Aktualisiert

Star StyleAufessen, Tali, aufessen!

Tali Lennox ist eigentlich zu dünn zum Modeln. Zucker und Charakter helfen.

Die Nase zu gross, das Gesicht zu ausdrucksstark: Tali Lennox, das Anti-Model.

Die Nase zu gross, das Gesicht zu ausdrucksstark: Tali Lennox, das Anti-Model.

Tali Lennox ist kein bisschen wie andere Mädchen. Ihre Mutter heisst Annie Lennox - und das bringt es ziemlich auf den Punkt. Wer sonst hat eine Musiklegende zur Mum, deren Stimme unverkennbar, deren blonden kurzen Haare Kult und deren Songs à la «Sweet Dreams Are Made of This ...» unsterblich sind? Die 18-jährige Londonerin Tali wurde in ein Umfeld hineingeboren, das ihr erlaubt, zu tun und zu lassen, was und wie sie möchte. Zum Beispiel: die Schule kurz vor der Matura abbrechen, um zu modeln. Ärger gab es deswegen zu Hause keinen. «Ganz im Gegenteil», sagt sie mit viel Attitüde, wie jemand, der es gewohnt ist, dass alles, was man von sich gibt, als interessant erachtet wird. «Es war sogar die Idee meiner Mutter. Meine Eltern sind sehr unkonventionell, sie haben keinen normalen Lifestyle.» Seit etwa einem Jahr arbeitet Tali professionell als Model und ist bereits bestens im Geschäft. Schnell wie eine Rakete hat sie sich von der Einsteigerin zum Topmodel hinaufgearbeitet. Sie war das Gesicht von Burberry Prorsum, Topshop, Acne und Julien Macdonald, lief auf den Shows von Roberto Cavalli, Dolce & Gabbana, Prada, Chanel und Missoni. Das ist, egal, welchen Nachnamen man trägt, harte Arbeit: wenige Stunden Schlaf, Castings, Fittings, Absagen, Zusagen, Flüge im Morgengrauen. Und nur ein bisschen VIP-Komfort. «Ich habe Glück, dass mir meine Agentur Next einen Fahrer zur Verfügung stellt. Andere Models, die neu im Business sind, müssen zu Fuss von Termin zu Termin rennen.» Eine klassische Schönheit ist sie nicht, die Nase ist eigentlich zu gross, das Gesicht zu ausdrucksstark und alles andere als eine gute Schminkschablone. Und ihre Figur sei in Mailand auch nicht angesagt, weiss Tali: «Da buchen sie statuenhafte Models, ich bin eher petite.» Mit einem Schuss Caramelsirup in jedem Kaffee und Kohlehydraten versucht sie, ein wenig zuzunehmen, um ihre jetzige Kleidergrösse 34 aufzuspecken.

Tali hat Glück, sie hat den richtigen Moment für ihre Modelkarriere erwischt. Die Neunzigerjahre waren die Zeit jener Supermodels, die zu Ikonen wurden (und noch heute sind): Claudia, Kate, Linda und Cindy. Nach einer kurzen Phase, in der osteuropäische Models mit beachtlich schmalem Knochenbau, aber auswechselbaren Gesichtern und zu vielen Konsonanten im Nachnamen dominierten, lässt sich Kleidung heutzutage mit einer anderen Art Mädchen verkaufen. Mädchen mit grossen Namen, einer Geschichte und Charakter. Etwa mit Rock'n'Roll-Erbinnen wie Daisy Lowe, Pixie Geldof, Tara Ferry, Georgia Jagger und eben Tali Lennox. «Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal modeln werde.» Aber wie ihre ältere Schwester Lola ermutigten Mutter Annie und Vater Uri Fruchtman, ein israelischer Filmproduzent, Tali, nur zu tun, worauf sie Lust hat. «Und das ist erst der Anfang», sagt sie. Genau: Eben kam raus, dass sie das Gesicht der Herbst/Winter-Kollektion von Mango ist.

Deine Meinung