Ernährungs-Entertainer: «Auf Lebensmittel-Pornos fallen auch Frauen herein»
Aktualisiert

Ernährungs-Entertainer«Auf Lebensmittel-Pornos fallen auch Frauen herein»

Kann abnehmen lustig sein? Ja, findet zumindest Patric Heizmann. Deutschlands erster Ernährungs-Entertainer erklärt, was uns an Kohlsuppen-Diäten reizt und warum Sport dick machen kann.

von
Runa Reinecke

Patric Heizmann mit seinem Bühnenprogramm «Neues aus der Problemzone».
(Quelle: YouTube/patricheizmann.de)

Abspecken – für viele eine leidige, leidvolle und immer wiederkehrende Tortur. Nicht für Patric (er schreibt sich tatsächlich mit c) Heizmann: Als erster Ernährungs-Entertainer Deutschlands enttarnt der Fitness-Trainer und Ernährungs-Berater aus Freiburg im Breisgau schonungslos und auf humorvolle Weise unterschiedliche Abnehm-Charaktere und beweist: Abspecken ist gar nicht schwer (weitere Infos: siehe Box).

Sie bezeichnen sich selbst als Ernährungs-Entertainer. Was darf man sich darunter vorstellen?

Patric Heizmann: Das ist ein ganz neuer Bereich. Ich glaube, viele Menschen trauen dem Thema Ernährung und Sport eine gewisse Witzigkeit nicht zu. Dabei wollen die Leute doch gar nicht belehrt, sondern unterhalten werden und Spass haben.

Aber es gibt doch kaum etwas Frustrierenderes als das Abnehmen. Wie gelingt es Ihnen, dieses Thema heiter rüberzubringen?

Ich versuche, Geschichten auf unterhaltsame Weise so aufzubereiten, dass sich der Zuschauer oder Leser wiederfindet. Darüber kann er lachen, und wenn er lacht, nimmt er viel mehr an und erkennt: «Mann, so schwer ist das mit dem Abnehmen nun auch wieder nicht.» Kinder machen es uns vor: Sie lernen am besten, wenn sie Spass am Lernen haben. Auf diesem Prinzip sind meine Shows und auch mein neues Buch aufgebaut.

Und so begeistern Sie auch die Männer im Publikum ...

Stimmt, die stellen die Ohren sonst ja eher auf Durchzug, wenns ums Abspecken geht.

Vielleicht liegts aber auch daran, dass Sie den Begriff «Lebensmittel-Porno» geprägt haben. Da müssen Männer ja hellhörig werden …

Naja, das ist nur die halbe Wahrheit, denn auf Lebensmittel-Pornos fallen auch Frauen herein. Porno-DVDs und viele industriell gefertigte Esswaren haben nämlich eines gemeinsam: Die Verpackung ist vielversprechend, drinnen steckt aber nur Mist.

Zum Beispiel diese Frühstücksflocken, die angeblich gesund sind und schlank machen, weil sie so viele Ballaststoffe enthalten?

Genau, dieses Zeugs, das praktisch nur aus Zucker besteht und deshalb alles andere als gesund ist. Da ist die Kartonschachtel drum herum noch das Nahrhafteste. Wir denken: Wenns als besonders gut und gesund angepriesen wird, dann ist das auch so, doch das ist leider nur eine Illusion.

Mal ganz abgesehen von den Lebensmittel-Pornos: Warum scheitern wir immer wieder an unseren Abspeck-Vorhaben?

Das liegt an unseren Gewohnheiten. Wir essen im Schnitt zwei- bis dreimal am Tag eine vernünftige Mahlzeit. Das macht im Jahr 1000 Mahlzeiten. Eine Diät verlangt von uns, von heute auf morgen alles zu ändern. Wie soll das funktionieren? Schliesslich wurden wir über Jahrzehnte falsch programmiert.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Gründe für diese Fehlprogrammierung?

Häufig sind es Emotionen, die wir mit dem Essen verknüpfen. Wir essen aus Langeweile, aus Frust oder weil wir uns belohnen wollen. Wenn man das alles einfach weglässt, bleibt ein emotionales Loch. Und genau dieses Loch muss man füllen, zum Beispiel, indem man ein gutes Buch liest.

Wirklich neu ist diese Erkenntnis nicht …

Richtig, da sind wir auch schon bei des Pudels Kern angelangt: Wir wissen alles über Ernährung, dennoch gelingt es uns nicht, dieses Wissen praktisch umzusetzen. Auf die Frage, warum wir abnehmen wollen, welche Ziele wir damit verfolgen, sagen viele: «Ich mach das für mich.» Das stimmt nicht.

Wieso nicht?

Wenn man der letzte Mensch auf diesem Planeten wäre, würde man sicher keine Kohlsuppen-Diät machen. Wir kasteien uns vielmehr, um bei unseren Mitmenschen eine andere Wirkung zu erzielen, etwa um eher anerkannt oder nicht mehr gemobbt zu werden.

Angenommen, diese Wirkung wird verfehlt – was dann?

Wenn jemand mit einem mittlerweile erschlankten Körper weiterhin gemobbt wird, weil der Grund für die Hänseleien ganz woanders zu suchen ist, dann verfällt er höchstwahrscheinlich wieder in seine alten Muster und alle guten Vorsätze werden über Bord geworfen.

Apropos alte Muster: Die meisten, die an Silvester einen Abspeck-Vorsatz gefasst hatten, sind jetzt schon längst wieder gescheitert ...

Gute Vorsätze sind oftmals gar keine gute Idee: Es beginnt ja schon mal damit, dass sie völlig falsch formuliert werden, zum Beispiel: «Ich darf nie wieder Schokolade essen und muss jeden Tag eine Stunde Sport machen.» Anstatt sich auf eine Sache zu konzentrieren, nimmt man sich viel zu viel vor.

Also, entweder keine, beziehungsweise weniger Schoggi essen oder eine Stunde Sport am Tag?

Wer nur ein Ziel verfolgt, hat ein geringeres Risiko, mit seinem Vorhaben zu scheitern. Hat er dieses Vorhaben – zum Beispiel drei Stunden Sport pro Woche – erfolgreich über längere Zeit umgesetzt, kann er sich an neue Projekte wagen, zum Beispiel, weniger Schokolade zu essen.

Sie haben den Sport angesprochen. Dabei behaupten Sie in Ihrem Buch doch, das Sport dick macht …

Sport macht dick, wenn man ihn falsch ausübt. Hier gibt es zwei Extreme: Die einen nehmen zu, weil sie sich total auspowern und danach völlig unterzuckert den Kühlschrank leerfuttern. Damit nehmen sie im Endeffekt mehr Kalorien zu sich, als sie zuvor beim Training verbraucht haben.

Und die anderen?

Die kratzen beim Nordic Walking ein bisschen mit ihren Stöckchen am Asphalt, schwimmen oder fahren Rad, ohne sich dabei sonderlich anzustrengen. Wer wenig tut, verbraucht auch wenig. Da bleibt das Stück Torte nach dem Sport garantiert an den Hüften hängen. Und weil sich beim Wiegen kein Erfolg zeigt, lässt man das mit der Bewegung dann auch irgendwann wieder bleiben.

Wie macht man es Ihrer Meinung nach richtig?

Kurz und heftig – wie beim Sex. Das bezieht sich vor allem auf das Krafttraining. Es gibt drei ganz einfache, seit Jahren bekannte Übungen. Liegestütze zum Formen der Brust, das Anheben und Anspannen des Pos, um die Gesässmuskeln zu trainieren und die Kniebeugen für die Beine. Für die Ausdauer empfehle ich das Laufen.

Was hilft gegen hartnäckige Fettpölsterchen, die man trotz Gewichtsverlust nicht loswird?

Da habe ich jetzt leider ganz schlechte Nachrichten: Hier helfen weder Sit-ups noch Ausdauertraining. Ein Vergleich, der das Problem veranschaulicht: Vom Kaugummikauen

bekommt man ja auch keine schlanke Wange. Fettpölsterchen – zum Beispiel am Bauch – lassen sich nicht punktuell abarbeiten.

Danke, Sie haben mir und unseren Lesern soeben sämtliche Illusionen geraubt …

Ja, ich weiss, die Wahrheit ist immer hart. Wer sich aber umguckt – zum Beispiel in der Sauna -, der sieht, dass jeder solche Problemzonen hat und dass das ganz normal ist. Frauen sind hier oftmals viel selbstkritischer: Männer klopfen sich gerne mal stolz auf den Bauch und sagen: «Schau, mein Schnitzelfriedhof, den habe ich mir teuer angefressen.»

Der Schnitzelfriedhof befindet sich vermutlich in Ihrem Entertainment-Gepäck, wenn Sie im Mai auf Tour gehen. Besuchen Sie auch die Schweiz?

Leider sind bislang keine Termine in der Schweiz geplant, obwohl ich hier eine grosse Fangemeinde habe. Aber das werde ich ganz bestimmt bald nachholen - versprochen!

Patric Heizmann «Ich mach mich mal dünn»

In seinem neuen Buch «Ich mach mich mal dünn» (erschienen im Heyne-Verlag) erklärt Patric Heizmann auf unterhaltsame Weise, wie wir die Kurve kriegen und neue Gewohnheiten entwickeln können, ohne die alten zu vermissen. Dabei geht es um den andauernden Kampf gegen die Pfunde zwischen Kopf und Bauch, um Kalorientabellen, nächtliche Heisshunger-Attacken, Fitnessstudios und die gefürchtete, dreifache Portion Pommes danach.

Vor «Ich mach mich mal dünn» veröffentlichte der im Jahr 1974 geborene Heizmann bereits mehrere Ratgeber zum Thema Ernährung, unter anderem die Bücher «Ich bin dann mal schlank» oder «Besser durchhalten mit der Protein-Plus-Formel».

Weitere Informationen zu Patric Heizmann gibts !

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