Hummer-Boom im Irak: Auf die Grösse kommt es an – beim Auto
Aktualisiert

Hummer-Boom im IrakAuf die Grösse kommt es an – beim Auto

Der angeschlagene Autobauer General Motors würde den Hummer am liebsten irgendwo versenken. In einer Ecke der Welt aber erleben die benzinsaufenden Ungetüme derzeit einen Boom: im Irak.

Die «New York Times» wundert sich: Ausgerechnet in einem Land, in dem rund 20 000 Humvees – die militärische Variante des Hummer – herumkurven und zu einem Symbol der amerikanischen Besatzung geworden sind, ist ein Markt für die zivile Version entstanden. Der Autohändler Ali al-Hilli aus Bagdad aber sagt: «Ich wusste, dass eine Nachfrage besteht.» Mehr als 20 der monströsen Allrad-Kutschen hat er verkauft, eines alle zehn Tage. Was einen amerikanischen Diplomaten zur etwas übertriebenen Feststellung veranlasste, es handle sich um die grösste Hummer-Verkaufsstelle ausserhalb der USA.

«Die Iraker lieben den Hummer, weil er ein Symbol für Macht ist», sagte der 37-jährige Händler. Aber auch für zunehmende Sicherheit, eine Rückkehr zur Normalität und den Wunsch nach Eigenständigkeit. Dabei hätte noch vor zwei Jahren, auf dem Höhepunkt der Gewalt im Irak, niemand gewagt, mit einem Hummer herumzufahren, dem Pendant zu einem amerikanischen Militärfahrzeug, so Ali al-Hilli zur «New York Times».

Regierungsleute als Kunden

Als sich die Lage vor einem Jahr zu beruhigen begann, hätten er und sein Bruder einen neuwertigen Hummer in einer Online-Auktion in den USA erworben und per Luftfracht via Dubai einfliegen lassen, gefolgt von einem zweiten. «Es war ein enormes Risiko, unser ganzes Geld steckte darin», sagte Bruder Dhafir al-Hilli. Anfangs war das Interesse gering, erst als die Brüder begannen, mit den Fahrzeugen in den zunehmend sicheren Strassen Bagdads herumzufahren, stieg die Beachtung.

Nun läuft das Geschäft. Die meisten Kunden sind Regierungsleute, was gemäss «New York Times» nicht unbedingt ein Anzeichen für Korruption sein müsse, weil die Regierung sich grosszügige Lohnerhöhungen beschert habe. Der immense Verbrauch scheint kein Problem im Ölland Irak. Zwar sind die Benzinpreise so hoch wie nie zuvor, mit knapp 40 Rappen pro Liter aber immer noch weit tiefer als in den meisten Ländern.

Wer sich einen Hummer leisten könne, für den sei der Benzinpreis das kleinste Problem, so Ali al-Hilli. Überhaupt seien die Iraker Autofans: «Man wird nach seinem Auto beurteilt, wer keines hat, ist kein Mann.» Und grösser als mit dem Hummer gehe es kaum. Womit ein weiteres Motiv angesprochen ist, das der Autohändler mit dem arabischen Begriff «hasad thukuri» bezeichnet. Übersetzt bedeutet er Penisneid.

(pbl)

Importeur ist pleite

Für den schwer angeschlagenen Autokonzern General Motors ist die einzige Prestigemarke Hummer längst zur Belastung geworden. Seit Monaten sucht GM einen Käufer für den Benzinsäufer, bislang ohne Erfolg. In weiten Teilen der Welt ist der Absatz eingebrochen, und das hat Folgen auch für die Schweiz. Die holländische Firma Kroymans Corporation, die den Hummer bei uns importiert, steht laut der Zeitung «Sonntag» vor dem Konkurs.

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