Aktualisiert 14.02.2015 12:38

Dreirad mit Vorteilen

Auf drei Rädern auf der Strasse unterwegs

Viele Menschen haben ihre ersten Fahrerfahrungen auf dem Dreirad gemacht. Manche taten das auch später noch – auf Three Wheelern.

von
Bruno von Rotz
1 / 18
Der Reliant Supervan III von 1971 - gedacht für Handwerker und Familien, die günstig fahren wollten.

Der Reliant Supervan III von 1971 - gedacht für Handwerker und Familien, die günstig fahren wollten.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Vor dem zweiten Weltkrieg waren die Morgan Three Wheeler als günstige Mobilitätsvariante beliebt, sie machten aber auch bei Trials und Rennen einen gute Figur.

Vor dem zweiten Weltkrieg waren die Morgan Three Wheeler als günstige Mobilitätsvariante beliebt, sie machten aber auch bei Trials und Rennen einen gute Figur.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
Der Morgan Three Wheeler hat das einzelne Rad hinten, es ist angetrieben, während die Vorderräder nur für das Lenken zuständig sind.

Der Morgan Three Wheeler hat das einzelne Rad hinten, es ist angetrieben, während die Vorderräder nur für das Lenken zuständig sind.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com

Was für Kinder gut ist, kann auch Erwachsenen nicht schaden. Diese Überlegung wurde Anfang des letzten Jahrhunderts auch von der Auto-Industrie angestellt.

Denn es gab gute Gründe für ein Gefährt mit nur drei statt vier Rädern: Die Komplexität wird geringer und das Gewicht reduziert sich um gut 30 bis 50 Kilogramm. Zudem lässt sich der Wagenkörper schmaler konstruieren.

Aus Kostengründen

Doch zunächst sprachen vor allem ökonomische Gründe für das Dreirad. Die ersten Morgan Three Wheeler wurden um 1910 oftmals von Handwerkern gekauft, um ihre Utensilien zu befördern. Dass man sich im Dreirad auch richtig schnell vorwärts bewegen konnte, dies zeigte sich als zusätzlicher Vorzug.

In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden dann Kabinenroller populär, bei denen ebenfalls oft auf das vierte Rad verzichtet wurde, obschon damit auch etwas Sozialprestige verloren ging. BMW zum Beispiel fertigte die Isetta für den Heimmarkt mit vier Rädern, die hinteren lagen so eng beieinander, dass sich das Differential erübrigte, für Exportmärkte gab es auch eine dreirädrige Version, da sich damit günstigere Fixkosten erzielen liessen. Auch die Heinkel Kabine gab es mit drei und vier Rädern und der ursprüngliche Messerschmitt Kabinenroller wurde auf drei Räder ausgelegt.

Besonders in England waren dreirädrige Fahrzeuge populär. Dies wegen der Steuervergünstigungen. Die Marke Reliant wurde mit diesen Dreirädern gross und sorgte auch dafür, dass ganze Familien und Leute mit viel Platzbedarf locker damit auskommen konnten, wie der Reliant Regal/Supervan bewies. Sein Nachfolger, der Reliant Robin wurde sogar bis ins neue Jahrtausend gebaut.

Von vier Rädern verdrängt

Mit zunehmendem Wohlstand waren die Leute aber immer weniger bereit, auf das vierte Rad zu verzichten. Dazu trugen auch viele Überroll-Umfälle der kippeligen Dreiräder bei, die vor allem bei den Versionen auftreten konnten, wo das Einzelrad vorne sass.

Nichtsdestotrotz bot Reliant mit dem Bond Bug 700 in den 1970er-Jahren wiederum ein fast futuristisches Dreirad an, das locker mit modernen Autos mithalten konnte. Doch trotz seiner Vorzüge hatte er nur ein kurzes Leben.

Auch dem Dale, der sich ebenfalls Mitte der 1970er-Jahre in den USA anschickte, für 2000 US-Dollar und mit minimalem Verbrauch von 3,3 Litern pro 100 km die Amerikaner zu begeistern, war kein Glück beschieden.

Mit drei Rädern unterwegs

Vor wenigen Jahren dann feierte der Morgan Three Wheeler als Freizeitvehikel Wiederauferstehung und im Bereich umweltfreundlicher Fahrzeuge finden die Vorteile von drei Rädern immer wieder eine Fangemeinde, wie es der furios gestartete, aber ebenso gescheiterte Aptera aus Kalifornien beweist.

Etwas kippelig fühlt er sich schon an, der dreirädrige Reliant Supervan III von 1971. Der fast zwischen Fahrer und Beifahrer sitzende Motor macht sich durch deutlich Geräuschentwicklung bemerkbar und der nur marginal verkleidete Innenraum weist darauf hin, dass der Reliant nicht für luxusorientierte Käufer gedacht war. Aber er soll über 100 km/h erreichen, wenn man sich traut.

Die nur mit Werkzeug verschiebbaren Sitze verlangen nach Kompromissen, dafür entschädigt der enge Wendekreis und die Handlichkeit. Mit viel weniger Auto lassen sich eine Familie samt Ferien-Gepäck kaum befördern. Und auffallen tut man mit dem Teil mehr, als man es dem mausgrauen Dreirad zutrauen würde.

Weitere Informationen zum Reliant Regal/Supervan und anderen Dreirädern finden sich auf www.zwischengas.com.

www.zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.