Aktualisiert 23.09.2019 13:59

Expedition

Auf Walsuche im vermüllten Mittelmeer

Touristen helfen im Osten von Sizilien bei der Wal- und Delfinforschung. 20 Minuten war mit an Bord.

von
G. Hummel
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An Bord eines Forschungsschiffes der Meeresschutzorganisation OceanCare bei Sizilien.

An Bord eines Forschungsschiffes der Meeresschutzorganisation OceanCare bei Sizilien.

20M
Eine Crew, bestehend aus einer Wissenschaftlerin von OceanCare, einem Skipper und sechs Freiwilligen ...

Eine Crew, bestehend aus einer Wissenschaftlerin von OceanCare, einem Skipper und sechs Freiwilligen ...

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... dokumentiert die räumliche und zeitliche Verbreitung von Walen und Delfinen und untersucht, wo Konflikte zwischen Mensch und Tier gelöst werden müssen, um die Meeressäuger besser schützen zu können.

... dokumentiert die räumliche und zeitliche Verbreitung von Walen und Delfinen und untersucht, wo Konflikte zwischen Mensch und Tier gelöst werden müssen, um die Meeressäuger besser schützen zu können.

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Ein quietschendes Gerausch ertont. Alle blicken in meine Richtung. Ich drucke die Kopfhorer auf meine Ohren und starre auf das Meer. Das Hydrofon ubertragt zweifellos Delfingerausche. Irgendwo mussen sie sein. Sie, das sind die Delfine des Mittelmeers. Wir, das ist eine Gruppe von Freiwilligen auf einem Segelboot vor Sizilien. Wir unterstutzen die Meeresschutzorganisation Ocean-Care bei der Zahlung von Meeressaugetieren im Ionischen Meer, damit sie effizienter geschutzt werden konnen. Die Daten, die aus den Forschungsreisen gewonnen werden, helfen der NGO unter anderem, Schutzgebiete zu erwirken.

Ich sehe da etwas! Dort hinten, auf 11 Uhr! Alle greifen nach ihren Feldstechern und suchen mit Blicken die ruhige See nach Ruckenflossen ab. Etwas hupft aus dem Wasser. Kurze Aufschreie. Beim Aufsprung hat es geglitzert in der Sonne, und irgendwie war es etwas zu klein fur einen Delfin. Falscher Alarm – es ist ein Thunfischschwarm.

Pottwale im Mittelmeer

Neben vielen Delfinen und unzahligen Plastikfragmenten, -sacken und anderem Abfall werden wir in unserer Einsatzwoche keinen Wal horen oder sehen. Im Mittelmeer leben neben kleineren Arten sowohl Finn- als auch Pottwale, die zweit- und drittgrossten

Lebewesen der Erde. Nur wenige Menschen sind sich dieser Tatsache bewusst.

Tatsache ist auch, dass das Mittelmeer das meistbefahrene Meer der Welt ist. Die zunehmende Larmbelastung durch Tourismus, Handel und Olindustrie macht den Tieren zu schaffen. Fischschwarme ziehen ab. Starke Druckwellen konnen innere Organe von Delfinen und Walen zerstoren – und so zu Massenstrandungen fuhren. Gleichzeitig landen jahrlich Tonnen von Plastik im Meer.

Styropor, soweit das Auge reicht

Es hat eine gewisse Ironie, dass wir am ersten Tag der Expedition einen Abfallcontainer im Wasser entdecken. Dank den hervorragenden Manovern des Skippers und einem Kraftakt mehrerer Leute fischen wir den Container her­aus. Wie zum Geier ist der im Mittelmeer gelandet? Wir wer­den in den Tagen darauf nicht einen Prozent des Mulls, den wir sehen, herausfischen konnen, sonst mussten wir stan­dig unseren Kurs verlassen.

Wir zahlen den Abfall an der Oberflache, damit durch die Arbeit von OceanCare an der Quelle etwas passiert. Einsam­meln ist leider nur Symptom­bekampfung. Nichtsdestotrotz bringen wir taglich grosse Mullteile zuruck an Land: einen Plastikstuhl, mehrere Styroporboxen (jene, in denen Fische kuhl gehalten werden), kilometerweit verteilt. Am vierten Tag fahren wir durch eine Ansammlung von Styro­porteilen, die wir unmoglich zahlen konnen. Wir notieren in den Unterlagen: Hunderte Styroporfragmente.

«Delfin!», ruft jemand vom Bug aus. Ein Gewusel beginnt. Jemand schreibt die Koordina­ten auf. Jemand anderes misst mit dem Feldstecher die Dis­tanz und ermittelt die Him­melsrichtung. Es sind mindes­tens zehn! Andere holen Ka­meras und schiessen so viele Fotos wie moglich, um spater die Art bestimmen zu konnen. Plotzlich ist allen Anwesenden klar: Wir beobachten gerade eine Schu­le von uber 50 Individuen. Es handelt sich um Streifendel­fine. Sie ziehen friedlich von rechts nach links vor dem Boot vorbei, wie auf einem Sonntagsausflug. Wir behalten Kurs und Geschwindigkeit bei, so will es die Forschung. Die Delfine sollen nicht gestort werden.

Was kann jeder Einzelne tun ...

... um zum Meeresschutz beizutragen? OceanCare-Gründerin und -Präsidentin Sigrid Lüber gibt einfache Tipps:

Gegen Überfischung: nicht mehr als eine Fischmahlzeit pro Monat.

Gegen Müll im Meer: Wenn in den Ferien die Müllentsorgung nicht richtig funktioniert, die Tube Sonnencreme und andere Verpackungen wieder mit nach Hause nehmen.

Gegen Lärm: lieber Segeltörn statt Motorboot, lieber Stand-up-Paddle statt Jetski.

Für die Meeressäuger: keine Delfinarien besuchen. Whale-Watching-Touren bewusst aussuchen. Die Tiere sollten nicht mit dem Boot verfolgt werden. Wer Ungutes beobachtet, darf sich gern bei OceanCare melden.

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