Aktualisiert 01.04.2020 15:52

Ferien gestrichen?

Aufruhr an Schulen wegen Corona-Aprilscherzen

An Schulen in St. Gallen und im Baselbiet kam es am Mittwoch zu Corona-Aprilscherzen. Nicht alle finden das lustig. In anderen Ländern waren sie sogar unter Strafe gestellt.

von
nke
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«Dieses Mal haben es unsere Lehrer echt auf die Spitze getrieben», beschweren sich drei Schüler des regionalen Oberstufenzentrums Grünau in Wittenbach SG.

«Dieses Mal haben es unsere Lehrer echt auf die Spitze getrieben», beschweren sich drei Schüler des regionalen Oberstufenzentrums Grünau in Wittenbach SG.

OZ Grünau
Auf Berufung der vom Bund ausgesprochenen «ausserordentlichen Lage» sowie mit einem Fake-Zitat vom Daniel Koch wurde den Schülern die Frage gestellt, ob sie lieber auf die Frühlings- und Sommerferien verzichten wollten, um den Stoff aufzuarbeiten, oder ob sie das Schuljahr wiederholen möchten.

Auf Berufung der vom Bund ausgesprochenen «ausserordentlichen Lage» sowie mit einem Fake-Zitat vom Daniel Koch wurde den Schülern die Frage gestellt, ob sie lieber auf die Frühlings- und Sommerferien verzichten wollten, um den Stoff aufzuarbeiten, oder ob sie das Schuljahr wiederholen möchten.

OZ Grünau
Später stellte sich heraus, dass es sich dabei um einen Scherz handelte.

Später stellte sich heraus, dass es sich dabei um einen Scherz handelte.

OZ Grünau

«Dieses Mal haben es unsere Lehrer echt auf die Spitze getrieben», beschweren sich drei Schüler des regionalen Oberstufenzentrums Grünau in Wittenbach SG. Auch für sie ist seit drei Wochen Homeschooling angesagt. Jeden Morgen gebe es eine sogenannte «Challenge», bei der Fragen gestellt würden, die die Schüler dann beantworten müssten.

So auch am Mittwoch. Auf Berufung der «ausserordentlichen Lage» sowie mit einem Fake-Zitat von Daniel Koch (BAG) wurde den Schülern die Frage gestellt, ob sie lieber auf die Frühlings- und Sommerferien verzichten wollten, um durchzuarbeiten – oder ob sie das Schuljahr wiederholen möchten. Es gebe nur diese zwei Möglichkeiten. «Wir haben das sehr ernst genommen und untereinander und auch mit Eltern darüber geredet», äussert sich ein Schüler. Dann habe sich herausgestellt, dass das alles ein Scherz der Lehrer gewesen sei.

Humor nicht verlieren

Die drei Schüler finden es überhaupt nicht in Ordnung, dass man sie bei so einem Thema in die Irre führt. Es sei äusserst unmoralisch und unfair. Die aktuelle Situation sei ohnehin nicht einfach. Sie hätten auch gelesen, dass man 1.-April-Scherze über Corona vermeiden solle.

Schulleiter Dominik Rechsteiner zeigt Verständnis für die Schüler, denen der Witz zu viel war. Gleichzeitig möchte er aber auch relativieren: «Wir dürfen den Humor nicht verlieren in dieser schwierigen Zeit.» Und der Scherz sei doch sehr harmlos gewesen. Sobald die Schüler sich für eine der Optionen entschieden gehabt und diese angeklickt hätten, seien sie auf die nächste Seite weitergeleitet worden, wo der Scherz direkt aufgelöst worden sei.

Fake-Brief im Umlauf

Zu einer ähnlichen Form eines Corona-Aprilscherzes kam es auch im Baselbiet. Wie die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion des Kantons Basel-Landschaft mitteilte, ist ein gefälschter Brief samt Unterschrift von Regierungsrätin Monica Gschwind in Umlauf geraten. Im Fake-Schreiben wird darauf hingewiesen, dass an den Baselbieter Schulen die Frühlingsferien gestrichen seien und stattdessen Fernunterricht durchgeführt werde.

Mediensprecherin Fabienne Romanens bezeichnet diesen Aprilscherz als «geschmacklos». Die Frühlingsferien sollen wie geplant vom 4. bis 19. April stattfinden. In welcher Form der Unterricht am 20. April wiederaufgenommen werde, hänge von den weiteren Beschlüssen des Bundes ab.

Strafen für Corona-Aprilscherze

Mehrere Länder haben vor Aprilscherzen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie gewarnt - und drohen mit saftigen Strafen. Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen erklärte am Mittwoch via Facebook, wer am 1. April Witze über die Pandemie mache, verstosse gegen das Gesetz. In Taiwan drohen für das Verbreiten von Falschinformationen bis zu drei Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 95'000 Franken.

Auch die thailändische Regierung warnte vor Corona-Scherzen. «Es verstösst gegen das Gesetz, am 1. April vorzugeben, man habe Covid-19», warnte die Regierung auf Twitter. Darauf stünden bis zu fünf Jahre Haft.

In Indien, wo Falschinformationen ein weit verbreitetes Problem sind, warnten Politiker ebenfalls vor fehlgeleiteten Scherzen. Die Regierung des Bundesstaates Maharashtra werde keine Gerüchte und Panikmache zulassen, schrieb der Innenminister des Bundesstaates, Anil Deshmukh, auf Twitter. Ein Sprecher der Polizei in Mumbai sagte der Nachrichtenagentur AFP, jeder, der Falschinformationen verbreite, werde strafrechtlich verfolgt.

Auch viele Unternehmen verzichten dieses Jahr auf die Tradition zum 1. April. Der Internetriese Google, der für seine Aprilscherze bekannt ist, nehme in diesem Jahr «aus Respekt für all jene, die gegen die Covid-19-Pandemie kämpfen», davon Abstand, zitierte das Magazin «Business Insider» aus einer E-Mail an die Google-Mitarbeiter. (sda)

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