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UmgangsformenAuf «Du und Du» mit dem Chef?

In Schweizer Unternehmen hält das «Du» Einzug. Nicht so bei der Schweizer «Tagesschau» oder in der Stube des Bayern-Trainers Louis van Gaal. Wie stehts damit bei Ihnen?

von
Runa Reinecke

Wenn vor rund 20 Jahren bei den Töchtern des Bayern-Trainers einmal das Sackgeld knapp wurde, tönte das vermutlich so: «Bitte, geben Sie mir doch noch ein paar Gulden.» Hier wurde nicht etwa auf die Grosszügigkeit einer fremden Person gesetzt, nein: gemeint war dabei der eigene Vater, denn Louis van Gaal liess sich von seinen Töchtern stets siezen. Bis heute änderte sich daran auch nichts - da macht der Niederländer weder bei seinen Kindern noch bei den Bayern-Spielern Kompromisse.

Was fällt Ihnen ein, Sie untreues A…!

Es mag auf unsereins befremdlich wirken, bei Herrn und Frau Chirac, dem ehemaligen Präsidentenpaar Frankreichs, gehört es zum guten Ton: despektierlich von seinen Untertanen als «Chichi» verunglimpft, spricht ihn seine Gattin Bernadette, eine Tochter aus gutem Hause, betulich in der Höflichkeitsform an. Doch allen Floskeln zum Trotz mangelte es in der Ehe der beiden immer wieder an Respekt, denn «Chichi» lässt bei jüngeren Damen bekanntlich nichts anbrennen. Wie sich die Auseinandersetzungen in «Sie»-Form nach den jeweils gestandenen Tête-à-Têtes gestalteten, bleibt unserer Phantasie überlassen.

Arbeitsschizophrenie: Du oder Sie?

Könnten Sie sich vorstellen, Ihren Partner beruflich zu siezen, obwohl praktisch die ganze Deutschschweiz über Ihre Beziehung Bescheid weiss? Für «Tagesschau»-Moderatorin Katja Stauber und SF-Sonderkorrespondent Florian Inhauser ist das beruflicher Alltag – zumindest vor der Kamera: Als sich Inhauser im Januar aus dem durch Erdbeben geschundenen Haiti ins Tagesschau-Studio zu seiner Partnerin schaltete, blieben beide konsequent förmlich. «Die Du- bzw. die Höflichkeitsform wird beim SF situationsgerecht eingesetzt. In Newssendungen hingegen wirkt das Du kumpelhaft und wird deshalb vermieden. Im Zweifelsfall wird die Höflichkeitsform verwendet», erklärt David Affentranger, Pressechef des Schweizer Fernsehens das professionelle Siezen am Bildschirm.

Während die «Tagesschau» mit dem Kumpelhaften partout nicht auf Du und Du sein möchte, nahm man in vielen Unternehmen in der Schweiz vom Siezen Abstand. Ein Trend, der aus Skandinavien zu uns herüberschwappte – dort duzt man sich mancherorts bereits durch sämtliche Hierarchiestufen hindurch - vom Praktikanten bis zum CEO.

Was halten Sie vom «Duzie» im Büro? Ist das Siezen total out und wenn nicht – welchen Zweck erfüllt es? Diskutieren Sie mit oder nehmen Sie jetzt an unserer Umfrage teil.

Zuerst wurde «geihrzt»

Damit sich Würdenträger wie Fürsten vom Pöbel abheben konnten, liessen sich diese bereits im 8. und 9. Jahrhundert nach Christi mit «Ihr» ansprechen. Während des höfischen Zeitalters fand das «Ihrzen» allgemeine Verbreitung.

Gesiezt wird erst seit dem 19. Jahrhundert - die Anrede «Herr», «Frau» oder «Fräulein» bürgerte sich zu dieser Zeit ein.

Seit dem 20. Jahrhundert kam mit dem Streben nach sozialer Gerechtigkeit auch immer mehr das «Du» auf.

Quelle: Wikipedia

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