04.04.2020 07:24

Coronavirus

«Auf die Toilette darf ich nur mit SMS-Erlaubnis»

Anna (17) wohnt für einen Sprachaufenthalt zurzeit in Neuseeland. Weil ihre Gastfamilie Angst vor Corona hat, darf sie ihr kleines Zimmer nicht verlassen.

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dk
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Anna (17) wohnt für einen Sprachaufenthalt zurzeit in Neuseeland in einer Ortschaft nördlich der Metropole Auckland.

Anna (17) wohnt für einen Sprachaufenthalt zurzeit in Neuseeland in einer Ortschaft nördlich der Metropole Auckland.

New Zealand Tourism
Sie wird aber von ihrer Gastfamilie in einem kleinen Zimmer eingesperrt, weil diese Angst vor dem Coronavirus hat, erzählt sie gegenüber der «Zeit». (Symbolbild)

Sie wird aber von ihrer Gastfamilie in einem kleinen Zimmer eingesperrt, weil diese Angst vor dem Coronavirus hat, erzählt sie gegenüber der «Zeit». (Symbolbild)

Sestovic
Zum Verhängnis wurde der Schülerin ein Besuch in der Landeshauptstadt Wellington.

Zum Verhängnis wurde der Schülerin ein Besuch in der Landeshauptstadt Wellington.

iStock.com/Robert chg

Die 17-jährige Austauschschülerin Anna* aus Niedersachsen (D) sitzt momentan in Neuseeland fest. Sie wird von ihrer Gastfamilie in einem kleinen Zimmer eingesperrt, weil diese Angst vor dem Coronavirus hat. Den Anfang nahm die Isolations-Odyssee für Anna vor zwei Wochen nach einem Besuch des Nationalmuseums von Wellington, des sogenannten Te Papa Tongarewa, wie Anna im Gespräch mit der «Zeit» sagt.

Eine Woche später habe ihre Freundin, die sie ins Museum begleitet habe, einen Anruf bekommen, der sie sogleich zum Weinen brachte. «Am selben Vormittag, an dem wir im Te Papa waren, sollen auch zwei Corona-Infizierte im Museum gewesen sein», sagt Anna. Die neuseeländische Regierung legte ihnen nahe, sich in Selbstisolation zu begeben.

«Meine Freundin bekam einen Anruf und fing an zu weinen.»

Als Anna zu Hause ankam, sei ihre Gastmutter bereits bei der Tür gestanden und habe gerufen, sie solle im Vorgarten stehen bleiben. «Sie sagte, sie desinfiziere gerade das ganze Haus.» Danach habe sich die ganze Familie – Vater, Mutter und ihre beiden Gastschwestern – in das Obergeschoss zurückgezogen. «Meine Gastmutter hat mich dann angerufen und gesagt, ich solle in mein Zimmer im Erdgeschoss gehen und da bleiben.»

Viel Platz für sich habe sie nicht: «Mein Zimmer misst drei mal fünf Meter. Ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl, ein Regal, ein Schrank, ein Fenster.» Auf die Toilette darf sie erst gehen, wenn sie die Mutter per SMS fragt. Dann würden sich alle zurückziehen, die Türen schliessen, und erst wenn das «Okay» komme, dürfe sie das Zimmer verlassen. «Ich muss nach jedem Benutzen auch die Toilette, das Waschbecken und die Dusche desinfizieren. Obwohl niemand ausser mir das kleine Bad im Erdgeschoss noch benutzt», sagt Anna. «Das fühlt sich alles sehr demütigend an.»

«Erst wenn das ‹Okay› kommt, kann ich aus dem Zimmer»

Nicht nur ihre Gastfamilie, sondern die ganze Nachbarschaft habe eine «Wahnsinnsangst» vor ihr, sagt Anna. «Nach Absprache mit meiner Familie darf ich in den Garten, wenn sonst niemand da ist. Als ich dann einmal draussen war, hat die Nachbarin sofort angerufen und gesagt, sie halte es nicht aus.» Als es noch erlaubt gewesen sei, sei sie in einen nahegelegenen Park spazieren gegangen. «Das hat sich in der Nachbarschaft aber sofort herumgesprochen.» Einen Corona-Test dürfe sie nicht machen, da sie keine Symptome zeige.

Zum Trinken habe ihr die Gastfamilie einen grossen Kanister Wasser vor die Tür gestellt. «Das Essen stellt mir meine Gastmutter hin – ich darf es aber erst reinholen, wenn sie mir schreibt, dass sie in ihrem Zimmer ist», sagt Anna. Das benutzte Geschirr und Besteck habe die Familie nicht zurückgenommen. Nach zwei Tagen habe sie daher um Spülmittel und eine Bürste gebeten. «Ich wasche das jetzt im Bad ab, damit es in meinem Zimmer nicht so riecht.»

*Name geändert. Wie die «Zeit» schreibt, ist es Annas Eltern inzwischen gelungen, für ihre Tochter einen Flug nach Deutschland zu buchen. Geplanter Abflug sei der 4. April. Ob der Flug wirklich durchgeführt werden kann, ist noch nicht klar.

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