Revival: Aufgemotzte Töffli sind bei Buben wieder Kult

Aktualisiert

RevivalAufgemotzte Töffli sind bei Buben wieder Kult

Die Mofas feieren bei Jugendlichen ein Comeback. Besonders beliebt sind aufgemöbelte Occasionen.

von
B. Zanni
1 / 11
Buben fahren wieder auf Töfflis ab.

Buben fahren wieder auf Töfflis ab.

Keystone/Ennio Leanza
Der 16-jährige Raphael Omlin ist ein angefressener Töffli-Fahrer. «Das Motorengeräusch gefällt mir», sagt Omlin. Er besitzt fünf Stück: zwei Piaggio SI, zwei Puch Maxi S und ein Sachs 503.

Der 16-jährige Raphael Omlin ist ein angefressener Töffli-Fahrer. «Das Motorengeräusch gefällt mir», sagt Omlin. Er besitzt fünf Stück: zwei Piaggio SI, zwei Puch Maxi S und ein Sachs 503.

zvg
Der Piaggio SI von Raphael Omlin ...

Der Piaggio SI von Raphael Omlin ...

Leser-Reporter/Raphael

Das Töffli war nach seiner Blütezeit in den 70er- und 80er-Jahren noch vor wenigen Jahren out – man wartete den 16. Geburtstag ab, um mit einem Roller herumkurven zu können. Jetzt mausert es sich aber wieder zum begehrten Fortbewegungsmittel. «Das Töffli ist ein Aufstand der Jugendlichen gegen das ihrer Ansicht nach uncoole Elektro-Velo der Eltern», vermutet Roland Fuchs, Leiter der schweizerischen Fachstelle für Zweiradfragen.

Pro Jahr werden laut Fuchs schätzungsweise 10'000 Mofas verkauft – 4000 davon sind neue Modelle. Die Nachfrage habe in den letzten Jahren um rund 30 Prozent zugenommen, schätzt Fuchs. Der Mofa- und Rollerimporteur Grandjean Diffusion SA verkauft pro Jahr 1000 Neuproduktionen. «Die Nachfrage nach Mofas ist 2015 wieder leicht angestiegen», sagt Verkaufsleiter Christian Mäder. Auch Zweiradhändler Bruno Brugnoli aus Dübendorf spürt den Trend. «In der Woche repariere ich neuerdings zehn Töfflis.» Lange Zeit habe er den Mofa-Sektor mangels Aufträgen abgeschrieben.

Sogar Töffli-Events stehen hoch im Kurs. Der Getränkehersteller Red Bull veranstaltet seit 2009 jedes Jahr das Red Bull Alpenbrevet. 1000 Töffli-Fahrer tuckern über drei Schweizer Pässe. «Die Startplätze waren bei der letzten Veranstaltung innert weniger Minuten ausverkauft», heisst es bei Red Bull Schweiz.

Geschäfte sind überfordert

Laut Roland Fuchs stehen die Jugendlichen vor allem auf Occasionen. Doch die Geschäfte sind mit der Nachfrage überfordert. «Ich erhalte oft Anrufe von Kunden, die eine Occasion kaufen wollen, muss ihnen aber absagen», sagt Willi Hermann vom Zweiradhaus in Bremgarten AG. Auch andere Händler berichten, sich wegen der jahrelangen Flaute aus dem Occasionen-Geschäft verabschiedet zu haben.

Der 16-jährige Raphael Omlin ist ein angefressener Töffli-Fahrer. «Das Motorengeräusch gefällt mir», sagt Omlin. Er besitzt fünf Stück: zwei Piaggio SI, zwei Puch Maxi S und ein Sachs 503. «Ein Töffli habe ich im Alteisen gefunden, eines habe ich für jemanden repariert und behalten können und die restlichen hat mir der Schwager meines Grossvaters geschenkt.» Auch all seine Kollegen sind Töffli-Freaks.

Vier frisierte Töffli

Auf einen Roller würde Omlin niemals umsteigen. «Das Töffli ist zwar langsamer, aber ebenso praktisch.» Manchmal gibt er damit aber auch mehr Gas. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit beträgt 30 Kilometer pro Stunde. «Vier Töffli haben 40 km/h drauf. Ich fahre mit denen aber nur auf dem Platz vor meinem Haus herum.»

Das Herumbasteln ist bei den Töffli-Fahrern beliebt. «Viele Buben motzen ihr Mofa auf», sagt Fuchs. Sie würden Tank und Schutzbleche verchromen, die Töfflis mit Fähnchen dekorieren, zusätzliche Spiegel anbringen oder sie mit einem Harley-Davidson-Lenker ausstatten.

Bussen bis zu 2000 Franken

Der Polizei gehen oft aufgemotzte Mopeds ins Netz. «Die Jungen statten das Töffli mit einem Renn-Auspuff aus oder manipulieren den Schalldämpfer, damit der Motor lauter klingt», berichtet Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau.

Welche Konsequenzen drohen den Töffli-Buben? Laut der Jugendanwaltschaft Thurgau werden die frisierten Teile eingezogen und vernichtet. Den Jugendlichen drohen Bussen bis zu 2000 Franken, unter 15-Jährigen eine persönliche Arbeitsleistung. «Über die Strafen wird individuell entschieden», sagt die Jugendanwaltschaft Thurgau.

Deine Meinung