Nationalstrassen-Netz: Auf diesen Autobahnen kracht es am meisten
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Nationalstrassen-NetzAuf diesen Autobahnen kracht es am meisten

Neue Zahlen des Astra zeigen, auf welchen Nationalstrassen es am meisten Unfälle gibt. Die Stiftung Roadcross Schweiz sieht Handlungsbedarf.

von
Jennifer Furer
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Das Astra hat Daten zu den Unfallschwerpunkten auf den Nationalstrassen in der Schweiz veröffentlicht. Folgend die zehn Orte, an denen es am häufigsten zu Unfällen kommt. Platz 10: In der Romandie auf der Route de Saint-Julien bei Perly. Hier im Bild: Unfall vom 29. August 2017 zwischen einem Auto und Töfffahrer in Plan-Les-Ouates, dem Nachbarort von Perly. Der Töfffahrer wurde verletzt.

Das Astra hat Daten zu den Unfallschwerpunkten auf den Nationalstrassen in der Schweiz veröffentlicht. Folgend die zehn Orte, an denen es am häufigsten zu Unfällen kommt. Platz 10: In der Romandie auf der Route de Saint-Julien bei Perly. Hier im Bild: Unfall vom 29. August 2017 zwischen einem Auto und Töfffahrer in Plan-Les-Ouates, dem Nachbarort von Perly. Der Töfffahrer wurde verletzt.

Platz 9: Zwischen Hägerkingen und Oensingen auf der A1. Hier im Bild: Eine Kollision vom 18. Oktober 2016 bei der Autobahnverzweigung. Beim Unfall wurde eine Person mittelschwer verletzt.

Platz 9: Zwischen Hägerkingen und Oensingen auf der A1. Hier im Bild: Eine Kollision vom 18. Oktober 2016 bei der Autobahnverzweigung. Beim Unfall wurde eine Person mittelschwer verletzt.

Leser-Reporter
Platz 8: Zwischen Wankdorf und Bern Neufeld. Hier im Bild: Auf der A1 in Richtung Zürich kam es am 7. Juli 2016 beim Felsenauviadukt zu einem Autobrand. Es kam zu einem erheblichen Rückstau.

Platz 8: Zwischen Wankdorf und Bern Neufeld. Hier im Bild: Auf der A1 in Richtung Zürich kam es am 7. Juli 2016 beim Felsenauviadukt zu einem Autobrand. Es kam zu einem erheblichen Rückstau.

Leser-Reporter/Bitsch Spreng

1051 Unfallschwerpunkte stellte das Bundesamt für Strassen (Astra) Ende 2016 auf dem gesamten Schweizer Strassennetz fest. Es sind jene Strassenabschnitte, auf denen sich Unfälle häufen – auch schwere. Mit 769 Fällen liegen die meisten Unfallschwerpunkte auf Innerorts-Strecken. Ausserorts gibt es 248. Aber auch auf den Autobahnen und Autostrassen finden sich gefährliche Abschnitte — mit 34 aber weniger als auf den anderen beiden Strassentypen.

Hauptgrund dafür ist laut Astra-Sprecher Guido Bielmann die Tatsache, dass auf den Autobahnen kein Gegenverkehr, ausser bei Baustellen, herrscht. «Zudem gibt es im Gegensatz zu den Kantonal- und Gemeindestrassen abgesehen von den Ein- und Ausfahrten keine Kreuzungen, weniger gefährliche Kurven oder auch keine Überschneidung mit verschiedensten Verkehrsteilnehmenden wie Velos oder Fussgänger.» Dennoch: Auch auf den Nationalstrassen, für die das Astra zuständig ist, gibt es 112 Unfallschwerpunkte. Zwischen 2014 und 2016 ereigneten sich dort 920 Unfälle mit Personenschaden, wie neue Daten des Amtes zeigen (siehe Box).

Spezifische Lösungsansätze

Um Unfälle zu minimieren, werden diverse Massnahmen ergriffen, wie Astra-Sprecher Guido Bielmann sagt. «Die Strecken stehen unter dauernder Beobachtung, werden geprüft und nach Bedarf verbessert.» Im Astra gebe es Richtlinien für die Sicherheitsaspekte der Nationalstrassen. «Es ist aber so, dass die Streckenabschnitte jeweils individuelle Dispositionen aufweisen, denen mit spezifischen Lösungsansätzen begegnet werden muss», sagt Bielmann.

Es sei auch logisch, dass auf denjenigen Nationalstrassen-Abschnitten mit einem hohen Verkehrsaufkommen mehr Unfälle geschehen würden als auf weniger stark befahrenen. So beispielsweise beim Autobahndreieck Zürich Ost, wo der durchschnittliche Tagesverkehr im Jahr 2016 bei rund 140'000 Autos gelegen sei.

Unfallzahlen gesunken trotz mehr Verkehr

Bielmann appelliert aber auch an die Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmenden: «Es passiert schnell, dass man bei einem grossen Verkehrsaufkommen unachtsam ist, etwa am Handy herumtippt und dann einen Unfall baut. Die Aufmerksamkeit am Steuer muss unter allen Umständen gewährleistet sein. Also Blick auf die Strasse und nicht aufs Handy.» Auch riskante Manöver bei zu nahem Auffahren und Spurwechseln oder zu schnelles Fahren seien unangemessen und würden zu Unfällen führen.

Dennoch betont Bielmann auch, dass in den letzten Jahren die Unfallzahlen, insbesondere auch jene mit Verkehrstoten, gesunken sind. «Diese Entwicklung ist nicht zuletzt auch auf die Einführung von Via Sicura zurückzuführen.» Das Programm für mehr Sicherheit im Strassenverkehr, das seit 2012 in Kraft ist, setzt unter anderem beim richtigen Fahrverhalten, aber auch bei der verbesserten Fahrzeugtechnologie und Infrastruktur an.

Kapazitätsengpässe vermeiden

Stefan Krähenbühl, Sprecher von Roadcross Schweiz, sieht bei der Verminderung der Auffahrunfälle dennoch mehr Handlungsbedarf. Momentan sei es so, dass bei den Unfallschwerpunkten Kapazitätsengpässe herrschten. «Mit den geplanten Spurenausbauten an neuralgischen Punkten soll sich das bessern. Doch bis dahin dauert es und die Baustellen dürften zwischenzeitlich zur Unfallhäufigkeit beitragen. Deshalb sind zwei Dinge absolut entscheidend: Abstand einhalten und nicht abgelenkt fahren.»

Auch die routinierten Fahrer, die diese Strecken täglich abfahren und von denen deshalb einige mit den Gedanken nicht zu 100 Prozent auf der Strasse seien, müsste man immer wieder darauf aufmerksam machen. «Das kann beispielsweise durch Wechselverkehrszeichen passieren, die Fahrzeuglenker vor Stau warnen oder sie daran erinnern, auf genügend Abstand zu achten.»

Hier passieren die meisten Unfälle

1. Auf der A1 am Eingang des Gubrist-Tunnels in Fahrtrichtung Bern.

2. Im Kanton Bern auf der A1 zwischen dem Grauholz und Schönbühl.

3. Zwischen Wallisellen und dem Autobahndreieck Zürich Ost auf der A1 in Richtung Zürich/Nordumfahrung.

4. Auf der A3 zwischen Basel City und Basel St. Jakob bei der Ausfahrt Hagnau.

5. Zwischen Wettingen Ost und der Ausfahrt Neuenhof auf der A1 in Richtung Bern.

54 Prozent dieser Unfälle, bei denen Personen verletzt wurden, sind Auffahrunfälle, gefolgt von Abbiegeunfällen mit 12 Prozent. Mit jeweils 11 Prozent sind Schleuder- und Selbstunfälle sowie Einbiegunfälle die dritthäufigste Ursache.

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