Aktualisiert 19.10.2006 20:49

Aufregung in Wien: Pissoirs mit Frauenmundform

In Wien ist das öffentliche Pissoir in der Nähe der Staatsoper in aller Munde. Grund: Die Muscheln der Anlage sind als dick geschminkte Frauenlippen gestaltet. Ein Protessturm zeigte Wirkung. Die «Mäuler» verschwinden.

Das anstössige Wiener Pissoir gilt in Fachkreisen als Kunstwerk und die Muscheln wurden bereits vor drei Jahren in Frauenmünder umgewandelt. Aufgeregt hat sich bis vor kurzem niemand. Aber dann führten die Grünen in der Nähe eine Wahlveranstaltung durch. Und die Politiker, die sich dort erleichterten, nervten sich über die ungewöhnliche Pinkelanlage. Monika Vana, die Sprecherin der Grünen, verurteilte daraufhin die Pissoirs als «sexistisch und unangebracht». Und die Wiener Frauenstadträtin Sonja Wehsely schrieb in einem Communiqué: «Wir finden das geschmacklos, frauenfeindlich und beleidigend.»

Gerhard Neuhold, Betreiber der umstrittenen Anlage, versteht die Aufregung nicht. «Wir haben im Vorraum der Toilette Kameras montiert und die Aufnahmen zeigen, dass im Laufe der Jahre nahezu alle männlichen Stadtpolitiker die Anlage benutzten. Und keiner hat sich genervt.» Und auch bei Touris-ten sei seine WC-Anlage beliebt. Trotzdem gibt er dem Druck nach. Die Pissoirs werden in den nächsten zwei Wochen abmontiert und im Internet versteigert. Eines habe er aus dem Konflikt jedenfalls gelernt, so Neuhold: «Kunst ist Ansichtssache.»

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