Risiko: Auf Gluten verzichten – und Diabetes bekommen
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RisikoAuf Gluten verzichten – und Diabetes bekommen

Gluten macht krank – davon sind viele überzeugt. Doch das ist falsch: Manche Menschen brauchen das Klebereiweiss offenbar, um gesund zu bleiben.

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Immer mehr Menschen glauben, dass Gluten sie krank macht.

Immer mehr Menschen glauben, dass Gluten sie krank macht.

Keystone/AP/Jon Elswick
Das Eiweissgemisch ist Bestandteil verschiedener Getreidesorten wie Weizen und Roggen.

Das Eiweissgemisch ist Bestandteil verschiedener Getreidesorten wie Weizen und Roggen.

Keystone/Gaetan Bally
Deshalb verzichten viele auf Brot, Teigwaren und andere Getreideprodukte.

Deshalb verzichten viele auf Brot, Teigwaren und andere Getreideprodukte.

Flickr.com/daBinsi/CC BY 2.0

Starke Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen: Für ihre Verdauungsprobleme machen viele Menschen Gluten verantwortlich und verzichten deshalb auf Brot, Teigwaren und andere Getreideprodukte.

Das Problem: Tun sie das, obwohl es medizinisch nicht nötig wäre (siehe Box 1), schaden sie sich. Das berichteten US-Forscher am American Heart Association Meeting. Denn offenbar erhöht Glutenverzicht bei Gesunden das Risiko, Diabetes Typ 2 zu entwickeln (siehe Box 2).

Gluten meiden, Diabetes bekommen?

Das Forscherteam um Geng Zong von der Harvard University T.H. Chan School of Public Health in Boston hatte den Glutengehalt in der Ernährung von fast 200'000 Personen ermittelt. Die entsprechenden Daten stammten aus drei Langzeitstudien.

Dabei zeigte sich, dass diejenigen Teilnehmer mit dem höchsten Glutenkonsum (bis zu zu zwölf Gramm pro Tag) ein um 13 Prozent geringeres Risiko für Diabetes Typ 2 hatten als diejenigen, die so gut wie gar keinen Weizenkleber zu sich nahmen.

Fehlende Getreidefasern

Zong und seine Kollegen empfehlen, Gluten nur bei diagnostizierter Überempfindlichkeit zu meiden. Denn «glutenfreie Lebensmittel enthalten oft weniger Ballaststoffe und andere Mikronährstoffe», schreibt Studienautor Zong in einer Mitteilung. Dazu gehören Vitamine und Mineralstoffe. Diese glutenfreien Nahrungsmittel seien daher weniger nahrhaft und obendrein oft auch teurer.

Studienteilnehmer, die wenig Gluten zu sich nahmen, konsumierten meist auch generell weniger Getreidefasern, wie die Forscher feststellten. Eine faserreiche Ernährung wiederum steht im Zusammenhang mit einem niedrigeren Risiko für diverse Erkrankungen, darunter auch Diabetes Typ 2, Herzerkrankungen und verschiedene Krebsarten.

Weitere Studien notwendig

Trotz des eigentlich eindeutigen Resultats, müssen die Ergebnisse laut American Heart Association in einer weiteren Untersuchung überprüft werden. Denn die Probanden hatten selber Angaben zu ihren Essgewohnheiten gemacht, was zu Ungenauigkeiten geführt haben könnte.

Ausserdem stammen die Daten grösstenteils aus einer Zeit, als glutenarme Ernährung noch kein Trend war. Die Auswirkungen des Trends sind somit in der Studie nicht enthalten. (fee/sda)

Zöliakie-Betroffene müssen vorsichtig sein

Bei Menschen mit einer Zöliakie zeigt das Immunsystem eine Überreaktion gegen Gluten. Als Folge davon wird die Darmschleimhaut geschädigt. Häufige Symptome sind Verdauungsbeschwerden, Bauchschmerzen und chronische Müdigkeit. Weil die Nährstoffaufnahme gestört ist, kann es zu Blutarmut, bei Kindern auch zu Wachstumsstörungen kommen. Die Krankheit wird anhand bestimmter Antikörper im Blut und mittels Darmspiegelung diagnostiziert. Einzige Therapie ist eine glutenfreie Ernährung. Getreidesorten, die kein Gluten enthalten, sind unter anderem Mais, Reis und Hirse.

Diabetes Typ 1 und Typ 2

Der Diabetes vom Typ 1 trifft in der Regel junge Menschen. Bei dieser Form der Erkrankung werden die sogenannten Beta-Zellen, die in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) das Insulin produzieren, zerstört. Aus diesem Grund müssen sich diese Patienten das Insulin regelmässig selbst in Form von Spritzen zuführen, um einem erhöhten Blutzuckerspiegel entgegenzuwirken.

Anders ist das beim Diabetes des Typs 2, von dem etwa 90 Prozent aller Zuckerkranken betroffen sind. Durch eine längerfristige, überhöhte Energiezufuhr und andere, noch unbekannte Faktoren entsteht bei einigen Organen eine Insulin-Resistenz. Diesen Effekt versucht die Bauchspeicheldrüse auszugleichen, indem sie noch mehr Insulin produziert – eine Belastung, der die Bauchspeicheldrüse nicht ewig standhält: Es kommt zu einer stark reduzierten Insulin-Ausschüttung, der Blutzuckerwert steigt. Diese Form des Diabetes ist auch als Altersdiabetes bekannt. Heute erkranken daran vor allem Übergewichtige – vereinzelt trifft es sogar Kinder.

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