Aktualisiert 14.11.2018 10:19

Forscher«Aufgegeben haben wir uns beim Klima nicht»

In einem neuen Bericht zeigen Forscher, wie der Klimawandel die Schweiz trifft. Ein Forscher sagt, wieso Kosten auf uns zukommen und wer Schutz benötigt.

von
ehs

Trockener, heisser, weniger Schnee: So verändert sich das Klima in der Schweiz. (Video: Tamedia)

Die Sommer werden heisser und trockener, im Winter liegt weniger Schnee – und das ganze Jahr über werden die Niederschläge intensiver. Das besagen die Klimaszenarien, die von der ETH, Meteo Schweiz und der Universität Bern erstellt wurden. Klimaforscher Christoph Raible erklärt, welche Entwicklungen sich noch umkehren lassen.

Herr Raible, werden keine Klimaschutzmassnahmen ergriffen, könnte die Durchschnittstemperatur im Jahr 2060 bis 4,5 Grad höher liegen. Kann man das noch verhindern?

Ein gewisses Mass an Klimaveränderung wird sich einstellen, auch wenn wir das Ziel einer Erwärmung von maximal 1,5 Grad oder 2 Grad Celsius erreichen. Auch diese Möglichkeit ist in unseren Szenarien abgebildet. Dafür müssen aber alle am selben Strick ziehen.

Die Schweiz allein reicht da nicht aus.

Das ist so. Klimaschutz ist eine globale Aufgabe.

In ihrem Bericht werden viele Experten zitiert, die erklären, wie sie sich auf den Klimawandel einstellen. Haben wir schon resigniert?

Aufgegeben haben wir uns noch nicht. Aber die Klimaschutzziele, etwa das Abkommen von Paris, sind sehr ambitioniert. Das sind keine einfachen Dinge. Wir als Wissenschaftler können eine gute Datenbasis liefern. Welchen Weg wir einschlagen, müssen die Politiker und die Stimmbürger entscheiden.

Kommen Ihre Szenarien zu spät?

Wir haben bereits 2007 Klimaszenarien für die Schweiz erstellt und diese 2011 quantitativ ergänzt. Wir haben die Daten nun besser aufgelöst. Ich glaube, wir finden mittlerweile mehr Gehör. Wir haben im Vorfeld dieser Studie aber auch eine Befragung bei Stakeholdern – etwa Politikern oder Unternehmen – gemacht, um herauszufinden, welche Daten überhaupt benötigt werden.

Was fangen diese nun mit den Daten an?

Wir können versuchen, einem ambitionierten Klimaschutzziel zu folgen. Aber im Sinn des Vorsorgeprinzips muss man natürlich auch Vorkehrungen für die anderen Szenarien treffen. Hier geht es etwa um den Schutz von Infrastruktur, Stadtplanung oder Veränderungen in der Landwirtschaft. Klar ist: Man kann jetzt nicht untätig sein in der Klimapolitik und glauben, dass das kein Geld kostet.

Christoph Raible

Der Professor an der Universität Bern ist Mitautor der Klimaszenarien, die die Klima-Entwicklung der Schweiz bis Ende Jahrhundert aufzeigen.

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