Auf Drogendealer geschossen: Sechs Jahre Knast
Aktualisiert

Auf Drogendealer geschossen: Sechs Jahre Knast

Das Bezirksgericht Baden hat am Dienstag einen 27- jährigen Schweizer wegen versuchter Tötung zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt.

Er hatte vor einem Jahr in Fislisbach einen Drogenhändler mit vier Schüssen aus einem Sturmgewehr verletzt.

Der Angeklagte habe eventualvorsätzlich gehandelt, befand das Gericht einstimmig: Mit den Schüssen auf den Dealer habe er in Kauf genommen, dass dieser tödlich verletzt werden könnte. Zusätzlich wurde der Angeklagte der Gefährdung des Lebens, der Vergewaltigung und der mehrfachen Körperverletzung schuldig gesprochen.

Das Gericht bescheinigte dem Angklagten jedoch eine verminderte Zurechnungsfäigkeit mittleren Grades. Beim Strafmass blieb es um zwei Jahre unter dem Antrag der Anklage.

Gewaltsamer Streit mit Ehefrau

Zwischen dem Angeklagten und seiner russsischen Ehefrau war es Ende Juni 2004 in der gemeinsamen Wohnung in Gebenstorf zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung gekommen. Laut Anklage hatte der Mann seine Frau mit Fäusten geschlagen, ihr mit einem Klebeband den Mund zugeklebt und sie danach vergewaltigt.

Nachdem das Opfer sich aus dem Fenster des ersten Stockwerks gestürzt und bei einem Nachbarn in Sicherheit gebracht hatte, fuhr der Ehemann nach Fislisbach. Dort wollte er sich von einem Drogenhändler Kokain besorgen. Er habe einen «Flash» setzen und sich danach erschiessen wollen, sagte er vor Gericht.

Schüsse auf Drogendealer

Auf dem Weg zum Übergabeort entschloss er sich, dem Drogenhändler das Kokain gewaltsam abzunehmen. Ein erster Schuss aus dem Sturmgewehr habe sich jedoch unbeabsichtigt gelöst, erklärte er. Danach habe er drei weitere Schüsse auf das mit dem Velo flüchtende Opfer abgegeben und dabei auf die Beine gezielt.

Bei der Schiesserei wurde auch eine Passantin gefährdet, die sich dort in der Ladenpassage aufgehalten hatte. Laut deren Aussage vor Gericht schlug eine Kugel nur etwa zwei Meter entfernt von ihr in den Boden ein.

Der Drogenhändler - ein Asylbewerber aus Mali, der im Oktober 2004 zu zwölf Monaten Gefängnis wegen Drogendelikten verurteilt wurde - erlitt Verletzungen an Beinen und Armen. Laut dem Staatsanwalt führten nur glückliche Umstände dazu, dass keine lebensnotwendigen Organe verletzt worden seien.

Anklage beantragte acht Jahre

Der Ankläger forderte acht Jahre Zuchthaus. Auch unter Anrechnung einer verminderten Zurechnungsfähigkeit sei dies dem gravierenden Verschulden angemessen. Der Angeklagte selbst bestritt die Vergewaltigung seiner Ehefrau.

Die amtliche Verteidigerin forderte drei Jahre Gefängnis wegen einfacher Körperverletzung. Sie erachtete die Vergewaltigung und die Gefährdung der Passantin als nicht erwiesen. Der gelernte Füsilier sei ein ausgezeichneter Schütze und habe bei seinem Einsatz am WEF in Davos eine Spezialausbildung zum Anhalten von Personen genossen.

Der frei gewählte Verteidiger plädierte auf 20 Monate Gefängnis. Anders als die amtliche Verteidigung erachtete er den Tatbestand der Gefährdung des Lebens als erfüllt. Die Ehefrau des Angeklagten erschien nicht vor Gericht: Sie hatte sich auf das Zeugnisverweigerungsrecht berufen und kurzfristig ins Ausland abgesetzt. (sda)

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