Mercedes-AMG One: Auf Tuchfühlung mit dem Formel-1-Auto für die Strasse
Redaktorin Isabelle Riederer durfte im neuen Mercedes-AMG One Probe sitzen.

Redaktorin Isabelle Riederer durfte im neuen Mercedes-AMG One Probe sitzen.

Mercedes-Benz
Publiziert

Mercedes-AMG OneAuf Tuchfühlung mit dem Formel-1-Auto für die Strasse

Der Mercedes-AMG One ist viel mehr Formel-1-Auto für die Strasse als Hypercar. Fahren durften wir das extrem teure und superschnelle Auto zwar nicht, Probe sitzen war aber erlaubt.

von
Isabelle Riederer / A&W Verlag

Es gibt Autos und es gibt Autos. Der Mercedes-AMG One gehört ganz klar zu den letzteren. 2017 präsentierten die Entwickler aus Affalterbach auf der IAA in Frankfurt den Mercedes-AMG Project One. Im Heck des Carbon-Renners steckte der Motor aus dem Silberpfeil der Saison 2015 – inklusive Rekuperation und Hybridisierung. Die Entwickler versprachen einen Top-Speed von mehr als 350 km/h, für den Hundertersprint eine Zeit von unter 2,5 Sekunden. Wenn da einem die Knie nicht weich wurden, dann spätestens beim Anblick.

Redaktorin Isabelle Riederer durfte das drei Millionen Euro teure Geschoss unter die Lupe nehmen …

Redaktorin Isabelle Riederer durfte das drei Millionen Euro teure Geschoss unter die Lupe nehmen …

Mercedes-Benz
… und Probe sitzen.

… und Probe sitzen.

Mercedes-Benz

Fünf Jahre später steht das Geschoss nun endlich da. Das Projekt ist abgeschlossen und heisst nur noch AMG One. Ein einzigartiges Hypercar mit Formel-1-Technik, das tatsächlich eine Strassenzulassung hat. Der 1,6-Liter-V6-Hybrid-Benzinmotor mit elektrisch unterstützter Single-Turboaufladung und vier zusätzlichen Elektromotoren an jedem Rad entspricht in seiner Technologie dem aktuellen Formel-1-Triebwerk und kommt auf eine Systemleistung von 1063 PS. Der Startpreis liegt bei drei Millionen Euro, alle 275 Exemplare sind bereits verkauft. Zu den Käufern gehören neben dem sechsfachen F1-Weltmeister Lewis Hamilton, der bei der Abstimmung des Hypercars tatkräftige Unterstützung lieferte, zum Beispiel auch sein ehemaliger Teamkollege Valtteri Bottas und die Ex-Grand-Prix-Piloten Nico Rosberg und David Coulthard.

Lange hat es gedauert, jetzt ist es endlich so weit: Der Mercedes-AMG One soll noch in diesem Jahr an die zukünftigen Besitzer ausgeliefert werden.

Lange hat es gedauert, jetzt ist es endlich so weit: Der Mercedes-AMG One soll noch in diesem Jahr an die zukünftigen Besitzer ausgeliefert werden.

Mercedes-Benz
Der Mercedes-AMG One ist das erste Hypercar aus Affalterbach mit Formel-1-Technik unter der Carbon-Karosserie.

Der Mercedes-AMG One ist das erste Hypercar aus Affalterbach mit Formel-1-Technik unter der Carbon-Karosserie.

Mercedes-Benz
Die Superflunder kommt dank ihrem Formel-1-Antrieb auf sage und schreibe 1063 PS.

Die Superflunder kommt dank ihrem Formel-1-Antrieb auf sage und schreibe 1063 PS.

Mercedes-Benz

Radikal reduziert

Und da darf ich jetzt rein! Komplett abgeschottet und gut bewacht wartet der Supersportler in einem separaten Raum darauf, 20 Minuten von mir in Beschlag genommen zu werden. Kamera und Handy muss ich abgeben. Die Tür öffnet sich und da steht die Flunder. Die Carbon-Karosserie erinnert wahrhaftig an Formel-Sportwagen. Lufteinlässe grösser als Briefkastenschlitze, auf dem Dach dominiert der aus der Formel 1 abgeleitete Lufteinlass, über den der Motor bedarfsgerecht Frischluft ansaugt. Auffällig leicht lassen sich die Flügeltüren öffnen und geben den Blick in das Monocoque frei. Zwei Displays, ein paar Knöpfe, viel Carbon und – wer hätte das gedacht – es gibt sogar zwei USB-Anschlüsse. Der Rest ist radikal reduziert.

Der Einstieg braucht etwas Übung, ist man aber mal drin, schlägt das Herz bis zum Hals. Ehrfürchtig streichle ich das an die Formel 1 erinnernde Lenkrad, die Sitzschalen sind hart. Was, wenn ich jetzt einfach den Startknopf drücken würde? Die Experten gucken streng. Der Motor bleibt aus. Hören würde man sowieso nichts, der Mercedes-AMG One startet zunächst lautlos mit dem Einschalten der Elektromotoren an der Vorderachse. Parallel werden die Katalysatoren vorgeheizt. Der Verbrennungsmotor springt erst an, wenn die korrekte Kat-Temperatur erreicht ist.

Er soll auch in die Schweiz kommen

Statt den Motor heulen zu lassen, darf ich das Pushrod-Fahrwerk in Action sehen. In wenigen Sekunden bockt sich die Flunder auf. Es geht rauf und runter. Auch der Heckflügel ist zweiteilig ausfahrbar mit Flügelblatt plus integriertem verstellbarem Flap. Ob man damit auch den Wochenendeinkauf erledigen kann? Immerhin lassen sich die Fenster öffnen. Von den 275 Exemplaren sollen auch einige ab der zweiten Jahreshälfte in die Schweiz geliefert werden. Interessantes Detail: Künftige Besitzer des AMG One müssen ihre Geschosse regelmässig warten lassen, das ist Pflicht. Idealerweise einmal im Jahr oder spätestens bei 50'000 Kilometern. Das Problem: Den Service kann man nicht einfach mal schnell beim Garagisten seines Vertrauens machen, der Mercedes-AMG One wird nur in Brixworth in England gewartet, in der Formel-1-Schmiede von Mercedes-AMG. Für ein 3-Millionen-Auto liegt das aber wohl drin …

Hol dir den Auto-Push!

Deine Meinung

76 Kommentare