Philippinen: Auf diesem Friedhof leben 5000 Menschen
Aktualisiert

PhilippinenAuf diesem Friedhof leben 5000 Menschen

Auf dem Cementerio del Norte in der philippinischen Hauptstadt Manila leben Tausende Menschen. «Besser als in einem Slum», finden sie.

von
Daniela Gschweng

Ungefähr eine Million Menschen sind auf dem Cementerio del Norte in Manila begraben, jede Woche kommen neue dazu. Der 54 Hektaren grosse Friedhof ist mehr als hundert Jahre alt und einer der ältesten der Philippinen.

Neben den Toten leben schätzungsweise fünf- bis sechstausend Menschen darin. Auf dem Nordfriedhof wird gekocht, geputzt, gewaschen, gehandelt und gezockt. Menschen wickeln Babys auf Grabplatten, kochen, essen und schlafen dort. Zwischen den Gräbern spielen Kinder.

Kleinstadt zwischen Gräbern

Einige Bewohner bieten Dienste wie Grabpflege gegen kostenlose Logis an, manche wohnen im eigenen Familiengrab. Grösstenteils aus Not, denn wie in vielen Metropolen gibt es in Manila zu wenig bezahlbaren Wohnraum.

Der Friedhof ist nicht nur eine Grabstätte, sondern auch eine kleine Stadt. Es gibt die auf den Philippinen üblichen kleinen Sari-Sari-Läden, in denen Dinge des täglichen Gebrauchs verkauft werden, Dienstleister wie Coiffeure und sogar ein Internet-Café – in einer Gruft. Der Strom kommt vom Generator. Fliessendes Wasser gibt es keines.

Mit den verstorbenen Verwandten zusammenwohnen

Versuche, die Bewohner umzusiedeln, blieben bisher ohne Erfolg. Auf Särgen zu schlafen, scheint niemanden zu stören. Die Bewohner der Friedhof-Kleinstadt haben einen entspannten Umgang mit den Toten. Sie finden es nicht befremdlich, in einer Gruft mit Familienmitgliedern zu wohnen, die schon verstorben sind. Andere finden es tröstlich, zu wissen, dass sie eines Tages an dem Ort, an dem sie gelebt haben, bestattet werden.

Mietfrei, ruhig, sicher

Um nichts zu beschönigen: Manches ist gar nicht angenehm an der Friedhof-Stadt. Überall liegt Müll und der Platz für die Toten wird immer knapper. Dennoch: «Besser als in einem Slum», finden die Bewohner. Die Gemeinschaft auf dem Friedhof sei gut, es sei ruhig und vergleichsweise sicher, obwohl es auch auf dem Cementerio del Norte schon einige der brutalen Razzien des Anti-Drogen-Kriegs von Präsident Duterte gab.

Manchmal gibt das Friedhofsleben sogar einen kleinen Verdienst her: Särge schleppen, Grabsteine putzen oder Kerzenwachs von abgebrannten Kerzen einsammeln bringt zwar wenig, aber gelegentlich doch ein paar Pesos.

Der Nordfriedhof scheint kein Einzelfall zu sein. Auch auf dem chinesischen Friedhof Manilas, der aus vielen Schreinen und «Häusern» für die Verstorbenen besteht, wohnten Menschen, berichten Reisende.

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