Auf Pirschfahrt mit dem Plug-in-Hybrid Land Rover Defender 110 P400e
Als Plug-in-Hybrid ist der Land Rover Defender 110 P400e auch im Gelände fast geräuschlos unterwegs. 

Als Plug-in-Hybrid ist der Land Rover Defender 110 P400e auch im Gelände fast geräuschlos unterwegs. 

Rafael Künzle
Publiziert

Land Rover Defender 110 P400eAuf Pirschfahrt mit dem Plug-in-Hybrid Defender

Der neue Land Rover Defender rollt fast lautlos durchs Unterholz. Doch hat der P400e wirklich das Zeug zur Gelände-Legende? Falkner, Fischer und Jäger Marc Schnetzer hat es für uns rausgefunden. 

von
Rafael Künzle / A&W Verlag

Mit dem Land Rover Defender ins Gelände. Einst selbstverständlich, sorgt unser Vorschlag nun für Besorgnis bei den Redaktionskollegen: zu teuer, zu schön, zu schade. Marc Schnetzer, passionierter Falkner, Fischer und Jäger, hats für uns trotzdem ausprobiert.

Zum Glück gibts eine Leiter

Sein Habicht Habitac beäugt den neuen Defender bei der Ankunft skeptisch: Mit dem urchigen Charme von einst hat unser schwarzer Testwagen nur wenig gemein. Geblieben sind neben der kantigen Optik einige Reminiszenzen wie die Bezeichnungen «90» und «110», welche früher die Radstände der Kurz- und Langversion in Zoll auswiesen. Neu misst man zwischen den Achsen rund 20 Zentimeter mehr. Entsprechend erstreckt sich unsere Langversion auf über fünf Meter mit einer Breite von über zwei Metern. Fürs Besteigen des 1,99 Meter hohen Wagens gibt es zum Glück eine Leiter.


Der James-Bond-Bösewicht-Look wird in der neuen Ausstattungslinie X-Dynamic zusätzlich unterstrichen. Zu den Highlights gehören schwarze Alufelgen, schwarze Aussenspiegelabdeckungen, schwarze Scheibeneinfassungen, schwarze Schweller und ein schwarzer Radkastenschutz.

Dank der Watttiefe von 90 Zentimetern verkommt unsere Flussdurchfahrt zum Fussbad.

Dank der Watttiefe von 90 Zentimetern verkommt unsere Flussdurchfahrt zum Fussbad.

Rafael Künzle
Der neue Defender meistert Böschungswinkel von bis zu 38 Grad (vorne) und 40 Grad (hinten).

Der neue Defender meistert Böschungswinkel von bis zu 38 Grad (vorne) und 40 Grad (hinten).

Rafael Künzle
Kein Vergleich zu früher – der Defender betritt in puncto Fahrkomfort neue Sphären.

Kein Vergleich zu früher – der Defender betritt in puncto Fahrkomfort neue Sphären.

Rafael Künzle

Einmal durchkärchern ist nicht mehr

Angesichts der «Santorini Black»-Lackierung sieht der Raubvogel endgültig schwarz. Während sich Habitac verabschiedet, hat Hündin Scully den «Newbie» ins Herz geschlossen. Nach einer Rolle durchs Blumenbeet und anschliessendem Rundgang im Innenraum wedelt sie hinter der seitlich öffnenden Heckklappe hervor. «Einmal durchkärchern ist nicht mehr», konstatiert unser Proband angesichts von Digitalcockpit oder 11,4-Zoll-Touchscreen. Zumindest der grossflächig verbaute Kunststoffanteil ist abwaschbar. Das freut uns. Wer an die Luxusmaterialien aus dem Range Rover gewöhnt ist, wird im Defender nur bedingt auf seine Kosten kommen.


Die Bedienung von Infotainment, Digitalcockpit, Head-up-Display, Luftfahrwerk oder der Vielzahl an Assistenzsystemen geht Schnetzer leicht von der Hand. Seine Frage, ob man das Hightech-Gefährt bei einer Panne in der Pampa mit Hammer und Sackmesser ebenso intuitiv wieder flott kriegt, bleibt unbeantwortet.

Die spinnen, die Briten

Wir peilen lediglich seine Waldhütte an. Läuft der Motor? Ja, rein elektrisch. Zumindest während der ersten 35 Kilometer. So weit trägt uns die 15,4-kWh-Batterie im E-Modus. «Für Safaris etwas wenig, um die Kids in der Stadt in die Schule zu fahren, wird es reichen», meint der Naturbursche schelmisch.

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Im Hybrid-Modus wechselt das Fahrzeug je nach Situation kaum spürbar zwischen den Motoren. So lässt sich eine Strecke von 100 Kilometern – mit anfänglich vollgeladener Batterie – mit rund sieben Litern bewältigen. Nicht schlecht angesichts der 2,6 Tonnen Leergewicht. Mitverantwortlich fürs Hüftgold ist das Motorenduo, bestehend aus einem 143 PS starken Elektromotor sowie dem 300-PS-Benziner. Ergibt gemäss Land Rover eine Systemleistung von 404 PS und 640 Nm. Beim Ampelstart (0 bis 100 km/h in 5,6 s) wird uns auf Höhe der Baumwipfel jedenfalls leicht schwindlig. Den Beschleunigungswert des V8 mit 525 PS verpasst der Defender P400e somit nur knapp. Der 2,0-Liter-Vierzylinder brüllt auch wie das Topmodell – aus dem Soundgenerator. «Die spinnen, die Briten», meint Schnetzer mit einem Schmunzeln.

Pass auf den Lack auf

Ernst nahm man im Vereinigten Königreich, respektive im Werk im slowakischen Nitra, die Achillessehnen des Vorgängers wie Technik, Komfort und Sicherheit. Einst wendig wie ein Schulbus, mit dem Geradeauslauf und Lenkgenauigkeit eines Betrunkenen, sowie dem Federkomfort einer Pferdekutsche, fühlt sich der neue Defender mit Luftfederung, 8-Gang-Automatik, elektrischer Servolenkung oder Sitzbelüftung wie eine Sänfte an. Selbstverständlich sind neben zahlreichen Assistenzsystemen auch Airbags vorschriftsgemäss an Bord. Die Luftkissen fehlten im alten Landy, was einer der Gründe für dessen Aus 2016 war.


Ganz der Alte ist der Neue im Gelände. Ohne Starrachse oder Leiterrahmen, dafür mit einer hochbelastbaren und selbsttragenden Alu-Karosserie. Hinzu kommen zwei Differenzialsperren (hinten optional) und ein zweistufiges Verteilergetriebe mit Untersetzung für solche, die richtig steil gehen wollen. Waren dafür einst Fahrkünste gefragt, übernimmt nun die Technik. Mit dem Terrain Response System und einer Armada von Kameras, die selbst die Motorhaube durchsichtig werden lässt, verkommt unsere Offroadfahrt zum Spaziergang. Sorgen bereiten einzig einige Äste, die den Lack unseres 108'800 Franken teuren Westwagens touchieren.

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