Auf Wildgänse lauert der Tod
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Auf Wildgänse lauert der Tod

Auf tausende nordische Wildgänse, die gegenwärtig bei ihrem Zug nach Süden bei uns Station machen, lauert der Tod.

Mit Novemberbeginn ist in Deutschland die Jagdsaison auf die gefiederten Gäste angeblasen worden. In den besonders reich mit Rast- und Schlafplätzen gesegneten Regionen Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs «hat sich im Laufe der Jahre ein regelrechter Schiesstourismus entwickelt», wie Alexander Heyd vom Komitee gegen den Vogelmord in Bonn berichtet.

«Die Tiere werden dabei professionell vermarktet», kritisiert Heyd die zunehmende Kommerzialisierung der Jagd. Er verweist auf Jagdzeitungen und das Internet, «wo überall Gänsejagd-Safaris ab 350 Euro aufwärts, inklusive aller Abschüsse und Trophäentransport, angeboten werden». Diese Art der Jagd ist auch für den Geschäftsführer des Seevogelschutzvereins Jordsand, Uwe Schneider, nicht nachvollziehbar, obgleich er selbst Jäger ist. Er wünscht sich mehr Sensibilität von seinen Weidgenossen, wenn es beispielsweise um Arten wie Saat- oder Zwerggänse geht, die in ihren Beständen schon bedrohlich abgenommen haben.

Nach Recherchen des Komitees sind im vergangenen Jagdjahr bundesweit deutlich mehr als 40.000 Wildgänse verschiedener Arten abgeschossen worden. Allein der letzte Jahres-Jagdbericht Mecklenburg-Vorpommerns weist den Abschuss von 5.360 Grau-, Bless-, Saat- und Kanadagänsen ohne Berücksichtigung der Dunkelziffer aus. Dabei kommt es immer wieder auch zu Konflikten in EU-Vogelschutzgebieten, weil Jäger trotz eindeutigen Verbots dort Wildgänsen nachstellen.

So hatte im Vorjahr eine 27-köpfige Jagdgesellschaft für Aufsehen gesorgt, als sie in einer Jagdverbotszone am Galenbecker See in Mecklenburg vor laufenden Fernsehkameras das Feuer auf Saat- und Blessgänse eröffnete. In einem anderen Fall wurde ein Jagdpächter in Nordbrandenburg angezeigt, weil er an den Linumer Teichen seinen pirschenden Gästen Wildgänse mittels Leuchtspurgeschossen vor die Flinten trieb und dabei tausende rastende Kraniche verscheuchte.

Ihre eigene Sicht haben indes die Bauern auf die Wildgänsejagd. Angesichts erheblicher Frassschäden auf ihren Ackersaaten sind sie eher für Jagdausweitung. Wildgänse, Schwäne und andere Tiere beschränken sich bei der Nahrungssuche nicht auf die Schutzgebiete, sondern schwärmen gezielt auf die gut bestellten Raps- und Getreidesaaten aus, wie Ralf Benecke vom Landesbauernverband Mecklenburg-Vorpommern erläutert. Schadensausgleich für die Bauern gebe es angesichts leerer Landeskassen kaum.

Verbot für giftiges Bleischrot

Mit finanziellem Ausgleich in grösserem Rahmen kann bei jagdbarem Wild, wie Gänse es sind, auch nicht gerechnet werden, wie das Schweriner Landwirtschaftsministerium klarstellt. Es stünden im Interesse der Schadensbegrenzung beziehungsweise -verhütung alle jagdlichen Möglichkeiten im Rahmen der geltenden rechtlichen Regelungen offen. So sieht es auch der Präsident des Landesjagdverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Volker Böhning, und er geht dabei davon aus, dass die Jäger in der Regel die jagdrechtlichen Bestimmungen einhalten. «Das betrifft auch das neue Verbot von Bleischrot bei der Wasservogeljagd», ist er sicher. Mecklenburg-Vorpommern hat diese Regelung im Vorgriff auf eine geplante bundesweite Regelung im November in Kraft gesetzt.

Die Umstellung auf Eisenschrot ist nötig, da die mehr als 1.000 Tonnen hochgiftige Bleischrot- und Bleimantelmunition, die Deutschlands Jäger jährlich verschiessen, schwerwiegende Folgen haben, wie das Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung ermittelte. Danach nehmen insbesondere Wasservögel Bleischrot mit der Nahrung vom Gewässerboden auf und werden so schleichend vergiftet.

(dapd)

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