Aktualisiert 07.08.2011 19:20

Entwicklungsarbeit

Auf Suche nach der richtigen Mischung

Zu einer grossen Mannschaft fehlt GC noch ein ganzes Stück. Aber Trainer Ciriaco Sforza scheint mit der Entwicklung der Gruppe vorangekommen zu sein.

von
Eva Tedesco
Trainer und Vater-Figur: Ciriaco Sforza braucht für seine Jungstars (hier mit dem 17-jährigen  Endogan Adili) viel Energie und Einfühlungsvermögen. (Keystone/AP)

Trainer und Vater-Figur: Ciriaco Sforza braucht für seine Jungstars (hier mit dem 17-jährigen Endogan Adili) viel Energie und Einfühlungsvermögen. (Keystone/AP)

Seit der Saison 2006 hat GC keinen besseren Start in eine Saison erwischt. Trainer Ciriaco Sforza hat mit vier Punkten nur einen Zähler weniger geschafft, als damals Krassimir Balakov. Ausser gegen Thun (0:3), wo GC jeden Fortschritt vermissen liess, waren die Auftritte in den Spielen gegen Lausanne (2:0) und Basel (2:2) gut bis zeitweise sogar sehr gut. Vor allem im letzten Spiel gegen Basel deutete die Mannschaft an, zu was sie fähig wäre und glänzte in der zweiten Halbzeit mit einem geradlinigen und effizienten Spiel.

«Ich habe immer gesagt», so Trainer Sforza, «dass diese Mannschaft Potenzial hat. Aber noch fehlt uns die richtige Mischung zwischen Verspieltheit, Geradlinigkeit und Effizienz.» Bis zum gegnerischen Strafraum sei das Spiel stets in Ordnung, doch dann verpuffen zu viele Spielsituationen im Nichts, weil die Mannschaft zu verspielt sei. Doch Sforza spürt, dass seine Spieler langsam begreifen, wann sie zu spielen anfangen müssen. «Wir sind noch nicht ganz so weit, aber ich registriere einen Fortschritt gegenüber der letzten Saison.»

Emeghara überlegt weniger

Das habe auch viel mit Erfolg zu tun, führt Sforza seine Ausführungen im GC-Campus weiter aus. «Da studiert man nicht mehr so viel und verlässt sich mehr auf den Instinkt». Als Beispiel nennt der Wohlemer Innocent Emeghara. «Er hat eingesehen, dass er besser ist, wenn er effizienter spielt», sagt Sforza. «Inno überlegt heute nicht mehr so viel und hat in dem Moment begonnen zu treffen. Aber diese Zeit und Entwicklung muss man einem jungen Spieler geben.» Als Auslöser hierfür nennt Sforza wichtige Treffer wie gegen den FCB, den Kurzeinsatz in England mit der A-Nati und die U21-EM, die ihm sehr gut getan hat.

«Nachher musste ich ihn zwar wieder auf den Boden zurückholen, aber das ist meine Arbeit und heute kann ich das besser balancieren.» Bis der 22-jährige Stürmer so weit kam, musste Sforza aber einen täglichen Kampf mit Emeghara ausfechten, der viel Energie gekostet hat und immer noch kostet. Energie, die der Trainer gerne aufbringt, wenn er Fortschritte sieht. «Wenn ein Spieler aber den Ernst der Lage auch nach einem Jahr noch nicht gesehen hat, werde ich ungemütlich.» Sforza, der in Deutschland und in Italien aktiv war, weiss - in Italien wäre Inno nach zehn Partien ohne Tor, wie in der abgelaufenen Saison, verschossen gewesen. Auch darauf gilt es die jungen Spieler aufmerksam zu machen und vorzubereiten.

Sforza war selber kein pflegeleichter Spieler

Die Arbeit mit den Jungen ist anspruchsvoll und verlangt dem Trainer viel Geschick ab. Hilfreich ist Sforzas Erfahrung als Vater von zwei pubertierenden Teenagern. Und auch die Tatsache selber Profi gewesen zu sein – und kein pflegeleichter, wie er mit einem Lächeln zugibt. «So kann ich mich besser in die Situation der Spieler versetzen. Das ist ein grosser Vorteil.» Aber auch er habe in den drei Jahren bei GC dazugelernt. «Jeder Spieler ist anders, deshalb musst du immer eine andere Schublade ziehen, um eine Lösung zu erreichen. Und ich bin auch offener geworden und nehme Dinge anders an, als früher.»

Bei GC scheint nicht nur die Gruppe in der Entwicklung vorangekommen zu sein, sondern auch Sforza, der mit 41 Jahren erst am Beginn seiner Trainerkarriere steht.

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