jetzt ein eher zweitklassiges Verteidigungsteam zur Verfügung, weil die Zusammenarbeit der fünf vorgesehenen Verteidiger mit Trump Ende Januar abrupt beendet worden war. Grund sollen Differenzen bei der Strategie gewesen sein. Zum anderen kann Trump die Vorgänge im Senat diesmal nicht über Twitter kommentieren, da sein Konto durch den Kurznachrichtendienst gesperrt wurde.

Ablenkung durch Wassertrinken

Auch wenn Trump mit der Leistung seines zweiten Anwalts David Schoen zufrieden war: Schoens Auftritt sorgte in den sozialen Medien für Gerede. Dies weil Schoen, ein gläubiger Jude, bei seiner Präsentation jeweils Wasser trank und dabei jeweils die Hand auf den Kopf legte.

Zahlreiche Twitter-Nutzer fragten sich anschliessend, warum er dies tat. Die Antwort: Nach jüdischem Religionsgesetz muss vor jedem Essen oder Trinken ein kurzer Segen gesagt werden. Dabei muss der Kopf für gewöhnlich bedeckt sein, etwa durch eine Kippa.

Schoen trug aber nach Medienberichten keine Kippa, um keine Aufmerksamkeit auf seine jüdische Identität zu ziehen. Damit der Kopf während des Segens vor dem Wassertrinken aber trotzdem bedeckt ist, nahm er stattdessen die Hand.

Dass er so Aufmerksamkeit auf sich zog, sei nicht besonders geschickt gewesen, zumal er vom Inhalt seines Vortrages vor dem Senat abgelenkt habe, so Beobachter. «Was Donald Trumps Anwalt vermutlich wollte: Dass die USA diesen Abend mit Gesprächen darüber verbringen, dass der Ex-Präsident nicht für den tödlichen Sturm auf das US-Kapitol verantwortlich war», schrieb die «Jewish Telegraphic Agency» dazu. «Was er stattdessen bekam: Hitzige Spekulationen darüber, warum er seine Hand jedes Mal über dem Kopf hielt, wenn er einen Schluck Wasser trank.»

Tribunal der Abschreckung

Das Kapitol in Washington ist der Ort der Schändung der Demokratie, weil am 6. Januar fanatisierte Anhänger Donald Trumps das Parlamentsgebäude stürmten und fünf Menschen starben. Dieses Kapitol ist jetzt auch Ort der Abrechnung mit den Geschehnissen. Das zweite Impeachment-Verfahren gegen Trump nutzen die Demokraten im Senat als Tribunal der Abschreckung. Zum gestrigen Auftakt zeigten sie ein Video von den Krawallen und von Trumps vorheriger Rede, der seine Hooligans aufforderte, auf «Teufel komm raus zu kämpfen».

Mit einem Erfolg des Verfahrens wegen «Anstiftung zum Aufruhr» kann angesichts eines 50:50-Patts keiner rechnen, dafür müssten 17 republikanische Senatoren die Seite wechseln (realistischer sind fünf). Immerhin entschied gestern eine 56:44-Mehrheit, das Verfahren sei verfassungsgemäss.

(gux)

Deine Meinung

159 Kommentare
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B. Kerzenmacher

11.02.2021, 13:52

Die zwei Parteien und das Präsidialsystem sind Relikte, die die Vielfältigkeit der politischen Meinungen nur unzureichend abbildet. Wobei es Parteien im klassischen europäischen Sinne in den USA immer eher schwer hatten. Die meisten sind Quereinsteiger und passen oft schlecht in das jeweilige Lager. Es hat in der Geschichte der USA zwar eine Menge anderer Parteien gegeben, die meisten dieser Parteien sind aber bedeutungslos. Parteien haben in den USA keine Mitglieder im engeren Sinne. In den meisten Staaten kann man sich für eine bestimmte Partei registrieren lassen, dies ist aber keine Mitgliedschaft im Sinne des Parteiensystems in Europa.

Hansli Bargeld

10.02.2021, 14:58

Wacht auf! Winter ist Fake! Es gibt keinen Winter! Alles erfunden von der Winterreifen Industrie!!

Krassitsch

10.02.2021, 14:48

Nichts Neues, der Typ hat sich nicht im Griff. Immerhin aber bewies er, dass in den USA wirklich jeder Geldsack Präsident werden kann, egal wie unkultiviert und schwierig. In vier Jahren ist das Problem wieder da.