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Irina Welz hilft Kundinnen und Kunden beim Entrümpeln. Mit ihrem Buch sollen sich alle Schritt für Schritt durch die Wohnung arbeiten können.

Irina Welz hilft Kundinnen und Kunden beim Entrümpeln. Mit ihrem Buch sollen sich alle Schritt für Schritt durch die Wohnung arbeiten können.

Irina Welz
Publiziert

Aufräum-Queen Irina Welz«Aufräumen beginnt immer mit Chaos»

Irina Welz ist quasi die Luzerner Version von Marie Kondo und hat ein Buch übers Ausmisten geschrieben. Sie erklärt, wie wir uns von Dingen trennen und warum man damit im Bad anfangen soll.

von
Meret Steiger

Irina, du bist Entrümpel-Profi. Wie kam es dazu?
Ich bin gelernte Innendekorateurin. Seit der Geburt meiner Kinder habe ich nicht mehr auf dem Beruf gearbeitet, war aber immer zur Stelle, wenn man bei Friends etwas ausmisten oder sortieren musste – zum Beispiel vor dem Zügeln.

Du schreibst jetzt auch zum Thema.
Ja, ausmisten ist einfach meine Leidenschaft: Ich habe einen Blog zum Thema und jetzt ein Workbook veröffentlicht, das beim Entrümpeln helfen soll. Eigentlich wollte ich auch Kurse anbieten und zu den Teilnehmenden nach Hause, aber das ist wegen Corona gerade nicht möglich.

Warum brauchen wir Kurse zum Ausmisten?
Die meisten Leute haben kein Einrichtungskonzept und das Gefühl für die eigenen Räume verloren. Deswegen waren wir vor Corona auch so oft unterwegs! Jetzt sind wir mehr zu Hause und merken plötzlich, dass wir gar nicht zufrieden sind. Du zahlst doch nicht so viel Miete, um dich dann in deiner eigenen Wohnung nicht wohlzufühlen? Mit meinem Buch will ich den Leuten helfen, ein eigenes Konzept zu erarbeiten.

Was ist das Konzept?
Weniger Dinge besitzen, dafür bewusster konsumieren. Dafür muss man sich oft erst mal klar werden, was man möchte – und was es wirklich braucht. Ich sehe das bei mir: Meine frühere Wohnung war nur 60 Quadratmeter gross und hatte weder Estrich noch Keller. Der Platz hat mir trotzdem gereicht. Meine neue Wohnung hat 110 Quadratmeter und einen Keller, der jetzt schon voller Zeug ist, das ich eigentlich nicht unbedingt brauche.

Dann hast du selber auch Mühe, dich von Dingen zu trennen?
Natürlich! Das ist ja auch normal. Bei mir sind es etwa die Backformen meiner Grossmutter, aber die benutze ich wenigstens noch hin und wieder. Ich hänge auch sehr am Marmor-Schachbrett meines Grossvaters. Das ist ein Riesending, aber ich bringe es einfach nicht übers Herz, das wegzugeben.

Aber warum fällt es uns so schwer, Dinge loszulassen?
Dafür gibt es verschiedenste Gründe, meist ist es eine Kombination aus mehreren. Da ist einmal der finanzielle Aspekt: Wenn wir viel Geld für etwas ausgegeben haben, dann wollen wir es nicht aussortieren. Dann gibt es die «Vielleicht brauche ich das noch»-Gegenstände, die zwar seit Ewigkeiten nur herumliegen, aber funktionstüchtig wären. Und dann gibt es die Dinge, zu denen wir eine emotionale Bindung haben – wie die Backformen und das Schachbrett.

Was ist dein bester Aufräum- und Entrümpeltrick?
Ich würde empfehlen, beim Entrümpeln immer mit dem Badezimmer anzufangen – dort befinden sich vermutlich die wenigsten Gegenstände, zu denen wir eine emotionale Bindung haben. Wer hängt schon an einer alten Sonnencreme? Ausserdem sollte man sich genug Zeit lassen: Du musst nicht alles an einem Tag schaffen. Und, ganz wichtig: Es wird in deiner Wohnung erst schlimmer aussehen, bevor es besser wird. Aufräumen beginnt immer mit Chaos.

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