Gemüse vom Friedhofsgrab: Auf diesen Wiener Gräbern wird angepflanzt

Gemüse vom Friedhof: Friedhofsverwalter Walter Pois pflanzt Tomaten und Erdbeeren auf Gräbern – ganz im Sinne des Urban Gardening.

Gemüse vom Friedhof: Friedhofsverwalter Walter Pois pflanzt Tomaten und Erdbeeren auf Gräbern – ganz im Sinne des Urban Gardening.

Denise Auer / heute.at
Publiziert

«Nachfrage steigt»Auf diesen Gräbern wird Gemüse angepflanzt

Selbst gezüchtete Gurken, direkt von Grosis Grab: Ein Wiener Friedhofsverwalter macht vor, wie ungenutzte Grabflächen mit Urban Gardening zum Gemüsebeet werden.  

von
Luise Faupel

Friedhofsverwalter Walter Pois hatte einen kreativen Einfall: Auf dem Matzleinsdorfer Friedhof in Wien pflanzt er Tomaten, Gurken, Erdbeeren und Kräuter auf nicht mehr betreuten Gräbern an. Kurz: Er betreibt Urban Gardening mal anders.

Sowohl das Bepflanzen von kleineren (Grün-)Flächen in Städten als auch lokale Lebensmittel liegen schon lange im Trend – vergessene, leer stehende Grabplätze zu nutzen, ist allerdings neu.

Grab mieten, Obst pflanzen

Pois möchte andere inspirieren, es ihm gleichzutun. Jede und jeder kann auf dem Matzleinsdorfer Friedhof eines der nicht (mehr) betreuten Gräber mieten, um darauf urbanen Gartenbau zu betreiben und Gemüse, Obst oder Blumen anzupflanzen.

Obst vom Friedhof: Erdbeeren spriessen auf einem der 20 bepflanzten Gräber des Matzleinsdorfer Friedhofs.

Obst vom Friedhof: Erdbeeren spriessen auf einem der 20 bepflanzten Gräber des Matzleinsdorfer Friedhofs.

Denise Auer / heute.at
Walter Poi neben Kohl, Schnittlauch und Co.

Walter Poi neben Kohl, Schnittlauch und Co.

Denise Auer / heute.at
Nicht nur Gemüse, auch Blumen und ganze Sträucher können von Urban-Gardening-Fans auf dem Friedhof angepflanzt werden. 

Nicht nur Gemüse, auch Blumen und ganze Sträucher können von Urban-Gardening-Fans auf dem Friedhof angepflanzt werden. 

Denise Auer / heute.at

Bereits 20 der 8600 Grabflächen des Friedhofs werden bepflanzt. Auch interessiert? Die etwa zweieinhalb Quadratmeter Grabfläche vermietet der Friedhof für 75 Euro, also auch etwa 75 Schweizer Franken, im Jahr.

Alle seien herzlich willkommen, die Voraussetzung: kein Problem damit haben, Schaufel und Harke in der Nähe von Toten anzuwenden. Dieser Fakt scheint viele nicht zu stören: «Die Nachfrage steigt», so der gelernte Gärtnermeister Walter Pois.

Würdest du Obst und Gemüse vom Friedhofsgrab essen?

Kohlrabi vom Gemüsegrab

Gemüse vom Grab – ist das nicht makaber? Oder gerade faszinierend, wenn die Tomaten in der hausgemachten Pastasauce nicht nur selbst angepflanzt wurden, sondern noch dazu von einem Friedhof oder gar dem Grab einer geliebten Person stammen?

Eine neugierige Friedhofsbesucherin beruhigte Pois laut FAZ bereits damit, dass mindestens ein Meter Erdreich zwischen Gemüse und Sarg liegt. Oder eben dem, was davon noch übrig ist.

Wenn dir mal wieder Kräuter fürs Kochen fehlen, könntest du auf einem Urban-Gardening-Friedhof nachschauen.

Wenn dir mal wieder Kräuter fürs Kochen fehlen, könntest du auf einem Urban-Gardening-Friedhof nachschauen.

Denise Auer / heute.at

Funktionieren tut das Urban Gardening bisher sehr gut. Kartoffeln, Zwiebeln, Kohlrabi: All das wird bereits mit Erfolg auf den 20 Gräbern angepflanzt. Mitarbeitende des Friedhofs machten den Anfang. Manche Grabstellen werden gemüsefrei und nur mit Blumen bepflanzt.

In Zürich bisher kein Thema

Auf unsere Frage, ob so eine Urban-Gardening-Aktion auch auf Zürcher Friedhöfen denkbar wäre, antwortet uns Katharina Weber von der Kommunikation des Präsidialdepartements der Stadt Zürich: «Urban Gardening auf ungenutzten Gräbern ist in der Stadt Zürich kein Thema.»

In Zürich sind Gemüsebeete auf Gräbern aktuell kein Thema.

In Zürich sind Gemüsebeete auf Gräbern aktuell kein Thema.

Getty Images/iStockphoto

Weber erklärt, Zürcher Friedhöfe seien so angelegt, dass Grabfelder und freie Grünflächen je eigene Bereiche bildeten. Damit wolle das Bestattungs- und Friedhofamt dazu beitragen, dass die Friedhöfe Orte der Ruhe, Trauer und Besinnung für die Angehörigen der Verstorbenen blieben und gleichzeitig der Bevölkerung eine dem Ort angemessene Erholungsnutzung zur Verfügung stehe.

Eine gute Nachricht für Freundinnen und Freunde des Gärtnerns hat sie aber dennoch: «In der Nähe vieler Friedhöfe gibt es Familiengartenareale, die zum Gärtnern gemacht sind.»

Genussvolle Friedhofsstunden

Apropos Erholungsnutzung: In Wien wars das noch nicht mit Walter Pois’ Kreativität. Neu hat der 51-Jährige öffentliche Bücherstellen auf fünf Grabsteinen eingerichtet. Lesen und dabei Erdbeeren vom Grab naschen: Klingt nach einem genuss- und friedvollen Friedhofsbesuch.

«Lesen stärkt die Seele», lautet der Slogan des Bücherei-Grabsteins. Friedhofsbesuchende können sich die Bücher ausleihen.

«Lesen stärkt die Seele», lautet der Slogan des Bücherei-Grabsteins. Friedhofsbesuchende können sich die Bücher ausleihen.

Denise Auer / heute.at

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