«Costa Concordia»: «Aufwendigste Operation für ein Passagierschiff»
Aktualisiert

«Costa Concordia»«Aufwendigste Operation für ein Passagierschiff»

In einer Monster-Übung soll der havarierte Kreuzer «Costa Concordia» heute geborgen werden. Dabei handelt es sich um ein sehr heikles Manöver.

Das Wrack des havarierten Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» soll am Montag aufgerichtet werden. Das teilte Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrielli nach genauer Überprüfung der Wetterlage mit.

Die erwartete Windstärke und -richtung und die Höhe des Wellenganges bewegten sich innerhalb der Grenzwerte, bei denen die Arbeiten möglich seien, hiess es. Die Aktion wird am Montag um 6 Uhr beginnen und 10 bis 12 Stunden dauern.

Die ersten 5 Stunden sind jedoch entscheidend, um festzustellen, ob die 56 Stahlseile in der Lage sein werden, das Kreuzfahrtschiff von den Felsen zu heben, auf denen es seit der Havarie ruht. Das 114'500 Tonnen schwere Schiff soll in einer noch nie durchgeführten Aktion in vertikale Position gebracht werden.

Gelingt dies, soll das Wrack danach zum Festland geschleppt und zerlegt werden. Wenn es nach den Wünschen der Behörden geht, sollen die Arbeiten im ersten Halbjahr 2014 abgeschlossen sein.

In den 20 Monaten seit dem Schiffbruch wurde die «Costa Concordia» bereits stabilisiert, zudem wurden Treibstoff und Abwässer abgepumpt. Die Bergung des Schiffs ist eine der grössten aller Zeiten. Sie wird nach Angaben der Reederei Costa Crociere mindestens 600 Millionen Euro kosten.

Kühnes Manöver

Dutzende Journalisten trafen am Sonntag ein, um über die komplizierte Phase der Bergung zu berichten. Fernsehsender aus allen Weltteilen werden das Manöver am Montag live übertragen.

«Das Aufrichten ist die aufwendigste Operation, die es je für ein Passagierschiff gegeben hat», sagte Zivilschutzchef Gabrielli. Er versicherte, dass bei der Aufrichtung des Schiffes dem Umweltschutz höchste Priorität eingeräumt werde.

Seit über einem Monat werde bereits Wasser aus dem Schiff gepumpt, um zu verhindern, dass Müll und andere schädliche Stoffe aus dem Wrack ins Meer gelangen. «In diesen Monaten ist der Meeresboden ständig gesäubert worden. Gegenstände aus dem Schiff werden aufs Festland gebracht und entsorgt», sagte Gabrielli.

Naturschützer fürchten Verschmutzung

Der Konsumentenschutzverband Codacons sieht die Lage anders. Es bestehe konkrete Gefahr, dass die «Costa Concordia» bei der Aufrichtung zusammenbreche und somit riesige Mengen von umweltbelastenden chemischen Stoffen ins Meer gelangen.

«Die Umweltschäden wären enorm», warnte der Verband in einem Communiqué. Auch Naturschützer fürchten, dass bei der Bergung das Meer verschmutzt wird.

Zu nahe an Giglio herangefahren

Das mehr als 114'000 Tonnen schwere Schiff war am 13. Januar 2012 vor der Mittelmeer-Insel Giglio gekentert. 32 Menschen starben bei dem Unglück. Das Schiff war zu nahe an die italienische Insel Giglio herangefahren.

Bei der Rettung der Passagiere gab es zahlreiche Verzögerungen. Francesco Schettino, der Kapitän des Schiffes, muss sich wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie Verlassens des Schiffs noch während der Evakuierung vor Gericht verantworten. (sda)

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