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Transafrika-BlogAuf Entdeckungsreise in der Schweiz Afrikas

Ordnung und Landwirtschaft bestimmen den Alltag in Ruanda. Aber auch eine dunkle Vergangenheit.

von
Christian Dinkel

Die Strasse windet sich in vielen Kurven durch eine satte, grüne Landschaft, über unendlich viele Hügel, vorbei an kleinen Dörfern und Feldern von Kleinbauern. Kaum ein Fleck wird nicht landwirtschaftlich genutzt, überall sind Menschen. Kein Plastiksack fliegt herum, kein Müll liegt auf der Strasse, der Verkehr nimmt einen sehr geordneten Lauf und alle Motorradfahrer tragen einen Helm. Sind wir zu Hause angekommen? Nein, wir befinden uns in der Schweiz Afrikas oder im Land der 1000 Hügel, wie Ruanda auch treffend bezeichnet wird.

Das tägliche Leben

Fahrräder prägen das Strassenbild – gekaufte aus Metall oder selbstgebaute aus Holz. Alles – unabhängig von Grösse und Gewicht – wird mit dem Velo transportiert: Ganze Bananenstauden, mit Schnüren zusammengebundene und selbst über den Lenker geworfene Ananas, Haustüren, Bettgestelle, Polstersessel, grosse, mit Gemüse prallgefüllte Körbe und Säcke – über hundert Kilogramm Ladung sind keine Seltenheit. Mit den in China gebauten Stahlrössern sausen die Fahrer ohne Rücksicht auf Verluste mit kaum funktionstüchtige Bremsen den Berg hinunter. Da es aus eigener Kraft kaum möglich ist, mit den Eingängern den Berg hinaufzukommen, lassen sich die Piloten ganz entspannt von Lastwagen hochziehen, natürlich auch von unserem «Dino». Oben angelangt folgt die nächste halsbrecherische Abfahrt.

Hügelige Teeplantagen dominieren die Landschaft: sauber geschnittene Sträucher an den Hängen, ordentlich angelegte Wege und oben auf den Hügeln – wie auf einem Thron sitzend – ein Haus oder ein Baum. Ab und zu stehen Teefabriken, in denen Grüntee und durch Fermentation hergestellter Schwarztee produziert werden. Beide Sorten wie auch der Kaffee sind hauptsächlich für den Export bestimmt.

Mit Helmen auf dem Kopf schwingen wir uns hinten auf den Sitz und halten uns fest. Im Schnelltempo fährt uns der Lenker des Motorradtaxis für wenige Rappen auf den Markt; wir kaufen für das Abendessen ein. Die Metzger stehen hinter kleinen Theken, auf denen sie ohne Kühlung verschiedene Haufen von Fleisch anbieten, grössere Teile hängen über unseren Köpfen. Mit einem grossen Messer schneidet unser Mann geschickt das von uns gewünschte Stück runter. In der Halle nebenan reihen sich lange Holztische. Frauen sitzen auf ihnen oder stehen dahinter und bieten mit lautem Geschrei ihr Gemüse und ihre Früchte an. Feinsäuberlich präsentieren die Verkäuferinnen ihre Ware – sortiert nach Preisklasse in kleine Haufen. Die Konkurrenz ist gross und es ist schwierig für uns, die richtige Wahl aus dem grossen Angebot zu treffen.

Das dunkle Kapitel

Wir besuchen das Kigali Genocide Memorial Centre, das zum zehnjährigen Gedenktag an den Völkermord in der ruandischen Hauptstadt eröffnet wurde. Die Gemeinschaftsgräber dieser Stätte beherbergen die Überreste von zirka 250'000 Menschen, davon viele namenlos. Die Leugnung und Verharmlosung des Genozids soll auf diese Weise erschwert werden. Die Ermordung von Präsident Habyarimana löste den Völkermord aus. Die Gräueltaten mit Macheten, Äxten, Hacken und ähnlichen Tatwaffen begannen am 6. April 1994. Sie kosteten nach Schätzungen gegen eine Million Menschen das Leben. In annähernd 100 Tagen töteten Angehörige der Hutu-Mehrheit etwa 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie nicht beteiligte und moderate Hutu. Irritiert und in Gedanken vertieft verlassen wir diesen Ort der Trauer, der Erinnerung, der Reflexion, des Austauschs und der Prävention.

Transafrika

In 100 Tagen legen die Teilnehmer der Transafrika-Reise im Truck den Weg von Kairo nach Kapstadt zurück. Auf 20 Minuten berichtet Reiseleiter Christian «Chregu» Dinkel regelmässig von dem Abenteuer.

Auf einzelnen Etappen sind noch wenige Plätze frei.

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