Strassenverkehr: Auf Schweizer Strassen sterben mehr Fussgänger
Aktualisiert

StrassenverkehrAuf Schweizer Strassen sterben mehr Fussgänger

In der Schweiz gab es 2010 wieder weniger Verkehrstote durch Auto-, Töff- und Velounfälle. Die Zahl der getöteten Fussgänger stieg aber deutlich an.

1971 starben noch 1773 Menschen bei Verkehrsunfällen, im Jahr 2000 waren es nur noch 592 und 2010 noch 328.

1971 starben noch 1773 Menschen bei Verkehrsunfällen, im Jahr 2000 waren es nur noch 592 und 2010 noch 328.

2010 starben auf Schweizer Strassen 328 Menschen, 21 weniger als im Vorjahr. Während Auto-, Töff- und Velounfälle weniger Opfer forderten, stieg die Zahl der getöteten Fussgänger.

Dies ergab die jährliche Erhebung der bfu Beratungsstelle für Unfallverhütung bei den kantonalen Polizeistellen. Die Zahl der Verkehrstoten ist seit vier Jahrzehnten rückläufig - 1971 starben 1773 Menschen bei Verkehrsunfällen, 2000 waren es noch 592. Auch die Zahlen der Schwerverletzten gehen zurück: 1972 waren es 18 900, 2010 4508.

Besserer Schutz im Auto

Den längerfristigen Rückgang der Opferzahlen bei Autoinsassen führt die bfu auf einen besseren Schutz durch technologische Fortschritte (insbesondere Fahrer-Assistenz-Systeme), auf verbesserte Infrastrukturen sowie auf koordinierte präventive und repressive Massnahmen der Verkehrspolizei zurück.

Unfälle wegen übersetzter Geschwindigkeit forderten 2010 weniger Tote und Schwerverletzte als im Vorjahr, bei Unfällen unter Alkoholeinfluss waren die Veränderungen minim. Eine weitere Senkung der Opferzahlen sei durch das Sicherheitsprogramm Via sicura möglich, ist die bfu überzeugt.

Bei Motorradfahrern ging die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten weiter zurück, bei den Radfahrern schwankt sie: Nach einer Zunahme 2009 waren dieses Jahr weniger Tote zu verzeichnen.

Viele Fussgängerunfälle ausserhalb der Zebrastreifen

Dagegen ist die Zahl der bei Unfällen getöteten Fussgänger 2009 auf 2010 um rund einen Viertel gestiegen - von 60 auf 76. Dieser Anstieg sei vollumfänglich auf Unfälle ausserhalb des Fussgängerstreifens zurückzuführen. Die Zahl der Todesopfer auf Fussgängerstreifen blieb jedoch stabil.

Die meisten Fussgängerunfälle ereignen sich beim Überqueren der Strasse, im Innerortsbereich und zu Hauptverkehrszeiten. Durch eine konsequente Senkung der Geschwindigkeiten liessen sich zahlreiche Unfälle vermeiden oder in ihrer Schwere reduzieren, betont die bfu. Sie tritt für Tempo 50 innerorts auf Haupt- und wichtigen Nebenstrassen sowie für Tempo 30 in Siedlungen ein.

(sda)

Reaktionen

Der Verkehrs-Club und der Touring-Club der Schweiz (VCS und TCS) wie auch die Stiftung RoadCross sind erfreut über den Rückgang der Strassenverkehrsopfer-Zahlen. Sie zeigen sich aber gleichzeitig besorgt über den Anstieg der getöteten Fussgänger.

Nach Meinung von RoadCross hat sich die Verständigung zwischen Fahrzeuglenkern und Fussgängern verschlechtert, was zu mehr Unfällen führe. Die Organisation appelliert an Fussgänger, beim Überqueren der Strasse zum Selbstschutz Augenkontakt mit Fahrzeuglenkern herzustellen und im Zweifelsfalle stehen zu bleiben. Autofahrer seien zu korrektem und angepasstem Fahren angehalten.

Für den VCS stehen konsequenten Temporeduktionen im Vordergrund - Stichwort Tempo 30 innerorts. Nötig seien auch bauliche Massnahmen wie gesicherte Linksabbiegespuren für Velos, Velowege oder Verkehrsberuhigungsmassnahmen auf Hauptstrassen, ferner konsequente Polizeikontrollen und Präventionskampagnen, schreibt der Verkehrs- Club.

Der TCS ortet Probleme bei Fussgängerstreifen. Die Sicherheit der Fussgänger sei dort nicht immer gewährleistet, schreibt er unter Berufung auf Studien der Jahre 2009 und 2010. Vor allem in Lugano und in Genf seien Mängel festgestellt worden. Der TCS werde sich weiterhin aktiv für die Verbesserung der Verkehrssicherheit auf den Fussgängerstreifen einsetzen und weitere Tests durchführen.

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