05.05.2015 06:03

Zürcher BellevueAuf die Bellavista-Bar folgt ein Schuhgeschäft

Schuhe von Benci Brothers statt Caffè Bellavista heisst es bald an der Rämistrasse 7 in Zürich. Die Bar-Betreiber wollten eigentlich ausbauen – doch daraus wird nichts.

von
wed
Trotz der bevorstehenden Schliessung können die Brüder Darius Notz (links) und Yven Vogel noch lachen. Schliesslich soll die Reise schon baldmöglichst in einem anderen Lokal weitergehen.

Trotz der bevorstehenden Schliessung können die Brüder Darius Notz (links) und Yven Vogel noch lachen. Schliesslich soll die Reise schon baldmöglichst in einem anderen Lokal weitergehen.

Wenn sie in Zürich sind, trinken Sänger Sting oder auch Hollywood-Regisseur Marc Forster ihren Espresso im Bellavista an der Rämistrasse. Die Bar sollte gar die neue Gastro-Perle beim Bellevue werden. Deshalb haben die Betreiber vor einem Jahr das Nachbarlokal dazugemietet und an Little Black Dress untervermietet. Der Plan war, dass die beiden Lokale in diesem Sommer zu einem grossen Restaurant und Café vereint werden. Doch nun kommt alles anders: Bereits per Ende Mai stehen im Bellavista die Kaffeemaschinen still.

«Wir hatten uns so sehr auf diesen Umbau gefreut», sagt Darius Notz, der zusammen mit seinem Bruder Yven Vogel das Bellavista seit vier Jahren führt. Die Hürden seitens Verwaltung und der Behörden seien aber zu gross gewesen, um die Veränderungen zu realisieren. «Mit nur acht Tischen im jetzigen Innenraum, dem grossen Mietaufwand und einer fehlenden Küche macht es ohne Umbau keinen Sinn mehr», so Notz.

«Viel zu schön für einen Schuhladen»

Ende Sommer wird dort ein Benci-Brothers-Schuhladen einziehen. Mit ihnen pflege man bereits ein gutes Verhältnis, «trotzdem ist der Raum mit dem kleinen Balkon viel zu schön für einen Schuhladen». Die Vermieter in Zürich würden halt nur noch um hohe Mieten pokern, so Not: «Ob es dadurch eine Auf- oder Abwertung im Quartier gibt, ist ihnen egal.»

Am letzten Mittwoch wurden die Mitarbeiter über die Kündigung informiert und auch viele Stammkunden wissen bereits Bescheid. «Es gab einige traurige Gesichter und auch die eine oder andere Träne», sagt Yven Vogel. Es sei über die Jahre ein sehr familiäres Verhältnis entstanden. «Einige kommen mehrmals täglich auf einen Kaffee vorbei.» Die Leute schätzten besonders den guten Service. Und: «Bei uns wird fast nur Schweizerdeutsch gesprochen.» Dies komme offenbar gut an. Am 31. Mai findet der Räumungsverkauf statt. Vogel: «Vielleicht haben wir auch noch zwei Wochen länger offen, bis die Bauarbeiten beginnen.»

Brüder suchen ein neues Lokal

Wo die Reise der beiden Brüder hingeht, ist noch unklar. «Wir setzen alles daran, um sobald wie möglich ein neues Projekt zu starten», sagt Darius Notz. Man sei bereits auf der Suche nach neuen Lokalen. Ein Wegzug vom Bellevue kommt aber nicht in Frage: «Wenn jetzt nicht gerade die absolute Traum-Location auf dem Markt ist, wollen wir eigentlich kein Szenelokal im Kreis 4 oder in der Europa-Allee eröffnen – das sind nicht wir», so Notz. Schliesslich seien sie auch in diesem Quartier aufgewachsen.

Die zuständige Liegenschaftenverwaltung Schäppi-Grundstücke wollte zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen.

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