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Freistoss«Auf ein Remis spielen ist sehr gefährlich»

Fussball-Legende und 20-Minuten-Online-Kolumnist Georges Bregy ist überzeugt, dass bei der Finalissima zwischen dem FC Basel und YB beide Teams auf Sieg spielen müssen, auch wenn dem FCB ein Remis genügen würde. Ab 20.15 Uhr berichten wir live über das Entscheidungsspiel.

Erstaunlich: Jetzt haben wir das dritte Mal hintereinander die Situation, dass die Schweizer Fussball-Meisterschaft im letzten Spiel entschieden wird. Damit wird der Match am Samstag in Basel so etwas wie ein Cupfinal. Es geht in einem einzigen Spiel um alles oder nichts. Mit einem kleinen Unterschied: Im Cupfinal gibt es kein Unentschieden. Genau dieses Resultat würde aber dem FC Basel für den Titel-Gewinn genügen. Auf den ersten Blick ist das ein Vorteil. Aber als Trainer habe ich solche Ausgangslagen nie gemocht. Da hat es YB viel besser. Die YB-Spieler wissen, dass sie das Spiel um jeden Preis gewinnen müssen und werden deshalb mit einer entsprechend kompromisslosen Einstellung auf den Platz kommen. Basel-Trainer Christian Gross weiss das natürlich ganz genau. Deshalb muss auch der FC Basel konsequent auf Sieg spielen. Es ist nämlich sehr gefährlich, eine Mannschaft auf ein Remis spielen zu lassen. Der kleinste individuelle Fehler kann dieses Konzept schnell über den Haufen werfen, und dann wäre das Team völlig verunsichert und könnte nicht mehr schnell genug reagieren.

Ein frühes Tor könnte ein Superspiel lancieren

Es müssen also beide Mannschaften ohne Wenn und Aber auf Sieg spielen. Das bedeutet aber nicht, dass wir am Samstagabend in Basel von der ersten Minute an einen offenen Schlagabtausch auf Biegen und Brechen sehen werden. Es ist ja immer das Gleiche. In Spielen, in denen es um so viel geht, wird erst mal auf Sicherheit gespielt. In den ersten 30 Minuten werden die Fans vermutlich kein grosses Spektakel erleben. Für die Zuschauer wäre natürlich ein frühes Tor ideal. Es könnte sämtliche taktische Überlegungen über den Haufen werfen und den Startschuss für ein Superspiel bedeuten.

Meisterschaftsfinale 2006 muss bei Profi-Fussballern abgehakt sein

Der FC Basel spielt vor eigenem Publikum. Das ist einerseits ein Plus. Es kann sich aber auch nachteilig auswirken und zum Druck werden, wenn es der Mannschaft von Christian Gross nicht von Beginn weg rund läuft. Denn nach drei Jahren erwarten die Fans vom FCB jetzt endlich wieder einmal den Meistertitel. Ich werde in letzter Zeit oft gefragt, ob die Basel-Spieler vor dem grossen Showdown zittern, weil sie vor zwei Jahren im letzten Spiel im eigenen Stadion den Meistertitel an den FC Zürich verloren haben. Ich antworte immer dasselbe: Ein Profi-Fussballer muss so etwas nach einer gewissen Zeit der Verarbeitung definitiv abhaken können. Denn wenn einer ängstlich auf den Platz geht, kann er auch gleich in der Kabine bleiben. Und als Trainer würde ich das Negativerlebnis aus der Vergangenheit vor so einem wichtigen Spiel auch nicht mehr ansprechen.

Trotz Heimvorteil sehe ich den FC Basel am Samstag nicht in der klaren Favoritenrolle. YB hat sich nach den beiden Heimniederlagen gegen den FC Luzern und Xamax Neuenburg wieder gefangen. Am Dienstagabend haben sie gegen die Grasshoppers ein starkes Spiel gezeigt und verdient gewonnen. Basel seinerseits hat in Neuenburg in einer schwierigen Situation einen 0:2-Rückstand aufgeholt. Das beweist, dass die Moral in der Mannschaft intakt ist.

Spieler müssen locker bleiben

In der verbleibenden Zeit bis am Samstagabend geht es jetzt vor allem darum, gut zu regenerieren und den Kopf durchzulüften. Die Trainer müssen aufpassen, dass die Spieler trotz allem locker bleiben und nicht allzu verbissen in diesen Match gehen. Wer übermotiviert ist, verkrampft sich, wird entsprechend blockiert sein und kann somit keine gute Leistung erbringen. Für die beiden Trainer geht es in diesen Tagen darum, ihren Mannschaften die nötige Zuversicht zu vermitteln. Christian Gross und Martin Andermatt müssen in dieser hektischen Zeit jetzt cool bleiben. So bleibt auch die Mannschaft ruhig. Wenn das Team aber spürt, dass der Trainer nervös ist, kehrt automatisch auch in der Mannschaft Unruhe ein. Cool bleiben – was so einfach tönt, ist in solchen Situationen manchmal sehr schwierig in der Praxis umzusetzen. Schliesslich geht es am Samstagabend ja für beide Vereine um alles oder nichts.

Georges Bregy, 20 Minuten Online

Immer wieder schön anzusehen: Georges Bregys legendärer Freistoss an der WM 1994 gegen die USA

Der Kolumnist

Der 54-fache Nationalspieler Georges Bregy spielte jahrelang in der damaligen Nationalliga A für diverse Vereine. Dabei wurde der Walliser Nicht nur Meister (1986) und Cupsieger (1980, 1982), sondern in einer Saison auch als Torschützenkönig (1984) ausgezeichnet. Nach Trainerengagements bei Lausanne, Thun und dem FC Zürich arbeitet er heute als Unternehmensberater. In seiner Freizeit verfolgt er den Schweizer Fussball genau und steht nebenbei beim FC Stäfa (2. Liga interregional) an der Seitenlinie.

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