VW ID. Buzz: Auf Testfahrt mit dem elektrischen Bulli-Remake

Süsse Stupsnase, kurze Überhänge, Zweifarblackierung, grosses Logo: Der ID. Buzz ist der elektrische Nachfolger des Bullis.

Süsse Stupsnase, kurze Überhänge, Zweifarblackierung, grosses Logo: Der ID. Buzz ist der elektrische Nachfolger des Bullis.

Volkswagen
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VW ID. BuzzAuf Testfahrt mit dem elektrischen Bulli-Remake

Mit dem ID. Buzz legt VW Ende Jahr den elektrischen Nachfolger des Bullis auf. Wir durften bereits eine Runde durch Kopenhagen drehen.

von
Rafael Künzle / A&W Verlag

Der erste Eindruck: knuffig! Pate stand natürlich der Bulli. Süsse Stupsnase, kurze Überhänge, Zweifarblackierung, grosses Logo und Heckantrieb sind nur einige der Reminiszenzen an den Ahn.


Zweiter Eindruck: kleiner als gedacht. Tatsächlich ist der ID. Buzz mit 4,71 Metern deutlich kürzer als die Multivans T6 und T7. Entsprechend gibts nur Platz für fünf Personen und 1121 Liter Gepäck. Die Rückbank lässt sich verschieben und umklappen (max. Kofferraumvolumen 2205 Liter), aber nicht ausbauen. Kommunen dürfen die Kollekte trotzdem zirkulieren lassen: Nächstes Jahr folgt eine Langversion für Sieben sowie Allrad.

Friede, Freude, Eierkuchen?

Bei Hipstern und Hippies ohne Kinderschar sollen Recycling-Materialien, der Verzicht auf tierische Materialien und die bilanziell CO2-neutrale Herstellung bereits jetzt für Friede, Freude, Eierkuchen sorgen. Letzterer kann im ID. Buzz zubereitet werden. Camping-«Add-ons» wie Matratze oder ausziehbare Küche sind fix, eine California-Version steht in den Sternen. Sterngucker im Fond werden ein Glasdach vermissen. Vorne sind das Raumgefühl und die Übersicht dank der XXL-Scheiben und Mini-A-Säulen bombastisch.


Details wie Elemente in Wagenfarbe oder Smileys auf der Türinnenseite sorgen für nette Überraschungen. Die Hardware in Form des Digital Cockpits mit 5,3 Zoll Diagonale und dem 10-Zoll-Infotainmentsystem ist hingegen aus der ID.-Familie bekannt. Der E-Bulli ist up to date, keine Frage. Vom Retro-Charme ist innen daher wenig übrig geblieben.

Zwischenstopp beim «The Krane», dem wohl aussergewöhnlichsten Hotel Kopenhagens.

Zwischenstopp beim «The Krane», dem wohl aussergewöhnlichsten Hotel Kopenhagens.

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Gar nicht so einfach, ein Foto vom ID. Buzz mitten in Kopenhagen zu machen.

Gar nicht so einfach, ein Foto vom ID. Buzz mitten in Kopenhagen zu machen.

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Analog zum Bulli besitzt auch der ID. Buzz Heckantrieb. Allrad folgt 2023.

Analog zum Bulli besitzt auch der ID. Buzz Heckantrieb. Allrad folgt 2023.

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Der Buzz lernt – der Materialwart nicht

Deshalb gönnen wir uns eine Aufwärmrunde im Ur-Bulli, wo uns neben den eigenen Fahrkünsten höchstens ein Schutzengel beisteht. Im ID Buzz informiert «Car2X» selbst über unsichtbare Gefahren wie den Staubeginn hinter einer Kurve. Auch beim Ausweichen, Abbiegen, Notbremsen, Spurhalten oder Parkieren gibts Unterstützung. Cool: Bis zu fünf Parkplätze können neu gespeichert werden. Sobald sich der ID. Buzz in der Nähe befindet, wird man autonom in die Lücke kutschiert.


Dank Schwarmdaten und «over the air Updates» lernt der E-Bulli laufend hinzu. Nichts gelernt hat der VW-Materialwart. Wie bei den beiden anderen ID.-Mitgliedern ist auch im ID. Buzz der Hartplastikanteil (zu) hoch. Meist wirken die Kunststoffteile nur auf den ersten Blick weich und geschäumt. In der ebenfalls erhältlichen Cargo-Version mag dies als «pflegeleicht» durchgehen. Für die PW-Version «ID. Buzz Pro» hätten wir uns mehr Liebe erhofft.

Massenmagnet mit XXL-Akku

Herzlich waren die Sympathiebekundungen der Passanten bei unserer Fahrt durch Kopenhagen. Wo wir in Dänemarks Hauptstadt auch haltmachten, der VW ID. Buzz kommt an. Dafür sorgt neben der Optik ein Lithium-Ionen-Akku mit 77 kWh (82 kWh brutto). Dieser treibt die 204 PS und 310 Nm starke E-Maschine an. Der grösste Akku in der VW-Historie besitzt mit bis zu 170 kW auch die grösste Ladeleistung. An einer DC-Schnellladesäule ist die Batterie von fünf bis 80 Prozent bei maximaler Ladeleistung nach 30 Minuten wieder aufgeladen. Das besagen die technischen Daten wie auch die Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h oder die Reichweite von bis zu 423 Kilometern (WLTP).


Und in der Praxis? Dort dürfte es für 300 bis 350 Kilometer reichen. Was am Steuer auffällt: Der ID. Buzz fährt sich trotz seiner Grösse und 2,3 Tonnen Leergewicht leichtfüssig und wendig. Der Turnaround sucht mit 11,1 Metern in der Grossraumlimousinen-Gilde seinesgleichen. Vergeblich gesucht haben wir Paddels fürs Einstellen der Rekuperationsstufen. Beim Umschalten der Fahrstufe von «D» auf «B» wird der ID. Buzz durch das Loslassen des Schubpedals lediglich dezent abgebremst.

Riesen-Run auf den VW ID. Buzz

Gas geben sollten Interessierte. Trotz des Basispreises von 67’860 Franken (Cargo ab 59’634 Franken) geht der ID. Buzz weg wie warme Weggli: Rund 1000 Bestellungen sind bereits bei Volkswagen Schweiz eingetroffen. Die ersten Modelle werden Ende 2022 ausgeliefert. Wer heute einen VW ID. Buzz bestellt, muss sich bis Sommer 2023 gedulden.  

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