Aktualisiert 03.04.2020 11:06

New York

Auf Spitalschiff sind nur 20 Patienten – «ein Witz»

Die Spitäler von New York sind überbelegt, es gibt keinen Platz für weitere Covid-19-Patienten. Ein extra herbeibestelltes Spitalschiff bringt nicht die ersehnte Entlastung.

von
hua

Eigentlich sollte das Spitalschiff USNS Comfort der US-Marine die New Yorker Kliniken entlasten. Das 272 Meter lange Schiff verfügt über 1000 Betten und 12 Operationssäle und steht seit Montag vor der US-amerikanischen Metropole. Wie 20 Minuten bereits berichtete, werden auf der USNS Comfort keine Coronavirus-Patienten behandelt. Das Schiff dient zur Entlastung der Spitäler und übernimmt alle anderen Kranken. Doch das ist genau die Crux.

Denn die Kliniken werden von Covid-19-Patienten überrannt, die Spitäler melden beinahe keine anderen Patienten, da die Bevölkerung grösstenteils zu Hause bleibt. «Wenn ich ehrlich sein darf, ist es ein Witz», sagt Michael Dowling, Leiter von Northwell Health, des grössten Spitalsystems New Yorks. «Wir befinden uns in einer Krise, das ist ein Schlachtfeld», so Dowling weiter. Denn während in den Spitälern die Menschen in den Wartehallen sterben, weil es keinen Platz zur Behandlung gibt, befinden sich auf der Comfort gerade mal 20 Patienten.

Über 2800 Corona-Patienten und weitere folgen

Einen Patienten auf die Comfort zu dislozieren, kommt einem Spiessrutenlauf gleich. Es gelten extreme Regeln, die eingehalten werden müssen, bevor ein Patient aufs Spitalschiff verlegt wird, wie nytimes.com berichtet. Derweil musste Dowling in seinen Spitälern umdisponieren, jeder nicht gebrauchte Ort wurde zur Krankenstation umfunktioniert. Über 2800 Corona-Patienten sammeln sich aktuell und die Kliniken werden weiter überrannt. Denn New York meldete am Donnerstag gegen 50'000 Infizierte – die Dunkelziffer nicht mit eingerechnet.

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Im Kampf gegen das Coronavirus hat ein Spitalschiff der US-Marine am Montag New York erreicht. Die 272 Meter lange USNS Comfort verfügt über 1000 Betten und 12 Operationssäle und soll New Yorker Kliniken entlasten.

Im Kampf gegen das Coronavirus hat ein Spitalschiff der US-Marine am Montag New York erreicht. Die 272 Meter lange USNS Comfort verfügt über 1000 Betten und 12 Operationssäle und soll New Yorker Kliniken entlasten.

AP/Seth Wenig
So sieht es im Innern des Spitalschiffs aus.

So sieht es im Innern des Spitalschiffs aus.

wikipedia/US Navy an
Das Spitalschiff war schon mehrmals in Krisensituationen im Einsatz, hier etwa im Jahr 2003 im Persischen Golf.

Das Spitalschiff war schon mehrmals in Krisensituationen im Einsatz, hier etwa im Jahr 2003 im Persischen Golf.

wikipedia/US Navy an

Ärzte und Pflegepersonal sind schlecht ausgerüstet und massiv überfordert. Man geht davon aus, dass die meisten bereits selber mit dem Virus infiziert sind, weil sie immer und immer wieder dieselbe Ausrüstung benutzen müssen. Trotzdem weigert sich die Comfort, Covid-19-Patienten zu übernehmen.

«Es ist ziemlich lächerlich. Wenn sie uns nicht helfen mit den Menschen, für die wir Hilfe benötigen, was ist dann die Absicht?», fragt sich Dowling. Auf die Kritik des Arztes angesprochen, verwies das Verteidigungsministerium auf das tägliche Statement des US-Präsidenten Donald Trump. Dieser sagte dort einzig, dass das Schiff keine Corona-Patienten akzeptiere. «Sollte sich unsere Mission ändern, tun wir, was wir können, um diese zu erfüllen», sagte Captain Patrick Amersbach, Leiter des Medizinpersonals auf der Comfort.

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