Aktualisiert 21.03.2011 14:39

Aufruhr in Libyen

Aufständische erobern Ras Lanuf zurück

Die Aufständischen haben nach eigenen Angaben einen wichtigen Gebietsgewinn errungen. Die EU will derweil Gaddafi zur Not mit Gewalt aus dem Amt jagen.

Der Stand am Freitagmorgen

Einer der Rebellen-Kämpfer sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon, Regierungstruppen hielten sich im Zentrum von Ras Lanuf auf. Er habe etwa 150 Mann und drei Panzer gesehen. Er und andere Rebellen hielten sich noch in der Stadt auf.

Ein zweiter Aufständischer sagte, dass Regierungstruppen per Boot in der Stadt angekommen seien. Er habe vier Schiffe mit je 40 bis 50 Personen gesehen. «Wir kämpfen gerade jetzt gegen sie», sagte der Mann, der sich als Sprecher der Rebellen bezeichnete, aber seinen genauen Standort nicht bekanntgeben wollte.

Angriffe auf Lanuf in Libyen

Am Donnerstag hatten Gaddafi-treue Truppen Standorte der Aufständischen in Ras Lanuf bombardiert. Die Stadt liegt zwischen den von den Rebellen gehaltenen östlichen Landesteilen und dem von Gaddafi beherrschten Westen. Gaddafis Sohn Saif al-Islam hatte am Donnerstag eine Grossoffensive gegen die Aufständischen angekündigt.

Die Flüchtlinge in Ras Ajdir

Gaddafi könnte siegen

In den USA schätzen die Geheimdienstbehörden, dass Gaddafi im Kampf gegen die Rebellen die Oberhand behalten könnte. Das Weisse Haus relativierte entsprechende Aussagen von Geheimdienstchef James Clapper umgehend.

Gaddafi wendet sich ans Volk

Clapper hatte seine Einschätzung damit begründet, dass das Regime von Muammar al-Gaddafi über eine wesentlich bessere Ausrüstung und Logistik verfüge als die Gegner. Das Regime könne daher einen lange anhaltenden Konflikt besser überdauern. Gaddafi werde wahrscheinlich langfristig bleiben.

«Eindimensionale Analyse»

Das Weisse Haus relativierte: Der Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama, Tom Donilon, sprach von einer «eindimensionalen Analyse». Diese stütze sich ausschliesslich auf Gaddafis militärische Kapazitäten und Ressourcen.

Nicht einbezogen habe Clapper den Druck, den die internationale Gemeinschaft auf Gaddafi ausübe, und auch nicht etwaige Hilfen für die Rebellen. Auch verschiedene «Dynamiken» wie die Welle von Freiheitsbewegungen im Nahen Osten hätten die Geheimdienstbehörden nicht berücksichtigt.

US-Aussenministerin Hillary Clinton kündigte an, die USA würden vorerst ihren diplomatischen Draht zum Regime des Diktators kappen. Clinton will sich demnächst mit libyschen Oppositionellen treffen.

Niederländer wieder frei

Nach fast zwei Wochen in libyscher Gefangenschaft sind drei niederländische Soldaten wieder frei. Wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Den Haag mitteilte, konnten die Soldaten Tripolis mit einer griechischen Militärmaschine Richtung Athen verlassen.

Die zwei Männer und die Frau wurden am Freitagmorgen in der griechischen Hauptstadt erwartet, wie es in Den Haag hiess. Die drei Soldaten waren am 27. Februar während einer Rettungsaktion für zwei ausländische Zivilisten in Sirte im Norden Libyens festgenommen worden. Ihnen gehe es gut, sagte der Sprecher.

Die Soldaten waren ohne Genehmigung der libyschen Behörden mit einem Marine-Helikopter in Sirte gelandet. Sie wollten einen niederländischen Ingenieur und einen weiteren Europäer in Sicherheit bringen.

Der Helikopter wurde jedoch beim Start angegriffen. Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi nahmen die Soldaten gefangen. Die beiden Zivilisten wurden der niederländischen Botschaft in Tripolis übergeben. (sda)

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