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Aufschrei nach Bushs Vietnam-Vergleich

US-Präsident George W. Bush hat Parallelen zwischen dem Irak- und dem Vietnam-Krieg gezogen, um eine Verlängerung des Einsatzes am Golf zu begründen. Die Demokraten kritisierten den Vergleich aber scharf.

Bush sprach am Mittwoch in einer Rede vor Kriegsveteranen in Kansas-City von Parallelen zwischen dem Irak-Krieg und Militäreinsätzen der USA in Vietnam und anderen asiatischen Ländern während und nach dem Zweiten Weltkrieg.

«Japans Militaristen und die Kommunisten in Korea und Vietnam waren von einer gnadenlosen Vision getrieben, wie die Menschheit zu funktionieren hat», sagte Bush.

Amerikaner seien getötet worden, weil sie sich gegen diese Ideologien stemmten. «Heute sind es andere Namen und Orte, aber der fundamentale Charakter des Kampfes ist unverändert.»

Unpassender Vergleich

Mit Blick auf das Beispiel Vietnam warnte der US-Präsident vor einem verfrühten Abzug der US-Truppen aus dem Irak. «Ein unzweifelhaftes Vermächtnis Vietnams ist, dass der Rückzug Amerikas von Millionen unschuldiger Bürger bezahlt wurde», sagte Bush.

In der Folge sei es zu den Flüchtlingsströmen der «boat people», Umerziehungslagern und dem blutigen Regime der Roten Khmer in Kambodscha gekommen. Die Lehre der blutigen Erfahrung in Vietnam müsse es sein, Geduld zu haben. «Wir werden siegen - es sei denn, wir gehen raus.»

Die US-Demokraten wiesen den Vergleich der Kriege im Irak und in Asien zurück. Es gebe «fundamentale Unterschiede», teilte der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, mit.

«Unsere Nation wurde von der Bush-Regierung unter Vorwänden in die Irre geführt, um Unterstützung für die Invasion im Irak zu gewinnen», betonte Reid. Dies habe zu einer der grössten aussenpolitischen Fehlleistungen in der Geschichte der USA geführt.

Kritik relativiert

Bush relativierte in Kansas-City die harsche Kritik von US- Botschafter Ryan Crocker am irakischen Regierungschef Nuri al- Maliki. «Regierungschef Al-Maliki ist ein guter Kerl, ein guter Mann, mit einem schwierigen Job, und ich unterstütze ihn», sagte Bush nun am Mittwoch.

US-Botschafter Crocker hatte am Vortag, wenige Wochen vor der Veröffentlichung seines Fortschrittsberichts über die Lage im Irak, gesagt, die Regierung von Al-Maliki habe eine extrem enttäuschende Bilanz vorzuweisen.

Und Bush hatte gesagt, es liege in der Hand der Iraker, ihre Regierung abzulösen. Al-Maliki hatte die Kritik umgehend zurückgewiesen.

Der Fortschrittsbericht zum Irak soll dem US-Kongress in der ersten Septemberhälfte vorgelegt werden. Mitautor des Berichts ist neben Crocker US-General David Petraeus. Das Papier gilt als wichtige Weichenstellung für das weitere Vorgehen in dem kriegsgebeutelten Land.

Helikopter abgestürzt

Derweil ging im Irak das Blutvergiessen weiter. Ein Selbstmordattentäter riss im Norden des Landes 23 Menschen mit in den Tod. Dutzende Menschen wurden verletzt. Ebenfalls im Nordirak kamen beim Absturz eines US-Helikopters 14 Soldaten ums Leben.

Es deutet darauf hin, dass die Maschine wegen eines technischen Problems abgestürzt war. Im Irak-Krieg kamen inzwischen über 3700 US-Soldaten ums Leben. (sda)

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