Jugendgewalt: Auge ausgeschossen
Aktualisiert

JugendgewaltAuge ausgeschossen

Ein junger Türke hat einem Mazedonier vor dem Zürcher Club Rohstofflager mit einer Co2-Gasdruckpistole das rechte Auge ausgeschossen. Nun wurde der 21-jährige Schütze in ein Massnahmezentrum für junge Erwachsene eingewiesen.

von
Attila Szenogrady

Die brutale Tat vom 18. März 2007 stellte der vorbestrafte Türke nicht mehr in Abrede. Damals zückte er vor dem Zürcher Club Rohstofflager in den frühen Morgenstunden eine Gasdruckpistole und gab aus einer Distanz von zwei Metern mehrere Schüsse auf einen heute 23-jährigen Mazedonier ab. Die Folgen für das Opfer waren fatal. Er wurde am rechten Auge getroffen. Im Spital mussten die Ärzte aufgrund der schweren Verletzung das ganze Auge entfernen. Unverständlich war, dass mehrere Zeugen berichteten, dass der Täter ohne einen ersichtlichen Grund das Feuer eröffnet hatte. Seine spätere Erklärung, er sei vom Geschädigten zunächst attackiert worden, entpuppte sich in der Folge als unwahre Schutzbehauptung. Womit ein nachvollziehbares Tatmotiv bis heute im Dunkeln bleibt.

Massnahme statt Gefängnis

Das Bezirksgericht Zürich kam bereits im April 2008 zu einem ersten Entscheid. Es verurteilte den heute 21-jährigen Angeklagten wegen schwerer Körperverletzung und weiteren Nebendelikten zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Allerdings schoben die Richter die Strafe zugunsten einer Einweisung des verwahrlosten Schützen in eine Massnahme für junge Erwachsene auf. Der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft, die eine Strafe von fünfeinhalb Jahren verlangt hatte, gingen zunächst in die Berufung.

Womit der Fall am Freitag das Zürcher Obergericht beschäftigt hätte. Doch daraus wurde nichts. Laut Obergericht zogen die Parteien ihre Anträge kurz vor dem Berufungsprozess zurück. Mit der Folge, dass Urteil des Bezirksgerichts in Rechtskraft erwuchs - so auch in den Nebenpunkte, die dem finanziellen Ruin des Hilfsarbeiters gleichkommen. So wurde er grundsätzlich verpflichtet, dem invaliden Geschädigten Schadenersatz in noch unbekannter Höhe zu leisten und zudem ein Schmerzensgeld von 45 000 Franken.

Die Gerichtskosten von über 40 000 Franken wurden einstweilen abgeschrieben.

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