Aufdringlicher Kellner: Auf Zahlen mit Karte folgte Facebook-Anfrage

Aktualisiert

Aufdringlicher KellnerAuf Zahlen mit Karte folgte Facebook-Anfrage

Von der benutzten Bankkarte entnahm ein Kellner den Namen einer Kundin und schickte ihr gleich eine Freundschaftsanfrage auf Facebook. Damit verstiess er gegen das Gesetz.

von
dos
Als eine Frau im Restaurant mit der Karte zahlte, merkte sich der Kellner offenbar ihren Namen und schickte ihr daraufhin eine Freundschaftsanfrage auf Facebook.

Als eine Frau im Restaurant mit der Karte zahlte, merkte sich der Kellner offenbar ihren Namen und schickte ihr daraufhin eine Freundschaftsanfrage auf Facebook.

Die 27-jährige Anja C.* zahlte mit der Bankkarte, als sie in einer Zürcher Pizzeria zu Mittag ass. Noch am gleichen Tag erhielt sie auf Facebook eine Freundschaftsanfrage vom Kellner, der sie bedient hatte. Ihren Namen hatte sie ihm jedoch nicht mitgeteilt. Offenbar hatte er sich den Namen gemerkt, der auf ihrer Karte stand. Anja C. ist empört: «Dieses Vorgehen ist eine totale Frechheit.»

Was die junge Frau erlebt hat, ist kein Einzelfall: Auch Adrian M. (30)* passierte dasselbe, nachdem er in einem Aargauer Restaurant gegessen und mit seiner Karte bezahlt hatte. Als er sich kurz darauf das Profilbild einer Unbekannten genauer ansah, die ihm eine Facebook-Freundschaftsanfrage geschickt hatte, stellte er fest, dass es sich um die Frau handelte, die ihn im Lokal bedient hatte. «Das finde ich ziemlich dreist – zumal ich dort in Begleitung einer Frau essen gegangen war.»

Hanspeter Thür, eidgenössischer Datenschutzbeauftragter, sagt: «Persönliche Daten von anderen zu benutzen, ohne um deren Erlaubnis zu fragen, ist klar widerrechtlich.» Die Person könne deshalb wegen unzulässiger Datenbearbeitung gemäss Artikel 28 des Zivilgesetzes und Artikel 15 des Datenschutzgesetzes verklagt werden. «Wenn man mit der Karte zahlt, muss man sicher nicht damit rechnen, dass man aufgespürt und im schlimmsten Fall belästigt wird», sagt Thür.

Fehlverhalten als Kündigungsgrund

Den geschädigten Personen empfehle er deshalb rechtlich vorzugehen. «Dadurch werden auch Nachahmer abgeschreckt.» Der Arbeitgeber hingegen solle bei seinen Mitarbeitern Klarheit schaffen, was die Datennutzung angeht. «Durch die sozialen Medien passiert es immer öfter, dass Leute sich der Grenzen nicht mehr bewusst sind, die durch den Datenschutz gesetzt werden.»

Dass Servicepersonal Kartendaten nutzt, um mit Gästen privat in Kontakt zu treten, ist beim Zürcher Wirteverband kein Thema: «Wir haben keine Kenntnis von Missbrauchsfällen dieser Art», sagt Ernst Bachmann, Präsident von Gastro Zürich. Deshalb sehe er auch keinen Handlungsbedarf, das Problem beim Personal anzusprechen. «Es ist selbstverständlich, dass man Kundendaten nicht missbraucht.» Würde es in seinem Betrieb einen solchen Vorfall geben, würde er den Mitarbeiter zur Rede stellen. «Wenn man ihm sein Fehlverhalten nachweisen kann, dann wäre dies ein Kündigungsgrund.»

Nicht nur in der Gastronomie gibt es Personen, die Social Media nutzen, um mit Kunden in privaten Kontakt zu treten. Anja C. hatte ein ähnliches Erlebnis vor einigen Monaten schon mit dem Mitarbeiter eines Telekom-Shops. «Ich ging wegen eines Problems mit meinem Handy hin, und offenbar merkte sich der Angestellte meine Nummer – kurz drauf schrieb er mir ein SMS, in dem er mich fragte, ob ich mit ihm etwas trinken gehen wolle.»

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