Auf Luxushotel-Tour mit dem Mercedes-Benz EQS
Der Mercedes-Benz EQS gilts als die Speerspitze der Elektromobilität.

Der Mercedes-Benz EQS gilts als die Speerspitze der Elektromobilität.

Mercedes-Benz
Publiziert

Vom Dolder ins ChediAuf Luxushotel-Tour mit dem Mercedes-Benz EQS

Mit dem Mercedes-Benz EQS vom The Dolder Grand in Zürich nach Andermatt ins The Chedi inklusive Übernachtung? Klingt nach dem Los des Lebens. Eines der besten elektrischen Autos der Welt sowie zwei der Leading Hotels of the World – macht elf Sterne an einem Tag. Wenn da nur die Zeit nicht wäre.

von
Rafael Künzle/ A&W Verlag

Sterne kann man kaufen, die Sonne nicht: Es regnet in Strömen, als wir das 1899 von Jacques Gros erbaute Hotel The Dolder Grand an jenem trüben Mittwoch erreichen – der Mercedes-Benz EQS nimmt seinen Status als neues E-Flaggschiff offensichtlich wörtlich. Um in die Fussstapfen prominenter Gäste wie Nelson Mandela, Michael Jackson oder Liv Taylor zu treten, bleibt nach der Akkreditierung, Corona-Test und Kurzquarantäne leider keine Zeit, das Luxushotel ausgiebiger zu erkunden.

Sesam öffne dich

Die erste Stippvisite im legendären Fünf-Sterne-Hotel hätten wir uns üppiger ausgemalt – dasselbe gilt auch für den Anblick des jüngsten Sterns aus Stuttgart. Mit seinem geschwungenen «One Bow»-Design hebt sich der Mercedes-Benz EQS optisch deutlich von der konventionellen S-Klasse und sämtlichen Verbrennern ab – kann man mögen, muss man aber nicht. Wir nähern uns dem Fahrzeug an, welches in der Realität kürzer als die ausgewiesenen 5,22 m erscheint. Erst fahren die Türgriffe aus, nach drei weiteren Schritten öffnet sich die Fahrertür wie von Zauberhand.

Wie Alice im Wunderland gehts uns nach dem Einsteigen. Allein der neue Hyperscreen, der sich von Tür zu Tür zieht und drei Bildschirme beinhaltet, überstrahlt alles bisher Dagewesene im automobilen Infotainmentbereich. Das Fahrzeug wirkt innen zudem hochwertiger als die gesamte Elektro-Konkurrenz.

Platz nehmen im EQS, dessen Innenraum mehr an ein Raumschiff als an ein gewöhnliches Auto erinnert.

Platz nehmen im EQS, dessen Innenraum mehr an ein Raumschiff als an ein gewöhnliches Auto erinnert.

Mercedes-Benz
Selbst beim Posieren vor dem Vierwaldstättersee, nehmen die Passantinnen und Passanten kaum Notiz von der Neuheit aus Stuttgart.

Selbst beim Posieren vor dem Vierwaldstättersee, nehmen die Passantinnen und Passanten kaum Notiz von der Neuheit aus Stuttgart.

Mercedes-Benz
Die First Edition rollt mit einer schicken Zweitonlackierung durch die Schweizer Bergwelt.

Die First Edition rollt mit einer schicken Zweitonlackierung durch die Schweizer Bergwelt.

Mercedes-Benz

Der Pelz wird nach innen getragen

Lautlos gehts vom Dolder hinunter ans Zürcher Seebecken. Kaum jemand nimmt Notiz von der Neuheit aus Stuttgart, welche erst im Herbst offiziell über Schweizer Strassen rollen wird. «Der EQS trägt den Pelz eben nach innen», erläutert später einer der Designer. Alle anderen Fragen beantwortet das Multimediasystem MBUX (Mercedes-Benz User Experience). Das Programm ist lernfähig und merkt sich die Vorlieben von Fahrer und Beifahrer.

Mithilfe von Augmented Reality wird das Navigieren selbst für orientierungslose Landeier in der Grossstadt zum Kinderspiel. Statt einer Navigationskarte werden Abbiegepfeile und wichtige Infos direkt in die Fahrbahn projiziert. Auf der Autobahn hält der Wagen Abstand und Geschwindigkeit (zumindest für kurze Zeit) selbständig. Theoretisch wäre Level 3 des autonomen Fahrens möglich (komplette Befehlsübergabe ans Fahrzeug auf ausgewiesenen Strecken bis 60 km/h), was aber noch nicht erlaubt ist.

Adieu Reichweitenangst

Mit der serienmässigen Hinterachslenkung fühlt sich der Mercedes-Benz EQS in den anschliessenden Serpentinen um mindestens eine Klasse kompakter an, was der Wendekreis von 10,9 Metern unterstreicht. Je nach Wahl ist das Modell mit einem Elektro-Motor an der Vorderachse oder mit zwei Elektro-Aggregaten an Vorder- und Hinterachse und so mit Allrad erhältlich. Bis zu 385 kW (alt 523 PS) und 855 Nm leistet die von uns gefahrene Topversion 580 4Matic – damit schraubt sich der Testwagen in 4,3 Sekunden auf Tempo 100, wobei das 2,5 Tonnen Flaggschiff deutlich auf Komfort und nicht auf Karacho getrimmt ist. Eine AMG-Version will man 2022 trotzdem nachreichen.

Der 580 4Matic soll es bis zu 676 km weit bringen, die 450+ Version mit Frontantrieb gar 780 Kilometer weit. Ungeachtet der Anzahl an Elektro-Motoren hält die Batterie stets gigantische 108 kWh netto bereit (später soll eine kleinere Batterie folgen). Womit wir bei einem Testverbrauch von rund 20 kWh über 500 Kilometer weit kommen. Von Reichweitenangst kann hinter dem Lenkrad des EQS keine Rede sein.

Auf den Hund gekommen?

Ein beträchtlicher Anteil der EQS-Besitzer wird das Volant ohnehin nie in die Hände nehmen. Ihnen garantiert der lange Radstand von 3,21 Meter Platzverhältnisse im Fond wie in der Langversion der S-Klasse. Auf deren optionalen Einzelsitze muss man hingegen verzichten. Dafür lässt sich die Rückbank im EQS umklappen. Angesichts des Fassungsvermögens von 1770 Litern im Kofferraum hat selbst mancher Kombi das Nachsehen, und erstmals kann in einem S-Modell von Mercedes-Benz eine grosse Hundebox montiert werden.

Auf den Hund kommen wir nach mehreren Stunden Fahrt bei der Ankunft im The Chedi nicht – mehr Komfort, Laufruhe und weniger Vibrationen bietet schlicht kein anderes Elektro-Fahrzeug. Zu einem Abstecher in den 2400 Quadratmeter grossen Spa- und Wellnessbereich hätten wir natürlich nicht Nein gesagt.

Der Preis bleibt heiss

Stattdessen steht ein Interview mit Marc Langenbrink, dem CEO von Mercedes Benz Schweiz, an. Bei einem alkoholfreien Bier kommt der gebürtige Schwabe in Fahrt. Die Politik habe die Automobilindustrie jahrelang gedengelt, emissionsfreie Fahrzeuge herzustellen. Diese seien nun bereit, während der Aufbau öffentlicher Ladestationen noch in den Kinderschuhen stecke. «Was nützt es, wenn der Mercedes-Benz EQS mit 200 kW geladen werden kann, die öffentliche Säulen aber oft weniger hergeben oder dauernd besetzt sind?» Ähnlich gehts unserer Badehose im Gepäck. Denn gleich im Anschluss folgt die Fahrzeugpräsentation, danach das Dinner. Bis zu dessen Ende nach 22 Uhr gelingt es uns nicht, den Verantwortlichen den Einstiegspreis zu entlocken. Es dürften rund 125’000 Franken sein – für künftige Mercedes-Benz EQS Besitzer nur eine Zahl. Denn Zeit ist der wahre Luxus.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

11 Kommentare