Aktualisiert 04.08.2008 15:45

PR-Aktion

Auf Olympia-Homepage bluten Mönche

Kurz vor Beginn der Olympischen Spiele hacken Polit-Aktivisten die offizielle Seite der Olympischen Spiele und schalten ein Video auf, das China als Unterdrückerstaat brandmarkt. Man könnte zu Recht von einem medialen Supergau sprechen – wäre das Ganze nicht ein grosser «Fake».

Wer die vermeintlich offizielle Olympia-Homepage «www.peking2008.com» öffnet, traut seinen Augen nicht. Ausgerechnet China, wo das Internet unter strenger Kontrolle steht, soll ein «Defacement» erlitten haben? So nennen es Hacker, wenn sie eine Website kapern und dort ihre eigene Botschaft platzieren. Anders wäre das Intro, das sich beim ersten Klick öffnet, nicht zu erklären. Denn statt Informationen über die Spiele gibts linke Propaganda. Konkret prangern die Hacker in einem Film das Land als Staat der Unterdrückung an und zeigen zu martialischer Musik blutende Mönche, Tibeter oder Menschen in Handschellen.

Doch die vermeintlich gehackte Seite sieht nur aus wie die offizielle Homepage der Olympischen Spiele. In Tat und Wahrheit ist sie aber ein Werk von «A Fake is a fake», einem Projekt der beiden italienischen Medienkünstler Clemente Pestelli and Gionatan Quintini. Ihr Aktion nennen sie «Counter-Olympic Games».

Die beiden Künstler verfolgen mit ihrer geschickt eingefädelten PR-Aktion keine kommerziellen Interessen – jedenfalls nicht direkt. Denn klickt man auf einen Link, gelangt man auf die eigentliche Homepage von «Counter-Olympic Games». Dort kann man laut «.ch»-Online eine digitale Werbefläche kaufen und so quasi Sponsor der Menschenrechte in China werden. Ein Block à 10 mal 10 Pixel kostet 10 Dollar. Mit im Boot von «Counter-Olympic Games» seien auch Organisationen wie «Free Tibet» und «Human Rights in China».

Eine Reaktion des Olympischen Komitees gab es bisher nicht. «Das Komitee nimmt die Aktion wohl sportlich», lässt sich einer der verantwortlichen Künstler, Gionatan Quintini, auf «.ch»-Online zitieren. Es ist den beiden mutigen Künstlern zu wünschen, dass sie mit ihrer Einschätzung richtig liegen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.