«Schweizer erwache!!»: Aufruf zu Gewalt in Facebook-Gruppe – Andreas Glarner war Administrator
Publiziert

«Schweizer erwache!!»Aufruf zu Gewalt in Facebook-Gruppe – Andreas Glarner war Administrator

In einer geschlossenen Facebook-Gruppe wird immer wieder zu Gewalt aufgerufen. Bis vor wenigen Tagen war SVP-Nationalrat Andreas Glarner ein Administrator dieser Gruppe. Glarner sagt, er habe davon nichts gewusst.

von
Karin Leuthold, Claudia Steiger
1 / 2
War Administrator einer Facebook-Gruppe, in der immer wieder zu Gewalt aufgerufen wird: SVP-Nationalrat Andreas Glarner.

War Administrator einer Facebook-Gruppe, in der immer wieder zu Gewalt aufgerufen wird: SVP-Nationalrat Andreas Glarner.

Tamedia AG
Andreas Glarner (hier mit Rapper Milli54) sagt, er kenne die Gruppe nicht.

Andreas Glarner (hier mit Rapper Milli54) sagt, er kenne die Gruppe nicht.

20 Minuten

Darum gehts

  • In der Facebook-Gruppe «Schweizer erwache!!» wird immer wieder zu Gewalt aufgerufen – auch gegen Politiker.

  • SVP-Nationalrat Andreas Glarner war bis vor wenigen Tagen Administrator dieser Gruppe.

  • Glarner selbst sagt, er sei ohne sein Wissen zur Gruppe hinzugefügt worden.

«Schweizer erwache!!» so heisst eine geschlossene Facebook-Gruppe, bei der SVP-Nationalrat Andreas Glarner bis am Mittwochabend einer von drei Administratoren war, wie der «Tages-Anzeiger» (Bezahlartikel) berichtet. Eine Gruppe mit 1500 Mitgliedern, in der antisemitische Verschwörungstheorien, rassistische Hetze, sexistische Abwertungen, Aufrufe zu Gewalt gegen Politiker, Flüchtlinge und Andersdenkende verbreitet werden.

Das Brisante: Gemäss Facebook-Richtlinien war Glarner als Administrator dafür verantwortlich, dass die in der Gruppe geteilten Inhalte «sämtlichen geltenden Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften» entsprechen. Doch wie eine Recherche laut Bericht zeigt, haben Glarner sowie die beiden anderen Administratoren von «Schweizer erwache!!» diese Verantwortung nur sehr selten wahrgenommen.

Rund zehntausend Posts und Kommentare aus den letzten Monaten wurden ausgewertet. So diskutierten einige Gruppenmitglieder nach dem Amtsübergabe-Tweet vom Silvesterabend beispielsweise über Simonetta Sommaruga. Die Kommentare reichten von Beleidigungen – «Landesverräterin», «Leere Hülle ohne Rückgrat» – bis zum Mordaufruf: «… am besten Kopfnuss ä Kopfsch...»

Auch als Anfang Februar in der Gruppe über den Migrationspakt diskutiert wurde, liessen die drei Administratoren zahlreiche Aufforderungen zu Gewalt stehen.

Glarner will Gruppe nicht kennen

Glarner selbst hat sich in der Gruppe nicht an den Diskussionen beteiligt. Weder schrieb er Beiträge, noch trat er als Moderator in Aktion. Er kenne diese Gruppe nicht, sagt der SVP-Nationalrat laut Bericht. «Ich wurde offenbar willkürlich von jemand anderem als Administrator hinzugefügt.» Nachdem er mit den Inhalten konfrontiert worden war, hat Glarner die Gruppe am Mittwochabend verlassen.

Bei Facebook hiess es, es sei nicht möglich, dass jemand Administrator einer Gruppe werde, ohne seine Zustimmung dazu zu geben. Facebook hat demnach eine Untersuchung eingeleitet, ob die Gruppe «Schweizer erwache!!» den Standards des sozialen Netzwerks entspricht. Falls nicht, könnten Kommentare entfernt oder sogar die ganze Gruppe gelöscht werden.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Onlineberatung für Frauen (BIF)

Onlineberatung für Männer

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung