Aktualisiert 21.01.2012 07:08

Boomgeschäft

Auf zur Kreuzfahrt – jetzt erst recht!

Die Havarie der «Costa Concordia» hat Touristen nicht in Angst und Schrecken versetzt. Im Gegenteil: Einzelne Kreuzfahrt-Anbieter verzeichnen sogar ein Buchungsplus.

von
Elisabeth Rizzi
Schweizer Touristen lassen sich durch das Schiffsunglück vor der italienischen Küste nicht abschrecken. Sie buchen weiter Kreuzfahrten (im Bild die Pride of America).

Schweizer Touristen lassen sich durch das Schiffsunglück vor der italienischen Küste nicht abschrecken. Sie buchen weiter Kreuzfahrten (im Bild die Pride of America).

Bis zum vergangenen Freitag waren Kreuzfahrten das Boomgeschäft unter den Ferienreisen in der Schweiz. So konnte Marktführer MSC Schweiz laut dem Branchenmagazin «Travel Inside» letztes Jahr 35 Prozent mehr Passagiere transportieren und 30 Prozent mehr Umsatz verbuchen als 2010. Ähnliche Zahlen schätzt das Magazin für Costa (der Betreibergesellschaft der «Costa Concordia»). Gesamthaft beläuft sich der Markt der Schweizer Kreuzfahrerinnen und Kreuzfahrer derzeit auf 100 000 bis 120 000 Reisende pro Jahr.

Auch die vor der italienischen Küste gekenterte «Costa Concordia» dürfte nach Ansicht von Branchenkennern diese positive Entwicklung nicht stoppen. Bei e-hoi, dem Online-Marktführer für Kreuzfahrten beispielsweise, meint Geschäftsführer Detlev Schäferjohann: «Bisher konnten wir keine Stornierungswelle feststellen.» Zwar seien die Buchungen in den Tagen unmittelbar nach der Havarie zurückgegangen. Mittel- und langfristig erwarte er aber keinen Buchungseinbruch.

Von Angst keine Spur

Auch bei Tui Schweiz spricht CEO Martin Wittwer nur von einem «vielleicht vorübergehenden kurzen Dämpfer des Booms». Die Buchungen seien bei Tui Schweiz nach dem Unglück nicht eingebrochen. «Immerhin», so Wittwer, «sehen die Leute den Vorfall schon in Relation zur gesamten Lage: In den letzten zehn Jahren gab es nie einen Unfall in diesem Ausmass.» Tatsächlich seien zwischen 2005 und 2010 rund 100 Millionen Passagiere befördert worden. Dabei habe es bloss 16 tödlich Verunglückte gegeben.

Bei Hotelplan Suisse ist von Angst und Panik ebenfalls keine Spur: Im Gegenteil. «Von Samstag bis Donnerstag hatten wir bloss acht Annullierungen von Personen, die eine Kreuzfahrt gebucht hatten. Dagegen sind seit Montag rund 250 Neubuchungen täglich bei uns eingegangen – auch für Schiffe von Costa», sagt Prisca Huguenin, Sprecherin von Hotelplan Suisse. Mitgrund sei eine Rabattaktion, die schon vor dem Unglück angelaufen sei. Damit liege man über dem Vorjahresniveau.

Lösung für 2000 Passagiere

Auch beim Reiseveranstalter Kuoni, von dem 13 Kunden auf dem Unglücksschiff waren, liegt der derzeitige Buchungsstand über jenem von Januar 2011. «Es gab keine Annullierungen. Und zu Umbuchungen auf andere Ferienarten kam es ebenfalls nicht», sagt Sprecher Peter Brun. Von den 200 Kunden, die dieses Jahr bereits eine Reise auf der untergegangenen Costa Concordia gebucht haben, hätten bereits 90 Prozent auf eine andere Kreuzfahrt umgebucht und würden ihre Reise antreten. Gesamthaft musste Costa in der Schweiz für rund 2000 Concordia-Passagiere neue Lösungen finden.

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