Streichelzoo auf Gewerbezentrum in Adliswil ZH: Auf diesem Dach sollen bald Schafe, Pfauen und Hühner wohnen
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Streichelzoo auf Gewerbezentrum in Adliswil ZHAuf diesem Dach sollen bald Schafe, Pfauen und Hühner wohnen

Unternehmer Clemens Ruckstuhl plant auf dem Dach des Gewerbezentrums Sood in Adliswil einen Streichelzoo. Für die Tiere werden Paten gesucht.

von
Lynn Sachs
Monira Djurdjevic
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Die Zäune für die Tiergehege sind bereits aufgestellt.

Die Zäune für die Tiergehege sind bereits aufgestellt.

Die Gehege sind aber noch leer – bald sollen Schafe, Pfaue und Hühner einziehen.

Die Gehege sind aber noch leer – bald sollen Schafe, Pfaue und Hühner einziehen.

So sieht der Plan für das Dach aus.

So sieht der Plan für das Dach aus.

Darum gehts

  • Das Gewerbezentrum Sood 36 in Adliswil ZH feierte im Oktober seine Eröffnung.

  • Auf dem Dach des Gewerbezentrums soll bis im Frühling ein Streichelzoo entstehen.

  • Dafür wurden bereits das Dach begrünt und Stallungen gebaut, wie der Eigentümer sagt.

Am 22. Oktober eröffnete in Adliswil ZH das Sood 36. Aldi und Landi sind bereits in das neue Gewerbezentrum eingezogen. Nun plant Eigentümer Clemens Ruckstuhl einen Streichelzoo auf dem Dach des Gebäudes. «Ich wollte das grosse Dach des Gebäudes nicht leer stehen lassen. Darum haben wir die Dächer begrünen lassen. Schon bald werden dort Schafe, Pfaue, Bienen, Hühner und viele andere Tiere leben», sagt Ruckstuhl. Das Projekt will er in den nächsten sechs Monaten realisieren.

Die Idee für den Flach-Dach-Zoo hatte der Unternehmer schon während der Entwicklungsphase des Sood 36, wie er sagt: «Ich habe mir überlegt, wie man die Freihaltezone hinter dem Gebäude nutzen könnte.» Die Idee: Die Dächer ökologisch aufwerten und mit der Freihaltezone verbinden. «Wir bauen eine Brücke zwischen dem angrenzenden Wald und dem Dach, sodass sich die Tiere auf der gesamten Grünfläche bewegen können.»

Damit will Ruckstuhl ein Kreislaufsystem zwischen den Geschäften im Zentrum und den Tieren auf dem Dach schaffen, wie er sagt. «Statt dass Aldi frische Produkte oder Landi Heu wegwirft, können wir die Restwaren für die Tiere nutzen. So entstehen viel weniger Abfälle.» Er findet: «Das ist doch eine Win-win-Situation.»

Zürcher Tierschutz

Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz erklärt in einem Interview, was man bei so einem Projekt beachten muss.

Was halten Sie von diesem Projekt?

Ich finde das Projekt aus Tierschutzsicht spannend. Es bietet die Chance, tierfreundliche Haltungsformen und einen respektvollen Umgang mit Tieren zu vermitteln. Es lässt sich damit ein Bezug der Bevölkerung zu Tieren und Natur schaffen und ein vermehrtes Bewusstsein für nachhaltige Produktion der Lebensmittel. Toll ist auch, wenn die eigenen Produkte wie Eier und Honig vor Ort verkauft und gekauft werden können. Hühner und Bienen erachte ich dabei als sehr sinnvoll und gut umsetzbar. Denn Hühner sind Allesfresser. Sie können die Grünabfälle von Aldi und die Heureste von Landi verwerten. Zudem kann Stroh von Landi als Einstreu dienen. Bienen brauchen eine naturnahe Bepflanzung mit vielen Wildblumen als Futtergrundlage. Das ist eine Voraussetzung.

Kann so etwas tiergerecht sein?

Ein Streichelzoo ist in vielen Fällen nicht tiergerecht. Die Tiere wollen nicht ständig bedrängt und gestreichelt werden. Wenn die Bedürfnisse der Tiere vernachlässigt werden, sind sie überfordert, gestresst und haben zu wenig Ruhezeiten. Sofern aber tiergerechte Unterkünfte mit einem Rückzugsbereich vorhanden sind, der nur für die Tiere zugänglich ist, dann kann es funktionieren. Wichtig ist auch, dass verschiedene Freilaufflächen mit Witterungsschutz und genügend Beschäftigungsangebote vorhanden sind. Unter diesen Bedingungen mag so ein Projekt aus Tierschutzsicht vertretbar sein. Für einen Streichelzoo wären Zwergziegen geeignet. Sie sind sehr lehrreich, lassen sich gut beschäftigen und klettern gern, sodass auch die dritte Dimension zur Strukturierung der Tierhaltung gut genutzt werden kann. Ziegen sind auch in kleinen Gruppen glücklich, wobei auf gut verträgliche Tiere zu achten ist. Pfauen haben hingegen als nicht einheimische Tiere nichts in so einem Projekt zu suchen.

Was muss bei dem Projekt beachtet werden?

Die Planung setzt viel Know-how voraus. Es braucht Fachleute, welche die Bedürfnisse der Tiere kennen und das nötige Wissen für die Haltung, Fütterung und Pflege mitbringen und sich täglich um die Tiere kümmern. Auch benötigt es viel Informations- und Aufklärungsarbeit, damit das Ziel erreicht wird, die Bevölkerung für mehr Tier- und Artenschutz sowie mehr Natur- und Umweltschutz zu sensibilisieren. Allgemein sind nur einheimische Pflanzen und Tiere vertretbar.

Patenschaften für die Tiere möglich

Die sechs Bienenstöcke, fünf Schafe und zehn Hühner werden laut dem Eigentümer sogar alle einen eigenen Namen bekommen. «So kann ein Besucher auf dem Dach zum Beispiel Huhn Lotti anschauen und unten im Geschäft Lottis Eier kaufen», erklärt Ruckstuhl. «Mit den Namen für die Tiere wollen wir eine engere und persönliche Beziehung zwischen Mensch und Tier fördern.» Jede Tierart soll eine verantwortliche Betreuungsperson erhalten.

Ebenso möglich: «Die Besucher können Paten der Tiere werden. Die Patenschaften beinhalten Besuche und Dokumentationen und Benachrichtigungen über das Tier.» Die Patenschaft für ein Schaf soll 25 Franken im Jahr Kosten, die für ein Huhn 15 Franken. Die Beiträge werden laut Ruckstuhl einen symbolischen Beitrag zur Pflege und zum Futter des Patentieres leisten.

Bereits Stallungen gebaut

Für die Sicherheit der Tiere sei natürlich auch gesorgt, betont Ruckstuhl. «Wir haben bereits einige Stallungen für Hühner und weitere Tiere gebaut. Ebenfalls stehen ein hoher Zaun und ein Blitzableiter auf dem Dach.»

Ruckstuhl hofft, dass ihm von den Behörden keine Steine in den Weg gelegt werden. «Solange wir uns gesetzeskonform verhalten und die Tiere artgerecht betreuen lassen, sollten keine grossen Hürden auf uns zukommen.» Die dafür nötigen Bewilligungen werde er mit mit den zuständigen Fachleuten besprechen und wenn nötig einholen, so Ruckstuhl.

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