Aufschrei in Zürcher Nordgemeinden
Aktualisiert

Aufschrei in Zürcher Nordgemeinden

Das neue Betriebsreglement für Zürich-Kloten hat in den Zürcher Nordgemeinden für rote Köpfe und erhitzte Gemüter gesorgt. Proteste sind programmiert.

Die geplanten Änderungen verursachten mehr und längere Lärmemissionen, kritisierten Gemeindevertreter und Fluglärmgegner am Dienstag.

Empört zeigte sich auf Anfrage Otto Halter, Gemeindepräsident von Wallisellen. Mit der Ausweitung der Betriebszeiten auf der Piste 16 habe der Flughafen nun die völlige Freiheit, die Piste von 06.00 bis 22.00 Uhr zu benutzen. «Dagegen werden wir sicher rekurrieren», sagte Halter. Auch der erweiterte «left turn» bringe den sonst schon fluglärmgeplagten Gemeinden im Norden Zürichs zusätzliche Lärmimmissionen. Betroffen sind die Gemeinden Dübendorf, Wallisellen, Dietlikon, Wangen und Brüttisellen. Bisher hatten die Flugzeuge jeweils bei Opfikon abgedreht. Halter zeigte sich auch enttäuscht über die Informationspolitik des Flughafens und des Bundes. Mit Blick auf das anstehende Mediationsverfahren forderte Halter, dass alle Forderungen ehrlich auf den Tisch gelegt und die Teilnehmer nicht vor ein Fait accompli gestellt werden.

Kurt Schreiber, Präsident der Task Force Fluglärm und Gemeindepräsident von Dietlikon, zeigte für die Informationspolitik ebenfalls Unverständnis. Die Gemeinden seien von Flughafen und Regierung erst nach den Medien über das neue Reglement informiert worden. «So viel zum Thema Vertrauen», sagte er.

Auf Widerstand stösst das Betriebsreglement auch beim Fluglärmforum Süd, das 22 Gemeinden mehrerer zürcherischer Bezirke umfasst. Das Reglement sei ein Versuch, die provisorischen Südanflüge zu zementieren und mit dem neuen «wide left turn» den Süden auch tagsüber zusätzlich mit massiv mehr Fluglärm zu belasten. Dem Flughafen gehe es einzig um die Maximierung seiner An- und Abflugkanäle, kritisierte das Forum.

Vehement kritisierte auch der Verein Zürich-Nord gegen Fluglärm das neue Betriebsreglement und kündigte Einsprache dagegen an. Die Zürcher SP und die Grüne Partei forderten, der Flughafen müsse von unrealistischen Wachstumsträumen Abschied nehmen.

Das Zürcher Volkswirtschaftsdepartement kommentierte das neue Betriebsreglement nicht näher. Der in der Kompetenz der Regierung liegende Bereich Nachtflugverbot sei in gewünschter und genehmigter Weise berücksichtigt worden, sagte Caroline Brüesch, die stellvertretende Departementssprecherin. Zu möglichen Auswirkungen des neuen Reglements auf die verschiedenen Überflugsgebiete äusserte sich das Departement von SVP-Regierungsrätin Rita Fuhrer nicht.

(dapd)

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